Handball : Platt am Nil

In Ägypten schleift Trainer Jörn-Uwe Lommel die Füchse Berlin auf die Handball-Saison ein - und entzieht sich den Blicken anderer Vereine.

Hartmut Moheit[Nasr]

Auf den Sonntag freut sich Mark Bult ganz besonders. „Wenn wir in Berlin ankommen, dann wird auch meine Freundin da sein. Sie bleibt dann auch“, sagt er. Dass der 24 Jahre alte Holländer in diesen Tagen verstärkt an Berlin denkt, kommt nicht von ungefähr: Mit den Füchsen Berlin trainiert er in Nasr am Rande der Riesenmetropole Kairo für die Ende August beginnende Erstligasaison im Handball. Bei fast 40 Grad Celsius am Tag und auch nachts nicht viel weniger kann von einer entspannten Zeit keine Rede sein. Trainer Jörn-Uwe Lommel hat sich ganz bewusst für die sieben Tage im „Police Club Nasr City“ entschieden, wo er selbst bis vor zweieinhalb Jahren als Trainer des ägyptischen Nationalteams wohnte. „Hier gibt es keine Ablenkungen, die Jungs müssen sich miteinander arrangieren. Das fördert die Teambildung“, sagt er. Harte Bedingungen schweißen zusammen. „Die Spieler sind ja keine Hohlbirnen, die werden schon etwas daraus machen.“

Das hat auch der zwei Meter große Linkshänder Mark Bult verstanden: „Zur Teambildung trägt ja auch bei, dass wir an zwei Tagen etwas Kulturelles unternehmen werden.“ Er weiß, dass in der Ersten Liga zwar „individuelle Stärken zählen, aber gerade ein Aufsteiger wie die Füchse auch als Team auftreten muss“. In der vergangenen Saison spielte Bult noch in Nordhorn. Als Nummer zwei hinter Weltmeister Holger Glandorf blieb ihm häufig nur der Platz auf der Bank, von wo der Mann aus Emmen andererseits die Stärken und Schwächen der Mannschaften sehr gut beobachten konnte. „Wenn einer für den anderen da ist, dann kommt fast jeder Gegner in Schwierigkeiten“, sagt er.

Dieser Spruch hätte auch von Trainer Lommel kommen können. An den ersten beiden Tagen, die mit Krafttraining, Taktikschulung und einem Spiel gegen das Polizeiteam (35:22) ausgefüllt waren, hatte auch er einige Phrasen parat: „Wir müssen härter spielen, als trainiert wird“, „Wir kämpfen um jeden Ball“, „Wir werden spielerisch nicht mit den Besten mithalten können, aber physisch das Beste bieten“, „Jeder Gegner hat sein Gesicht, man kann sich darauf einstellen, wenn man flexibel ist“.

Derlei Sprüche weisen allenfalls vage auf die im Training zu bewältigenden Anstrengungen hin. Mark Bult gibt zu: „Ich habe ziemlich schwere Beine.“ Haitham Ezz, der die Füchse als Vertreter des ägyptischen Handball-Verbandes begleitet, ist von Lommels harter Gangart nicht überrascht: „Wir kennen ihn doch sehr gut, ein guter Trainer, der Erfolg hat“, sagt er. Den Augenblick, als 2004 im Cairo-Stadium 32 000 Zuschauer den Afrikameister Ägypten feierten und die Spieler Lommel durch die Halle trugen, vergisst wohl kein Handball-Fan in diesem Land. Bult hat „viel Respekt vor dem, was der Trainer erreicht hat“. Er gibt aber zu: „Bis jetzt habe ich so etwas noch nicht erlebt“ und meint damit, etwas vorsichtig ausgedrückt, den nicht sehr einfach zu nehmenden Menschen Lommel.

Der ist mit den Füchsen auch deshalb nach Ägypten geflogen, um die Konkurrenten zu verunsichern. „Die würden sehr gern wissen, was wir machen“, vermutet er. Die „richtige Mannschaft mit der richtigen Taktik“ kenne noch keiner. Hany El Fakharany, der sich auch als Dolmetscher sehr verdient macht, Kjetil Strand, Konrad Wilczynski und Torhüter Petr Stochl fehlten zuletzt beim Turnier in Wilhelmshaven oder spielten nur kurz. Mark Bult allerdings zeigte bereits einiges von seinem Können. Nicht nur wegen seiner neun Tore beim 27:28 im Finale gegen den Gastgeber. „Jetzt habe ich die Chance zu zeigen, was ich drauf habe“, sagt er. „Da spüre ich jetzt schon mehr Druck als in Nordhorn.“ Aber er hatte sich „ganz bewusst für den Weg der Füchse entschieden, der eine tolle Perspektive verspricht“, und ist nicht nach Melsungen oder nach Wilhelmshaven gewechselt, woher er ebenfalls Angebote hatte. Lächelnd sagt er: „Und in Ägypten war ich schließlich auch noch nicht.“

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