Handball-Manager Uwe Schwenker : Durch die Hintertür zu Empor Rostock

Nach dem Freispruch will Uwe Schwenker, ehemaliger Manager von Serienmeister THW Kiel, mit Zweitligist Empor Rostock zurück in die Handball-Bundesliga.

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Uwe Schwenker heuert wohl bei Empor Rostock an.
Uwe Schwenker heuert wohl bei Empor Rostock an.Foto: dpa

Uwe Schwenker wollte eigentlich nur vermitteln. Als Handball-Zweitligist Empor Rostock vor einigen Wochen nach einem Rückraumspieler für die neue Saison fahndete, hatte der langjährige Manager und Spielerberater schnell einen entsprechenden Kandidaten für die offene Planstelle gefunden. Das Gespräch zwischen Schwenker und Empor-Geschäftsführer Jens Gienapp war damit allerdings noch längst nicht beendet, im Gegenteil: es fing erst richtig an. „Wir haben danach sehr lang zusammengesessen und über Gott, die Welt und natürlich über Handball gesprochen“, berichtet Schwenker, „und wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass eine Zusammenarbeit beiden Seiten viel bringen kann.“

Was zunächst wie ein alltägliches Hinterzimmergespräch unter Experten klingt, bürgt eine der derzeit spannendsten Personalien im deutschen Handball in sich – denn Schwenker ist nicht irgendein ehemaliger Manager. Nach seiner aktiven Karriere lenkte der Ex-Nationalspieler beinahe zwei Jahrzehnte die Geschicke beim THW Kiel, der sich unter seiner Verantwortung endgültig zum deutschen Marktführer aufschwang. Zwölf Mal gewann der THW zwischen 1994 und 2009 die Deutsche Meisterschaft, dazu sechs Mal den DHB-Pokal, dreimal den EHF-Cup und 2007 zudem die Champions League. Eben jener letzte Titel sollte sich allerdings als Stolperstein in der großen Managerkarriere des Uwe Schwenker erweisen. Weil er unter anderem den Ausgang des Europapokal-Endspiels mit finanziellen Zuwendungen beeinflusst haben soll, erhob die Staatsanwaltschaft Kiel 2009 Anklage wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr, Betrug und Untreue. Zwar endeten sämtliche Verfahren mit einem Freispruch. „Trotzdem hat mir diese Geschichte die Chance genommen, weiter im Handball zu arbeiten“, sagt Schwenker, der 2009 als Geschäftsführer beim THW Kiel zurücktrat.

Bis heute nennt der 54-Jährige die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft „absolut lächerlich“. Es sei „ausschließlich darum gegangen, mir selbst und meinem Verein zu schaden“, sagt Schwenker – wobei ihn ein Satz besonders stört, der aus dem Urteil am letzten Prozesstag im Januar 2012 stammt. Darin heißt es, die Strafkammer sei „nicht von der Schuld, allerdings auch nicht von der Unschuld des Angeklagten überzeugt“. Es ist ein Statement, das Uwe Schwenker in der öffentlichen Wahrnehmung verfolgt und womöglich eine neuerliche Anstellung bei einem Bundesligisten verhindert. Zumindest bislang.

Insofern überrascht es nicht, dass Schwenker nun offenbar ernsthaft in Betracht zieht, eine beratende Funktion beim Zweitligisten in Rostock zu bekleiden. Spätestens Mitte August soll diesbezüglich eine Entscheidung fallen, wobei die Tendenz ziemlich deutlich ist. „Empor ist ein spannendes Projekt, aber noch ist nichts entschieden“, sagt Schwenker vielsagend. Hinter vorgehaltener Hand heißt es in Rostock allerdings, die Zusammenarbeit zwischen dem mecklenburgischen Traditionsklub und dem erfolgreichsten deutschen Handball-Manager der vergangenen Jahrzehnte sei reine Formsache. Schwenker sagt dazu: „Wenn diese Kooperation zu Stande kommt, wäre es eine typische Win-Win-Situation.“ Für ihn selbst, weil er nach vierjähriger Abstinenz endlich wieder in seinem favorisierten Bereich arbeiten könnte und nicht ausschließlich für die eigene Versicherungsagentur, in der er zwölf Leute beschäftigt. Und für Empor ohnehin.

Man muss dazu wissen, dass Rostock einst zu den besten Adressen im DDR-Handball zählte, lediglich der SC Magdeburg gewann vor der Wende mehr Meisterschaften und Pokale als die Mecklenburger. Mittlerweile vegetiert der Klub allerdings seit Jahren in niederen Spielklassen vor sich her, im Moment zählt er immerhin zu den etablierten Zweitligisten. Die Verantwortlichen in der Hansestadt machen jedoch ebenso wenig ein Geheimnis daraus, dass in absehbarer Zeit der Angriff in Richtung Bundesliga erfolgen soll. Im Moment entsteht eine neue Halle, die eines Tages bis zu 2500 Handball-Fans beherbergen soll, wobei noch nicht einmal der Spatenstich erfolgt ist.

Für das Ziel Bundesliga könnten sie in Rostock eine erfahrene Kraft wie Schwenker gut gebrauchen, das weiß auch der Manager. „Ich verfüge über ein gutes Netzwerk, das über Jahre gewachsen ist“, sagt er. Ebenso könnte er seine Fähigkeiten bei der Sponsorenakquise einbringen – ein heikles Thema in einer Stadt, die man unter sportlichen Aspekten in erster Linie mit dem FC Hansa verbindet. „Noch ist das alles graue Theorie“, sagt Schwenker. Wenn Jens Gienapp zurückkehrt, könnte aber schnell eine Entscheidung fallen. Im Moment weilt der Empor-Manager im Urlaub und hat sein Telefon ausgeschaltet. Womöglich vermittelt er bald jenen Mann, der einst zur Vermittlung in sein Büro gekommen ist.

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