Handball : Markus Baur im Interview: „Die Probleme fangen in Liga zwei an“

Markus Baur über den deutschen Handball-Nachwuchs, seinen neuen Trainerjob – und Olympia 2018.

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Markus Baur, 41, war Kapitän des DHB-Teams, das 2007 die WM im eigenen Land gewann. Seit dem 1. Juli ist er als Junioren-Nationaltrainer tätig.
Markus Baur, 41, war Kapitän des DHB-Teams, das 2007 die WM im eigenen Land gewann. Seit dem 1. Juli ist er als...Foto: dpa

Herr Baur, der ehemalige Bundestrainer Heiner Brand hat einmal gesagt, ihm sei immer klar gewesen, dass der Spieler Markus Baur eines Tages auch ein guter Trainer sein würde. Wann wussten sie, dass sie Trainer werden wollen und können?
Als Spieler habe ich mir darüber keine großen Gedanken gemacht. Als direkt nach meiner Karriere das Angebot kam, als Spielertrainer in der Schweiz zu arbeiten, fand ich die Aufgabe sehr spannend. Drei, vier Monate später hat dann mein ehemaliger Verein, der TBV Lemgo, angefragt, ob ich nicht in der Bundesliga arbeiten möchte. Offenbar war also nicht nur Heiner Brand der Ansicht, dass ich so einen Posten gut ausüben kann, sondern auch andere Personen.

Nun haben sie kürzlich ihre Stelle beim TuS Nettelstedt-Lübbecke aufgegeben und stattdessen einen für drei Jahre gültigen Kontrakt als Junioren-Nationaltrainer beim Deutschen Handball-Bund (DHB) unterschrieben.

Es war keine leichte Entscheidung, wir hatten in Nettelstedt ein erfolgreiches Jahr, standen im Final-Four-Turnier des DHB-Pokals, überhaupt war das Arbeiten im Verein sehr angenehm. Am Ende lag die Entscheidung, wie es weitergeht, allein bei mir, weil mein Vertrag in Nettelstedt zum Saisonende ohnehin auslief.

Warum die Entscheidung zu Gunsten des DHB?

Ich bin ein Kind des Verbands, war viele Jahre Nationalspieler, kenne die Strukturen. Außerdem bin ich überzeugt, dass mich die Arbeit als Juniorentrainer auch persönlich weiterbringen kann, das war einer der ausschlaggebenden Punkte. Vom Standort bin ich zudem wesentlich flexibler, es gibt jetzt keine räumliche Trennung mehr zwischen meinem Arbeitsplatz und meiner Familie, so wie das für mich als Vereinstrainer normal war. Auch das war natürlich ein Faktor.

Sie kümmern sich fortan mit Christian Schwarzer und Klaus-Dieter Petersen um den Nachwuchs, also mit ehemaligen Weggefährten aus dem Nationalteam. Hat das auch eine Rolle gespielt?

So viel kann ich bereits nach wenigen Wochen sagen: Der Austausch funktioniert hervorragend. Wir kennen uns gut, sind vom Charakter ähnlich und wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Christian Schwarzer und ich sind auch privat befreundet. Das erleichtert die Arbeit ungemein. Aber glauben Sie mir: Bei aller Vertrautheit behalten wir den Blick für das Wesentliche: den Sport.

Also zum Wesentlichen. Sie haben bei ihrer Vorstellung als Junioren-Nationaltrainer gesagt, dass ihre Hauptaufgabe darin besteht, den nachweislich guten deutschen Nachwuchs so zu entwickeln, dass der Sprung in die Bundesliga gelingt.

Die Entwicklung muss einfach dahin gehen, dass wir talentierte deutsche Spieler einen Tick früher integrieren können als bisher. Aus meiner Sicht ist das im Vergleich zur Vereinsarbeit die größte Umstellung in meiner täglichen Trainingsarbeit. Ich werde sehr individuell mit den Spielern arbeiten können, werde versuchen, die Stärken des Einzelnen zu verbessern und die Schwächen zu minimieren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zusammenarbeit mit den Vereinstrainern, die Bundestrainer Martin Heuberger ja bereits vorangetrieben hat. Auch ich werde den Kontakt zu ihnen suchen.

Es ist schon sehr auffällig, dass es deutsche Spieler insbesondere auf den Kreativ-Positionen im Rückraum schwer haben, sich durchzusetzen. Wie kommt das?

Wie das kommt? Die Vereine sind kleine Wirtschaftsunternehmen, die sich natürlich die besten Spieler aus einem großen Pool aussuchen. Aus welchem Land die Spieler kommen, ist deshalb oft zweitrangig. Wir dürfen aber auch nicht utopisch sein: Es ist auf die Schnelle nicht zu schaffen, alle Junioren-Nationalspieler bei Top-Vereinen unterzubringen. Das ist aber auch gar nicht das Problem.

Sondern?

Selbst in der Zweiten Liga spielen bei vielen Vereinen ältere, nicht selten ausländische Akteure auf den tragenden Positionen. Diese Situation müssen wir verändern. Grundsätzlich hat sich die Nachwuchsarbeit in Deutschland in den vergangen Jahren wieder verbessert. In vielen Bundesliga-Vereinen läuft es wirklich vorbildlich. Nur ganz wenige Vereine hinken im Moment noch hinterher.

Im nächsten Jahr steht mit der U20-WM ihr erstes großes Turnier als Junioren-Trainer an. Die deutsche Mannschaft ist Titelverteidiger. Wie lautet die Zielvorgabe?

Das ist noch eine Weile hin, dazu will ich mich noch nicht äußern. Wichtig ist, ich sage das noch einmal, dass sich unsere Spieler individuell entwickeln und wir einige von ihnen später in der A-Nationalmannschaft wiedersehen.

Damit Deutschlands Handballer 2018 nicht wieder die Olympia-Teilnahme verpassen...

Genau, das sollte auf gar keinen Fall ein zweites Mal passieren.

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