Handball : Out of Magdeburg

Christoph Theuerkauf will sich in Lemgo vom Talent zur Stütze des Handball-Nationalteams entwickeln

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Schonunglos. Theuerkauf spielt am Kreis mit großem Einsatz. Foto: dpadpa

Berlin - Weg aus Magdeburg wollte er nie. „Das war für mich unvorstellbar, meine Stadt, meine Familie und meine Freunde nach sieben Jahren zu verlassen“, erzählt Christoph Theuerkauf. Doch plötzlich gilt das für den 25 Jahre alten Handball-Nationalspieler nicht mehr. Ab der kommenden Saison wird der Kreisspieler das Trikot des TBV Lemgo tragen. Damit beginnt für Theuerkauf im Sommer ein neuer Abschnitt, und auch die deutschen Handballer generell stehen nach dem enttäuschenden zehnten Rang bei der EM in Österreich vor einem Neuanfang. Am Sonntag um 13 Uhr fällt in Wien per Los die Entscheidung, gegen wen sich das Team von Bundestrainer Heiner Brand in den Play-offs für ein WM-Ticket im Juni dieses Jahres durchsetzen muss. Bei den Titelkämpfen im Januar 2011 in Schweden möchte dann auch Theuerkauf den Nachweis erbringen, dass er ein wichtiger Kandidat für Olympia 2012 ist.

Bereits 2004 hat er sein erstes Länderspiel für Deutschland bestritten. Als ein Talent jener erfolgreichen Generation, die im selben Jahr von der Junioren-EM mit Gold heimgekehrt war. Aber Theuerkauf musste erkennen, dass der Weg nach oben ein sehr langer und beschwerlicher ist, wie auch alle anderen Nachwuchsspieler mit und nach ihm, die ebenfalls in Europa dominierten und zuletzt sogar Junioren-Weltmeister wurden.

Doch Theuerkauf kämpft weiter darum, ganz nach oben zu kommen. Für dieses Ziel verlässt er sogar sein gewohntes Umfeld. „Jetzt ist der Punkt gekommen, zu beweisen, dass ich nicht nur das ewige Talent bin“, sagt er. Das wird auch Heiner Brand gefallen, der bereits unmissverständlich klar gemacht hat, dass er einen deutlichen Leistungsanstieg erwartet. „Ich gehe davon aus, dass wir bei der WM im nächsten Jahr eine andere Mannschaft sehen werden“, sagt er.

Die Kritik von Torhüter Johannes Bitter an den Mitspielern, die seiner Meinung nach bei der EM nicht mit vollem Willen agiert hätten, bringt auch Christoph Theuerkauf ins Grübeln. Er, der einer der wenigen Antreiber beim Weltmeister von 2007 ist, hat seine Schwächen eben als Abwehrspieler. „In Lemgo will ich mich zum kompletten Spieler entwickeln“, sagt Theuerkauf. Dort wird er mit dem diesmal verletzungsbedingt fehlenden Sebastian Preiß ein Duo auf dieser Position bilden. „Wir sind zwei unterschiedliche Typen“, sagt der Noch-Magdeburger.

Heiner Brand spricht nun, nachdem er mit der deutschen Nationalmannschaft zum dritten Mal hintereinander bei WM und EM medaillenlos blieb, von einer „Konzentration der Kräfte“ und von der Notwendigkeit, dass Deutschland wieder eine Handball-Macht sein müsse. So einen wie Theuerkauf, der die Mitspieler permanent antreibt, sich selbst nicht schont, im Angriff am Kreis die Lücken reißt und wurfsicher ist, braucht Brand dabei auf allen Positionen. Wenn es Lichtblicke in seinem Team in Österreich gab, gehörte Theuerkauf dazu.

In der Innsbrucker Olympiahalle verriet Theuerkauf, dass ihn heute noch ein Traum aus jungen Jahren antreibt. „Ich habe davon geträumt, dass man meinen Namen in der Öffentlichkeit sofort mit Handball verbindet. So wie bei Stefan Kretzschmar“, erzählt Theuerkauf. In Magdeburg hat er das noch nicht geschafft. Vielleicht gelingt es ihm in Lemgo.

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