Sport : Handball: Stenzel vor dem Fuchsbau

Klaus Rocca

Am 5. Februar 1978 zierte in Kopenhagen eine Krone sein krauses Haar. Vlado Stenzel hatte gerade die bundesdeutsche Handball-Nationalmannschaft mit einem sensationellen Sieg über die Sowjetunion zum Weltmeistertitel geführt. Demnächst könnte der "Magier", wie er fortan hieß, in Berlin das Zepter schwingen. Zwar in den Niederungen, aber immerhin. Stenzel könnte als Kotrainer oder Berater bei den Reinickendorfer Füchsen fungieren. Die sind gerade in die Regionalliga aufgestiegen.

Da kennt sich Stenzel aus. Derzeit trainiert er MTV Ingolstadt und RT Regensburg. Nicht gerade erste Adressen im deutschen Handball. Manchmal betreut Stenzel, der am 23. dieses Monats 66 wird, auch noch das 78er-Weltmeisterteam bei Wohltätigkeitsspielen. So wie kürzlich. Da wurde Stenzel gefragt, ob er nicht der maroden Berliner Handballszene Beine machen könnte. Stenzel, der ohnehin mit einem Umzug in die Hauptstadt liebäugelte, war sofort angetan. Und nahm, telefonisch und schriftlich, Kontakt zu Henning Opitz auf, Vorsitzender des Berliner Verbandes (HVB).

Der Weg zu den Füchsen, einst Berlins Bundesliga-Aushängeschild und derzeit hoffnungsvollster Klub nach dem Debakel von Blau-Weiß Spandau, lag nahe. Thomas Micheli, einst Bundesligaspieler und heute Mitverantwortlicher bei den Füchsen: "Wir haben ein Treffen im August mit Stenzel vereinbart. Geklärt werden müssen auch finanzielle Fragen." Möglich wäre, dass Stenzel mit Hilfe des Landessportbundes zusätzlich beim HVB angestellt wird. Dass Bernd Redlich und Andreas Pieper bei den Füchsen Trainer bleiben, daran lässt Micheli keinen Zweifel. Gedacht wird an eine Beratertätigkeit Stenzels, auch an einen zusätzlichen Trainingstag unter seiner Leitung.

Die Vorfreude dürfte sich bei den Füchse-Spielern in Grenzen halten. Der Egozentriker Stenzel, der 1972 in München Jugoslawien zum Olympiasieg führte, hat sich mit seinem autoritären Führungsstil nicht nur Freunde geschaffen. Nach Kopenhagen erlebte er meist Schiffbruch, wurde genauso schnell gefeuert wie angeheuert. Ein Achtungserfolg gelang ihm allerdings noch mal 1980 mit dem TSV Milbertshofen, den er zum Pokalsieg führte. Und sieben Jahre später führte er den VfL Bad Schwartau in die Zweite Bundesliga. Da wollen die Füchse nun auch hin.

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