Handball : Letzte Hoffnung Polen

Die beiden neuen Handballer der Füchse müssen einschlagen, denn weitere Transfers sind nicht geplant.

Christian Hönicke

Berlin - Bob Hannings Schreibtisch ist seit Montag um einen Gegenstand reicher. „Ich habe mir einen Zeitungsausschnitt mit dem Ergebnis gegen Hamburg draufgestellt“, sagt der Manager des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin. Der frühere Trainer des HSV hatte sich das Wiedersehen mit den alten Gefährten ein wenig anders vorgestellt: „Das tut natürlich weh, gegen seinen alten Klub so auf die Mütze zu bekommen.“ Statt der einkalkulierten ehrenvollen Niederlage erlebte er ein mittleres Debakel mit 14 Toren Unterschied, und die Zahlen 21:35 sollen Hanning künftig als Marke für den Tiefpunkt in der kurzen Bundesligamission des Aufsteigers dienen.

Die Garanten dafür, dass nicht noch mehr solcher zweifelhaften Schmuckstücke den Weg in sein Büro finden, hatte der Manager schon am Sonntag mit in die Schmeling-Halle gebracht: Michal Kubisztal und Bartlomiej Jaszka. Die beiden von Zaglebie Lubin verpflichteten Polen sollen den schwachen Angriff der Füchse im Kampf gegen den Abstieg aufwerten. „Das Spiel gegen Hamburg hat gezeigt, dass wir die beiden dringend brauchen“, sagt Hanning. „Wir waren nicht in der Lage, gegen die 6:0-Deckung überhaupt mal von hinten aufs Tor zu werfen.“ Der Rückraum sei mit Ausnahme von Kjetil Strand „nicht existent“ gewesen. Mit zehn Toren hatte der Norweger seine beste Saisonleistung gezeigt, dafür enttäuschten vor allem der sonst so starke Konrad Wilczynski und Mark Bult. Beim lange verletzten Bult ließ Hanning noch fehlende Fitness als Entschuldigung gelten, „aber da muss langsam auch mal was kommen“.

Das Spiel gegen den HSV deckte noch weiteren Bedarf für Verstärkungen auf, etwa am Kreis, wo Hany El Fakharany wieder seine Variante des aktiven Versteckspiels aufführte – aber das Geld fehlt. Die beiden Polen konnten sich die Füchse auch nur leisten, weil der Zuschauerschnitt statt der kalkulierten 4000 bei weit über 5000 liegt. „Die Fans haben durch den Einnahmeüberschuss diese Transfers finanziert“, sagt Hanning. Weitere sind nicht angedacht: „Die Planungen für die Saison sind abgeschlossen – es sei denn, es verletzt sich noch jemand.“

Die Hoffnungen und Erwartungen an die beiden letzten Pfeile, die die Füchse im Abstiegskampf ziehen, sind entsprechend hoch: Kubisztal und Jaszka müssen einschlagen. Dabei wird ihre Verpflichtung von einigen Unwägbarkeiten begleitet. Die erste wurde offensichtlich, als sie sich schüchtern-sympathisch selbst vorstellten – gedolmetscht von Wilczynski, dem Österreicher mit polnischen Wurzeln. „Sie sprechen kein Deutsch, das ist ein Problem“, gibt Hanning zu. Bis der verordnete Sprachunterricht Früchte trägt, muss der Manager hoffen, „dass Konrad hilft“. Als warnendes Beispiel dient der SC Magdeburg, über dessen ehemaligen Manager Bernd-Uwe Hildebrandt auch der Kontakt zustande gekommen war. Dort hatten Spieler aus Polen quasi eine Parallelmannschaft innerhalb des Teams gebildet. Hanning: „Ich hoffe, dass sich das nicht so entwickelt wie in Magdeburg, sondern dass sie integriert werden können.“

Viel Zeit dafür bleibt Trainer Jörn-Uwe Lommel allerdings nicht. Wenn Kubisztal und Jaszka wie geplant im Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten Lübbecke am 23. Dezember erstmals zum Einsatz kommen, werden sie gerade sieben Tage mit der Mannschaft verbracht haben. „Das reicht natürlich nicht aus“, sagt Hanning, „aber was sollen wir machen?“ Fürs Erste kann er nicht viel mehr tun, als an seinem Schreibtisch zu sitzen und zu hoffen, dass so schnell kein weiterer Gegenstand dazukommt.

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