Handball : Peterson und die Flucht von der Bank

So, wie es am Mittwochabend letztlich kommen wird, hat sich Alexander Petersson seinen Auftritt wohl nicht vorgestellt. Der gebürtige Lette mit isländischem Pass möchte den Berliner Handball-Fans eigentlich schon etwas davon zeigen, was sie ab der kommenden Saison von ihm im Trikot der Füchse erwarten dürfen.

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Gefahr vorm Tor. Alexander Petersson (hier für Island bei der EM) spielt heute mit Flensburg gegen die Füchse. Foto: dpadpa

Berlin - Aber die Chancen dafür stehen schlecht, denn im Bundesliga-Gastspiel seines jetzigen Vereins, der SG Flensburg-Handewitt, erwarten den Linkshänder in Berlin „eher wieder längere Zeiten auf der Bank“.

Petersson ist ziemlich frustriert, dass ihn sein Trainer Per Carlén zum Wechselspieler degradiert hat und im rechten Rückraum lieber dessen Sohn Oscar einsetzt. Zuletzt gegen Magdeburg musste Petersson auch wieder größtenteils zuschauen. Seine Teamkollegen haben schon gescherzt, er könne unter diesen Voraussetzungen am Mittwoch doch eigentlich gleich in Berlin bleiben. Einmal abgesehen davon, dass am Montag die Frist für vorzeitige Wechsel in der Handball-Bundesliga abgelaufen war, hatte Füchse- Geschäftsführer Bob Hanning dennoch „nie mit einer solchen Variante geliebäugelt“.

Petersson war mit viel Zuversicht in die zweite Saisonhälfte gestartet, nachdem der 29-Jährige sich mit Island im Januar bei der Europameisterschaft Bronze erkämpft hatte und eine wichtige Stütze seines Teams war. „Es lief sehr gut, dann gibst du im Training natürlich auch alles. Umso größer ist dann die Enttäuschung, wenn du wieder nur zweite Wahl bist“, sagt er. Diese Erfahrung bestätigt ihn aber auch darin, dass es genau der richtige Schritt war, bei den Füchsen einen Zweijahresvertrag zu unterschreiben. Da stört es ihn auch nicht, dass die Berliner vor dem Spiel gegen Flensburg (20.15 Uhr, Schmeling-Halle) nur auf dem neunten Tabellenplatz liegen.

Etwas Angst hat der Isländer nur „vor der großen Stadt Berlin mit dem vielen Verkehr“, im Internet aber hat er sich bereits auf Wohnungssuche begeben. Und über die Füchse weiß er ohnehin bestens Bescheid. Mit Trainer Dagur Sigurdsson hat er noch 2005, bei der Weltmeisterschaft in Tunesien, gemeinsam für Island gespielt. Was der Isländer spielerisch bei den Füchsen einbringen möchte, sind vor allem seine Stärken in der Abwehr und im Eins-gegen-eins-Spiel vorne sowie seine Torgefahr.

In Flensburg legt man derzeit keinen besonders großen Wert mehr darauf. Aber, das hat für den Vater zweier Söhne auch einen positiven, wenn auch nicht gewollten Nebeneffekt: „Ich kann von der Bank aus ein wenig die Füchse und das Fluidum in der Halle beobachten.“ Ein vollständiger Ersatz für einen mehr als sporadischen Einsatz sei das jedoch bei weitem nicht. Hartmut Moheit

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