Handball : Nationalteam vollzieht Umbruch ohne Einbruch

Das deutsche Handballteam hat sich verjüngt - und ist dabei erfolgreich geblieben. Nach der vorzeitigen Qualifikation für die EM 2010 warnt Trainer Brand jedoch vor zu großer Euphorie.

Sebastian Stiekel
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Antreiber. Stefan Schröder nach einem seiner elf Treffer gegen Slowenien. Foto: dpa

Hamburg Es gibt Tage, da gelingt fast alles. Am Samstag waren 47 Minuten gespielt zwischen den deutschen Handballern und den slowenischen, als gleich zwei deutsche Spieler auf einmal eine Zeitstrafe absaßen. Erst entschärfte Torwart Johannes Bitter in dieser Situation den slowenischen Angriff. Dann warf Stefan Schröder für vier Deutsche gegen sechs Slowenen das nächste Tor. Die deutsche Nationalmannschaft überrannte Slowenien mit 38:30 (20:12). Sie hat sich dadurch vorzeitig für die EM 2010 in Österreich qualifiziert. Bei ihrem sechsten Sieg im sechsten Spiel zeigte sie „viel Leidenschaft, viel Kampfgeist und viel Zusammenhalt“, wie Bundestrainer Heiner Brand sagte. Vor 9000 Zuschauern war Schröder mit elf Treffern der erfolgreichste Torschütze.

Jahrelang stand Schröder auf seiner Position im Schatten von Florian Kehrmann. Nun wird er dank des Umbruchs im Team immer weiter nach vorn gespült in der Hierarchie. Es war ja nicht nur Kehrmann, der am Samstag im Vergleich zum WM-Finale von 2007 fehlte. Baur, Schwarzer oder Klimovets sind gar nicht mehr dabei, Jansen, Hens und Glandorf im Moment verletzt. Für sie rücken nun andere, jüngere Spieler nach: Michael Müller (24 Jahre) warf nach Schröder die zweitmeisten Tore, acht an der Zahl. Martin Strobel (23 Jahre), Uwe Gensheimer (22 Jahre) oder Manuel Späth (23 Jahre) kamen auch zum Einsatz. Das Zusammenspiel klappt gut, besser, als es angesichts dieses Umbruchs zu erwarten war. „Ich bin selbst überrascht, wie geschlossen wir schon auftreten. Wir verbessern uns stetig“, sagte Schröder. Der Abend von Hamburg sendet neben der geglückten EM-Qualifikation somit eine zweite Botschaft aus: Man muss sich im deutschen Handball nicht nur an neue Gesichter gewöhnen. Sie spielen auch noch eine immer prägendere Rolle.

Bundestrainer Heiner Brand ist darüber froh. Er hatte den Neuaufbau vor einem Jahr eingeleitet. „Wir haben jetzt einen Grundstein gelegt und seit der WM in Kroatien auch spielerisch einen Schritt nach vorn gemacht“, sagt er. Angesichts der Verletzten hat seine Mannschaft sogar noch Steigerungspotenzial. Trotzdem warnt Brand davor, vom EM-Titel zu sprechen. „Um bei einem großen Turnier um die Medaillen mitspielen zu können, müssen wir uns noch stark verbessern.“

Die ausstehenden Qualifikationsspiele gegen Weißrussland und Israel kommen ihm da gerade recht. Sie sind zwar auf dem Papier bedeutungslos geworden, aber Brand möchte sie nutzen, „um uns weiter einzuspielen.“ 

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