Handball-Star Yoon : "Ich bin schon fast ein Deutscher"

Der ehemalige Bundesliga-Star Kyung-Shin Yoon trifft heute mit Südkorea auf Handball-Weltmeister Deutschland. Das Spiel tickern wir hier ab 9.30 live.

Erik Eggers[Peking]
Handball HSV Hamburg - BM Ciudad Real
In Hamburg sagt man Tschüs. Yoon spielt nicht mehr in Deutschland.Foto: dpa

Er hat seine Hausaufgaben erledigt. Als sich die südkoreanische Nationalmannschaft auf das olympische Handballturnier von Peking vorbereitete, nutzte Kyung-Shin Yoon selbstverständlich die glänzenden Kontakte. Fast 13 Jahre hat der Linkshänder in Deutschland gespielt, elf Jahre beim VfL Gummersbach, die letzten zwei beim HSV Hamburg. Also bat er seinen Freund Mario Faltenberg aus Gummersbach, ihm doch eine DVD mit den beiden Testspielen zwischen Deutschland und Russland zu schicken. Dass der Weltmeister dabei neue Angriffskonzepte ausprobierte, hat Yoon mächtig imponiert. „Das hat sehr gut ausgesehen“, sagt er über den heutigen Auftaktgegner seines Teams.

Der Respekt, den der 35-jährige Yoon der deutschen Mannschaft entgegenbringt, kann ohnehin nicht groß genug sein. Deutschland sei hoher Favorit in dieser Partie, erklärt Yoon. Aus gutem Grund: Noch nie hat Südkorea, das freilich ein unbequem offensives 3:3-Abwehrsystem bevorzugt, das Mutterland des Handballs schlagen können. Gleichzeitig empfindet Yoon großen Dank gegenüber dem gegnerischen Trainer. Kümmerte sich doch Heiner Brand Mitte der 1990er Jahre rührend um ihn. Auch heute noch ist Brand begeistert von den Fähigkeiten des Rückraumstars. „Als Individualist war er unvergleichlich in der Bundesliga“, sagt der 55-jährige Gummersbacher. Auch die aktuellen Nationalspieler mögen den stillen Südkoreaner sehr. „Ich betrachte es als Geschenk, dass ich mit ihm spielen durfte“, sagt Torwart Johannes Bitter aus Hamburg. „Er ist der höflichste und netteste Mensch, den ich kenne.“

Die asiatische Höflichkeit, die Yoon auch nach 13 Jahren Aufenthalt in Mitteleuropa („Ich bin schon fast ein Deutscher“) geradezu klischeehaft verkörpert, birgt allerdings auch Tücken. Denn diese Zurückhaltung sorgte dafür, dass die südkoreanische Nationalmannschaft die skandalösen Umstände des asiatischen Olympia-Qualifikationsturniers im September 2007 in Toyota-City schweigend akzeptierte. Jede mitteleuropäische Mannschaft hätte unter diesen spektakulären Umständen das Spielfeld verlassen: Denn die beiden jordanischen Unparteiischen pfiffen im entscheidenden Match gegen Kuwait in allen 38 Situationen für die Araber. Wie sich später herausstellte, waren sie Opfer eines Komplotts: Hassan Moustafa, der ägyptische Präsident der Internationalen Handball-Föderation (IHF), ordnete höchstpersönlich die Absetzung der deutschen Referees an, die eigentlich pfeifen sollten.

Erst das Wiederholungsturnier im Januar 2008 in Tokio rückte die Verhältnisse zurecht, hier holte sich die traditionell starke Handballnation Südkorea das Ticket für Peking. Insofern bildet das laufende olympische Turnier den würdigen Abschluss einer sensationellen Karriere. Yoon hält zahlreiche Torrekorde, die nach Lage der Dinge noch lange halten werden. Darunter sind die 17 Tore, die er im WM-Spiel 2001 gegen die Handball-Großmacht Kroatien warf ( hinterher entschuldigte er sich für seine fünf Fehlversuche!). Zudem hat Yoon sieben Mal die Torjäger-Wertung der Bundesliga gewonnen und insgesamt 2908 Tore erzielt. Mit derlei Rekorden verdiente sich der 2,04 Meter große Handballer auch den Titel des Welthandballers 2001. Nun krönt er seine einzigartige Karriere mit seiner vierten Teilnahme bei einem olympischen Turnier. Sein Ziel: „Eine Medaille“.

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