Handball : Üben ohne Anführer

Die Handballer beginnen ihre Olympiavorbereitung ohne Christian Schwarzer.

Hartmut Moheit

BerlinBesonders beeindruckt war Heiner Brand nicht. „Dass Blacky immer hundert Prozent gibt, weiß ich doch“, sagte der Handball-Bundestrainer über Christian Schwarzer nur. Mit sieben Toren im All-Star-Game hatte der 38 Jahre alte Kreisläufer maßgeblichen Anteil daran, dass die Bundesliga-Auswahl am Montagabend in der Max-Schmeling-Halle die deutsche Nationalmannschaft mit 43:42 besiegen konnte. Wie wäre die Begegnung zum Saisonabschluss wohl ausgegangen, wenn Schwarzer im anderen Team gespielt hätte? Was diesmal noch nicht wichtig war, könnte für den Weltmeister mit Blick auf Olympia bald von eminenter Bedeutung werden. Durch die plötzliche Absage des bisherigen Kapitäns Markus Baur, der nur noch Trainer des TBV Lemgo ist, fehlt der Mannschaft ein sogenannter Leitwolf, ein Ratgeber, eine moralische Stütze, eine Kultfigur.

Doch Brand und Schwarzer wollten das am Montag noch nicht thematisieren. Während der deutsche Coach nur davon sprach, dass Schwarzer nach wie vor im 30er-Kader sei, sagte der Routinier von den Rhein-Neckar Löwen: „Klar ist nur: Ich werde noch eine Bundesliga-Saison spielen. Ansonsten bleibt es bei meiner Aussage, dass ich für die Nationalmannschaft nur im Notfall zur Verfügung stehe.“ Der sei zunächst einmal nicht gegeben. Eine Entscheidung werde diesmal jedoch lange vor Olympia fallen müssen, kündigte Brand an. „Es wird nicht so sein, dass Blacky als Kokommentator fürs Fernsehen nach Peking fährt, und weil er dann schon mal da ist, plötzlich auch für Deutschland einsetzbar sein wird.“ Offiziell darf der Bundestrainer 14 Spieler für das Olympiateam benennen. Die Nominierung erfolgt am 21. Juli. „Wir werden aber für die Möglichkeit der Nachnominierung kämpfen“, sagte Brand, der gern 15 Akteure nach China mitnehmen will, um bei Verletzungen eine Alternative zu haben. Bei der WM im Januar 2007 war Schwarzer so zum Glücksfall geworden. Plötzlich war er nach der Niederlage gegen Polen da, und von seinem ersten Einsatz an begann der unaufhaltsame Aufstieg des deutschen Teams zu Gold. Ein Schwarzer, der 310 Länderspiele absolviert hat und dabei 949 Tore erzielte, braucht keine Anlaufzeit – er kommt, spielt, wirft Tore und reißt alle um sich herum mit. Das würde ihn, den Joker, auch diesmal wieder so wertvoll machen.

Da Heiner Brand das weiß, kann er sich in den nächsten Wochen in der Olympiavorbereitung erst einmal anderen Problemen, die der Baur-Absage zwangsläufig folgen, widmen. Noch in dieser Woche will er jene 20 Spieler benennen, mit denen er am 9. Juni in Köln die Vorbereitung auf Peking in Angriff nimmt. Die vakant gewordene Position des Spielmachers steht dabei im Mittelpunkt. „Michael Kraus hat ja bei der WM bewiesen, dass er das kann, aber den anderen Kandidaten für diese Position fehlt internationale Erfahrung“, erklärte Brand am Montag. Als Alternativen zu dem 24 Jahre alten Lemgoer stehen nur der 21 Jahre alte Junioren-WM-Zweite Martin Strobel (Balingen-Weilstetten) und der drei Jahre ältere Michael Haaß (Minden) zur Verfügung.

Im All-Star-Game gab Brand diesen beiden Spielern gleich längere Einsatzzeiten, ließ Kraus die meiste Zeit auf der Bank. Er wird aber auch in den nächsten Wochen nicht umhin kommen, erfahrene Spieler von anderen Positionen für diese zentrale Rolle zu testen. Die Zeit drängt, nur Christian Schwarzer schaut dem Ganzen erst einmal gelassen zu.

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