Handball : Rhein-Neckar Löwen: Der nächste Anlauf

Die in Mannheim ansässigen Rhein-Neckar Löwen stehen vor dem ersten Meistertitel ihrer Vereinsgeschichte. Es wäre auch das Ende einer langen Leidenszeit.

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Uwe Gensheimer wünscht sich zum Abschied die Meisterschaft.
Uwe Gensheimer wünscht sich zum Abschied die Meisterschaft.Foto: dpa

Andy Schmid hätte auf die Auszeichnung wahrscheinlich gut und gern verzichten können, auch wenn sie ihn natürlich ehrt. Aber es gibt Wichtigeres. Am Freitag ist der Regisseur der Rhein-Neckar Löwen zum dritten Mal in Folge zum „Spieler der Saison“ in der Handball-Bundesliga gewählt worden. Die Abstimmung unter den Trainern und Managern der 18 Erstliga-Klubs verlief zwar geheim, angesichts von Schmids überragenden Leistungen war sie jedoch recht vorhersehbar. Am Sonntag, wenn die Löwen zum letzten Saisonspiel beim designierten Absteiger TuS N-Lübbecke antreten (15 Uhr, live bei Sport1), wird Liga-Präsident Uwe Schwenker die Auszeichnung an den Schweizer Nationalspieler überreichen. „Ich hoffe natürlich, dass wir auch nach dem Spiel noch eine Ehrung erleben“, sagt Schmid, „nämlich dann, wenn wir die Meisterschale überreicht bekommen.“ Wenn es wirklich drauf ankommt also.

Für die in Mannheim ansässigen Löwen wäre der erste nationale Titel der Vereinsgeschichte auch das Ende einer langen Leidenszeit. Seit Jahren zählt die von Nicolaj Jacobsen und zuvor von Gudmundur Gudmundsson betreute Mannschaft zu den besten, spielstärksten und attraktivsten in der Handball-Bundesliga – und, auch das gehört zur ganzen Wahrheit, zu den unglücklichsten. Vor zwei Jahren etwa fehlten den Löwen im Kampf um die deutsche Meisterschaft nur zwei Tore zum punktgleichen THW Kiel, der ihnen den Titel noch vor der Nase wegschnappte, und im vergangenen Jahr war es auch nur ein Punkt Rückstand.

Flensburg muss gegen Wuppertal gewinnen

So gesehen ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass es in diesem Jahr ausnahmsweise nicht auf ein Fernduell um die Titel mit dem Serienmeister aus Kiel hinausläuft, der aktuell nur auf dem dritten Platz liegt. Eine Gemeinsamkeit mit dem neuerlichen Herausforderer der Löwen gibt es dann aber doch: Er kommt ebenfalls aus Schleswig-Holstein – und heißt SG Flensburg-Handewitt.

Für die Norddeutschen, mit 53:9 Punkten einen Zähler hinter den Löwen, ist die Ausgangslage vor dem finalen Spieltag klar: Sie müssen ihr letztes Pflichtspiel der Saison gegen den Bergischen HC gewinnen und parallel auf einen Ausrutscher des Meisterschaftsmitbewerbers aus Mannheim hoffen. Sehr realistisch erscheint das allerdings nicht, obwohl den Löwen schon oft seltsame Dinge eingefallen sind, um auf der Zielgeraden grandios zu scheitern. Halten die Nerven also an diesem Sonntag?

„Wir haben keine Angst“, sagt Trainer Nicolaj Jacobsen. Dem ehemaligen schwedischen Nationalspieler ist aber auch klar, dass die Gelegenheit so günstig ist wie schon lange nicht mehr – und dass es womöglich auch die vorerst letzte auf einen großen Titel ist. Schließlich verlieren die Mannheimer im Sommer in Uwe Gensheimer ihren langjährigen Kapitän und wichtigen Leistungsträger. Gensheimer sagt: „Es gibt nichts, aber auch nichts, was ich mir mehr wünsche als mit der Meisterschaft zu gehen.“

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