Sport : Handball: Seichte Unterhaltung

Arnulf Beckmann

Es war ein entspannter Samstagabend in der Westfalenhalle zu Dortmund. Kein Wunder: Die Auseinandersetzung der deutschen Handballer um die EM-Qualifikation gegen die Auswahl der Slowakei war eigentlich schon eine Woche zuvor im Hinspiel mit einem 25:20-Erfolg für die Deutschen entschieden worden. Fünf Tore Vorsprung, das wollte sich das Team von Bundestrainer Heiner Brand nicht mehr nehmen lassen. Und spätestens beim Halbzeitstand von 17:11 dürfte sich auch bei Brand entsprechende Gelassenheit Raum gegriffen haben. Auf der abschließenden Pressekonferenz gab er sich gewohnt aufgeräumt. 27:25 hatte sein Team das Rückspiel gewonnen, die Fahrkarte für die EM 2002 in Schweden erwartungsgemäß gelöst. "Ich bin froh und erleichtert", sagte er, "dass wir unser erstes Ziel erreicht haben." Erleichtert vor allem deshalb, weil "die meisten die Qualifikation schon als das Natürlichste der Welt angesehen haben".

Den 10 500 Besuchern dürften Gefühlsregungen solcherart egal gewesen sein. Sie genossen den Abend vor allem deshalb, weil die besten Handballer des Landes erstmals seit elf Jahren wieder den Weg in die Hallen fanden, in der vor allem der VfL Gummersbach in den siebziger und achtziger Großes für den deutschen Handball geleistet hatte. Da störte es auch nicht, dass anstelle eines Thrillers eher seichte Unterhaltung gegeben wurde. Die Slowaken konnten nicht, die Deutschen, wollten vor allem in der zweiten Halbzeit nicht mehr. Kapitän Frank von Behren jedenfalls war nach Spielschluss nur noch "froh, dass alles vorbei ist". Der sonst so strenge Bundestrainer hatte ein Einsehen mit seinen Spielern. Schon in der Pause habe er in den Augen "meiner Jungs lesen können, dass sie psychisch nicht mehr in der Lage waren, alles zu geben".

Nur gut, dass zu dem Zeitpunkt bereits alles entschieden war. Schuld an der mangelnden Einstellung des Teams war allein mangelnde Physis. Kein Wunder: Vor allem die Nationalspieler sind in den vergangenen zehn Monaten arg gebeutelt worden. Neben den obligatorischen 38 Spieltagen in der Liga standen die meisten von ihnen noch zwei Großturniere - Olympische Spiele in Sydney und Weltmeisterschaft in Frankreich - durch, dazu absolvierten sie mit ihren Vereinen noch zahlreiche Spiele im Europacup. Einzelne Spieler kommen dabei locker auf rund 70 Saisonspiele. "Das ist", sagt Ulrich Strombach, Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), "an der Grenze dessen, was erträglich ist."

Die Schuld dafür gibt der DHB den internationalen Verbänden. Diese beschränken mit ihren Meisterschaften im jährlichen Rhythmus von WM und EM die Möglichkeit zur Regeneration auf ein Minimum. "Eine Saison wie diese", sagt Strombach, "werden wir auf absehbare Zeit nicht mehr haben."

Am Ende überwog die Erleichterung, dass der deutsche Handball den Kraftakt ohne größere Imageschäden überstanden hat. Ein einziges Mal allerdings gerieten die Verantwortlichen des Deutschen Handball-Bundes am Samstag dann doch noch ins Schwitzen. Das war der Moment als Linksaußen Stefan Kretzschmar mit voller Wucht in die Werbebande jenseits des gegnerischen Tores flog und dabei nicht verhindern konnte, den Schriftzug des Trikotsponsors komplett herunter zu reißen. Heikel vor allem deshalb, weil der Verband um die Befindlichkeiten seiner Geldgeber weiß. Der eine Sponsor, ein Unternehmen aus der Wertpapier-Branche hatte trotz langfristigen Vertrages nach nur drei Monaten Engagement Insolvenz angemeldet. Der andere - eben jener auf der Werbebande - hatte sich erst einmal nur für diesen Abend eingekauft.

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