Handball : Mit neuem Selbstbewusstsein zur EM

Im letzten Test vor der Europameisterschaft besiegt Handball-Weltmeister Deutschland den WM-Dritten Dänemark locker mit 34:24.

Erik Eggers[Kiel]

Johannes Bitter hatte viele Gratulationen entgegen genommen. Die meisten seiner Kollegen aus der Nationalmannschaft waren zuerst auf den Torwart zugegangen und hatten ihm, während die 10 250 Zuschauer in der ausverkauften Kieler Arena den Handballern noch stehend zujubelten, anerkennend auf die Schulter geklopft. Schließlich hatte der 25-Jährige vom HSV Hamburg den größten Anteil hatte am deklassierenden 34:24 (15:10)-Sieg des deutschen Weltmeisters gegen den WM-Dritten Dänemark gehabt. 18 Paraden Bitters hatte am Ende die Statistik verzeichnet, darunter auch viele freie Würfe des Gegners, die der Handballjargon als „Hundertprozentige“ bezeichnet. Doch Bitter wollte nicht zu viel Aufhebens machen. „Natürlich gibt dieser Sieg uns Selbstvertrauen“, sagte er, „aber das war nur ein Testspiel.“ Freilich kassierte der Torwart auch Lob von höchster Stelle. „Johannes hat heute den Unterschied ausgemacht. Aber natürlich bin ich auch mit der Leistung der gesamten Mannschaft in der Vorbereitung zufrieden“, sagte Bundestrainer Heiner Brand nach der gelungenen Generalprobe für die Europameisterschaft in Norwegen, die am Donnerstag in Bergen mit dem Spiel gegen Außenseiter Weißrussland beginnt.

Entgegen den sonstigen Gepflogenheiten entschied sich Brand schon am Sonntag, wer zum EM-Kader zählen wird: „Wir werden mit 18 Leuten nach Norwegen fahren, schon um auf mögliche Verletzungen reagieren zu können.“ Zu Hause bleiben müssen der Großwallstädter Kreisläufer Jens Tiedtke und Rechtsaußen Christian Schöne. Hingegen wird Stefan Schröder als Ersatz des gesetzten Rechtsaußen Florian Kehrmann mitfahren. Dritter Kreisläufer nach Abwehrchef Oliver Roggisch und Andrei Klimowets wird Sebastian Preiß. Damit honoriert der Bundestrainer gleichzeitig die gute Teamfähigkeit beider Spieler: Preiß war während der WM vor einem Jahr vor dem Halbfinale gegen Klimowets ausgetauscht worden, hatte dies aber schweigend akzeptiert. Schröder hatte sogar keinerlei Einsatzzeiten verzeichnet. Brand muss am Mittwoch einen 16er-Kader vor die Vorrunde benennen, den er aber vor der Hauptrunde und auch vor dem Halbfinale noch ergänzen darf.

Bei der EM-Generalprobe gegen Dänemark war das Bemühen der deutschen Mannschaft sofort zu erkennen, die Serie von zuletzt vier Niederlagen in Folge zu beenden. Am Samstag hatte der Weltmeister im dänischen Arhus ein 26:30 gegen den spielerisch starken WM-Dritten einstecken müssen, diese Niederlage aber mit Gelassenheit aufgenommen. „Ein solches Ergebnis ist vielleicht ganz hilfreich, um eine realistische Einschätzung für die Europameisterschaft zu erlangen“, sagte Brand, der zudem wie auch gestern noch auf die drei Weltmeister Pascal Hens (Knieprellung), Christian Zeitz (Schulterverletzung) und Florian Kehrmann (Jochbeinprellung) verzichten musste. Alle drei Stammkräfte sollen beim ersten EM-Spiel am Donnerstag gegen Weißrussland wieder einsatzbereit sein.

Als Torwart Johannes Bitter bei der gestrigen Revanche in Kiel die ersten vier Würfe des Gegners parierte, rauschten erste Jubelstürme durch das Oval. Schnell führte Deutschland durch Klimowets und dem Tempogegenstoß Kleins mit 2:0 (2. Minute). Doch dann bewies auch Dänemark seine Klasse und setzte den Weltmeister mit einer extrem offensiven 3:3-Abwehr schwer unter Druck; auf deutscher Seite hatte Spielmacher Michael Kraus recht große Probleme, das Positionsspiel durchzusetzen. So hielten die Dänen bis zum 9:8 (19.) das Spiel ausgeglichen. Als Brand seinen verlängerten Arm, den 36-Jährigen Markus Baur, aufs Spielfeld schickte, zogen die Deutschen auf und davon.

Beim 15:10 zur Pause, bei dem der sehr präsente Keeper Bitter mit zehn Paraden (davon einem Siebenmeter) glänzte, war bereits eine Vorentscheidung gefallen. Nach dem Wechsel setzte das deutsche Team seinen attraktiven und effektiven Tempohandball fort: Als Linkshänder Holger Glandorf mit einem Gewaltwurf zum 20:12 (37.) traf, ging es nur noch um die Höhe des deutschen Sieges. Den Rest erledigte der überragende Bitter, der den Gegner mit weiteren Glanzparaden entnervte.

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