Handball : Lasst uns Feinde sein

Magdeburgs Sportdirektor Stefan Kretzschmar will mehr Rivalität mit den Füchsen - und wohl auch selbst nach Berlin.

Christian Hönicke

Bob Hanning rast auf Magdeburg zu. „Erst sitzen wir so schön beim Kaffee zusammen und plaudern“, sagt er in das Rauschen des ICE, „und einen Tag später kommt dann so eine unqualifizierte Äußerung.“ Der Manager des Bundesligisten Füchse Berlin spricht über Stefan Kretzschmar und den Satz, der ihm zugeschrieben wird. Wenn er schönen Handball sehen wolle, gehe er lieber zu seinem SC Magdeburg als zu den Füchsen, soll Kretzschmar gesagt haben. „Wenn er meint, dass Magdeburg schöner spielt, dann kann er das ja am Dienstag zeigen.“ Am Dienstagabend nämlich treffen beide Klubs in der Bördelandhalle aufeinander.

Ein paar Kilometer ostwärts bestreitet Kretzschmar, dass er das so gesagt hat. „Das ist zu arrogant, das steht uns nicht“, sagt der Sportdirektor des SCM. „Das war typisch ,Bild‘-Zeitung.“ Dabei könnte ihm der Satz durchaus helfen. Bei der Kaffeerunde mit
Hanning sei es „um die generelle Ausrichtung der beiden Klubs“ gegangen, sagt der frühere Nationalspieler, „ob wir jetzt eine Rivalität schüren wollen oder eher nett miteinander umgehen“. Während Hanning Magdeburg weiter eher als Vorbild und aufgrund des Westberliner Ursprungs der Füchse „keinen Ostderbycharakter“ sieht, hätte Kretzschmar „ganz gerne mehr Rivalität“. Dabei kommt ihm das Interesse der Füchse an den SCM-Profis Silvio Heinevetter und Christian Sprenger entgegen: „Wer uns Spieler wegnehmen will, den empfangen wir nicht mit Sympathie.“

Die Tabelle leistet Kretzschmars Rivalitätsfantasien weiteren Vorschub – inzwischen sind beide Klubs auch hier Nachbarn. Nach Finanzproblemen muss der Traditionsklub aus Magdeburg, der einst ganz Europa dominierte, nun sein ureigenes Revier gegen den Emporkömmling verteidigen. Kretzschmar: „Wir können auf lange Sicht nur mit Berlin mithalten, wenn wir einen Sponsor finden, der uns Millionen bringt.“ Außerdem fürchtet er, dass gerade Handballtouristen künftig eher nach Berlin fahren: „Da ist das kulturelle Angebot größer.“

Füchse-Manager Hanning: "Kretzsche will zu uns. Aber als Frühstücksdirektor ist er zu teuer"

Zumal er seiner Heimatstadt offenbar auch selbst angetan gegenübersteht. „Jeder weiß, dass Kretzsche zu den Füchsen will“, sagt Hanning; man rede immer wieder „lose darüber“, gibt Kretzschmar zu. „Aber momentan sehe ich ihn nicht bei den Füchsen“, sagt Hanning. „In welcher Funktion auch?“ Für die Vermarktung habe man die Gesellschaft IMG, Sportlicher Leiter „bin ich ja schon. Und als Frühstücksdirektor ist er einfach zu teuer. Da stecken wir das Geld lieber ins Team“.

Vielleicht finden die Füchse aber doch noch Verwendung für Kretzschmar – als Verantwortlichen für Rivalitätsangelegenheiten zum Beispiel. „Feindschaften definieren sich über Personen“, sagt Kretzschmar. „Die Füchse brauchen noch einige Köpfe zu einem richtigen Profil.“ Natürlich denkt er dabei auch an seinen eigenen: „Das wäre sicherlich nicht negativ für die Füchse.“ 

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