Handball-Premiere in der O2-World : Die Füchse werden größer

15.000 Zuschauer beim Handball in Berlin: Am Sonnabend spielen die Füchse Berlin in der O2-World gegen den TBV Lemgo - und BAP treten auf.

Hartmut Moheit
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Der große Wurf. Die Füchse spielen sich jetzt in der O2-World nach vorn.Foto: Imago

„So, jetzt beenden wir mal die Märchenstunde und reden über Tatsachen“, sagte Jörn-Uwe Lommel. Das war am vergangenen Dienstag, kurz zuvor waren seine Füchse im Pokal gegen Flensburg-Handewitt kläglich ausgeschieden. Ausgerechnet in dieser Situation erfuhr der Berliner Trainer von einer Aussage seines Lemgoer Kollegen Markus Baur. Der hatte mit Blick auf das Bundesligaspiel am Samstag zwischen den Füchsen und Lemgo geschlussfolgert: „Die Füchse haben in Hamburg einen Punkt geholt, wir haben dort verloren. Damit sind die Berliner in eigener Halle gegen uns auch die Favoriten.“ Das konnte bei Lommel nur Schmunzeln hervorrufen, denn schließlich empfängt seine Mannschaft mit dem TBV heute ein mit sechs Weltmeistern besetztes Spitzenteam.

So stellte sich für den Füchse-Coach nicht die Frage nach dem Favoriten, sondern die, ob seine Spieler nach dem Desaster gegen Flensburg „begreifen, dass sie mehr als nur fünfzig Prozent an Leistung zeigen müssen?“ Sind die Füchse dazu in der Lage, dann stünde heute zumindest einem großen Handballfest nichts mehr im Wege.

Bessere Voraussetzungen hat es dafür in Berlin noch nie gegeben: Vor 15.000 Fans in der ausverkauften 02- World, dazu erstmals seit 25 Jahren wieder eine Handball-Live-Übertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (RBB) mit Berliner Beteiligung, und schließlich auch noch ein Halbzeit-Konzert der Kölner Rockband BAP, das alles zusammen lässt ein großes Highlight erwarten. Für Bob Hanning, den Geschäftsführer der Füchse Berlin, ist das ein Anlass zum Selbstlob. „Nach der TSG Hoffenheim im Fußball sind wir von der Entwicklung der letzten Jahre derzeit das zweitgrößte Sportprojekt in Deutschland“, erklärt er und nennt das Besondere an den Füchsen: „Im Gegensatz zu Hoffenheim sind wir aber nicht von einem Mäzen oder Sponsor abhängig. Wir konnten in den letzten drei Jahren den Etat von minus 140.000 Euro auf über drei Millionen plus steigern, sind dabei breit aufgestellt.“

Heiner Brand schaut auch zu

Davon möchte sich heute auch Handball-Prominenz ein Bild machen, so die Präsidenten des Deutschen Handball- Bundes und der Europäischen Handball-Föderation, Ulrich Strombach und Michael Wiederer. Auch Bundestrainer Heiner Brand will sich das Spiel auf keinen Fall entgehen lassen. Für die Füchse Berlin, die ja erst im zweiten Jahr in der Ersten Bundesliga spielen, könnte die Werbung in eigener Sache kaum größer sein. Dafür ist nicht unbedingt ein Sieg vonnöten, „aber wir müssen Lemgo unbedingt den Kampf anbieten“, sagt Jörn- Uwe Lommel. Er sieht den Gegner sann auch als „verwundbar“ an. „Der TBV ist auch mit Kiel und Flensburg nicht zu vergleichen, gegen die wir klar verloren haben“, sagt der Füchse-Coach. Aber es bleibe dennoch eine Top-Mannschaft der Liga. Ob in diesem besonderen Spiel für die Füchse Berlin der zuletzt wegen einer Verletzung so sehr vermisste Norweger Kjetil Strand spielen kann, soll erst heute entschieden werden. Er selbst möchte auf jeden Fall dabei sein, zu dem für alle Spieler großen Spiel seinen Beitrag leisten. Ein wenig liebäugeln die Füchse ja mit einem Punktgewinn.

Wenn es damit nicht klappt, haben zumindest die Fans mit ihrem Kommen zu etwas Bleibendem beigetragen. Angesichts der in Berlin bei einem Füchse-Spiel noch nie erreichten Zuschauerzahl von 15.000, werden Shirts angeboten – mit dem Aufdruck: „Ich bin Rekord.“

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