Handball : Rüpel will zur Therapie

Österreichs Handball-Trainer Prokop foult eine Spielerin, wird bestraft und kündigt Aufarbeitung an. Er war beim Spielstand von 27:27 mit der Gastspielerin absichtlich zusammengestoßen und hatte so den Gegenstoß und die drohende Niederlage abgewehrt.

Markus Huber[Wien]
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Attacke des Trainers. Die Übertragung des österreichischen Fernsehsenders ORF dokumentierte Prokops Foul. Screenshot: dpaAPA

Mit der Strafe hat der österreichische Handball-Trainer Gunnar Prokop von Hypo Niederösterreich wohl nicht gerechnet, als er vergangenen Freitag in den letzten Minuten beim Champions-League- Spiel gegen Metz HB in der Südstadt eine französische Spielerin foulte. Prokop war beim Spielstand von 27:27 mit der Gastspielerin absichtlich zusammengestoßen und hatte so den Gegenstoß und die drohende Niederlage abgewehrt.

Die EHF, die European Handball Federation, sperrte den Trainer, Manager und Funktionär, der schon früher wegen seines rüden Auftretens und mit frauenfeindlichen Aussagen aufgefallen war, jetzt für drei Jahre. Außerdem belegte er ihn mit einer Geldstrafe in Höhe von 45 000 Euro und enthob ihn lebenslang aller Funktionen. Prokop wurde zuletzt in das „Women’s Club Committee“ der EHF gewählt, auf deren erster Sitzung er als Vorsitzender bestimmt wurde und so auch in die „Competitions Conference“ der EHF einzog. Auch sein Verein muss zahlen: 30 000 Euro Bußgeld. Zudem wird dem Frauen-Team der Champions-League-Punkt, den es sich durch das Foul von Prokop „verdient“ hat, aberkannt. Die EHF sah „ein schwerwiegendes unsportlichen Verhalten, welches die fundamentalen Prinzipien des Fair Play, des Respekts und der Sportlichkeit, auf denen Handball basiert, verletzt“.

Der Strafe ging Prokops rüpelhaftes Verhalten nach dem Spiel voraus. Noch in der Minute nach dem Bodycheck gegen die Metz-Spielerin Svetlana Ognjenovic lief er mit einem Grinsen vom Feld und gab im anschließenden Interview an, er habe „taktisch richtig gehandelt“. Dafür habe er die Rote Karte riskieren müssen. Während sich die internationaleHandballwelt über das Foul des Trainers erregte, reagierte Prokop noch am Tag danach in einem Interview mit einer österreichischen Tageszeitung uneinsichtig.

Erst vier Tage nach dem Spiel entschuldigte er sich in einem offenen Brief für seinen „unentschuldbaren Blackout“. „Möglicherweise lässt sich diese Reaktion psychologisch begründen. Mir selbst fehlt aus heutiger distanzierter Sicht jede Nachvollziehbarkeit“, sagte der 69-Jährige plötzlich kleinlaut. Als Grund gab Prokop die „unbegreiflich schlechte Leistung meiner Mannschaft und eine Vielzahl tendenziöser Entscheidungen“ an. Gleichzeitig legte Prokop sein Amt als Trainer nieder. Seine Entscheidung, nie wieder als Trainer zur Verfügung zu stehen, bekräftigte er später. Prokop sagte, er wolle seine „Scheißaktion“ mit einem Psychologen aufarbeiten und spielte auf sein Alter an. Auch wenn er körperlich noch fit sei, „psychisch und emotional bin ich vielleicht als fast 70-Jähriger nicht mehr so wie mit 50 Jahren“, sagte Prokop.

Damit war er dem drohenden Urteil der EHF zuvorgekommen. Der europäische Verband hatte ihn von all seinen EHF-Funktionen suspendiert und eine harte Strafe angedroht. Tatsächlich dürfte auch das internationale Medienecho Grund für die Strafe gewesen sein. Das Foul hatte im In- und Ausland ein großes Echo gefunden. Allein das Internetvideo wurde rund 8000-mal angesehen.

Die Geschicke des Klubs will Prokop aber weiterhin als Manager führen. „So höre ich nicht auf. 20 Jahre lang war ich zu 90 Prozent bei allen Trainings dabei. Diesmal ist meine Warnung vor Metz aber nicht rübergekommen. Vielleicht war es ein Wink von oben, dass ich als Trainer aufhören soll“, sagte Prokop, der bei Olympia 1964 in Tokio als Leichtathletik-Trainer unter anderem seine spätere Frau Liesel Sykora, eine erfolgreiche Fünfkämpferin, betreute, die später von 2004 bis zu ihrem Tod 2006 österreichische Innenministerin war. Prokop war 1972 Mitbegründer des bis heute erfolgreichsten österreichischen Handballklubs Hypo Niederösterreich. Entstanden war der Verein aus der Leichtathletikabteilung, zunächst mit dem Handball als Zweitsportart zur Abwechslung. Das Frauenteam hat bis heute die Champions League achtmal gewonnen. Prokop wollte noch den neunten Erfolg.

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