Handball-Verband erntet Kritik : Kein Regenbogen über Polen

Tobias Karlsson darf bei der Handball-EM nicht für Toleranz gegenüber Homosexuellen werben. Große Aufmerksamkeit hat Schwedens Mannschaftsführer mit der Aktion aber dennoch erfahren. Ein Kommentar.

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Schwedens Mannschaftsführer Tobias Karlsson .
Schwedens Mannschaftsführer Tobias Karlsson .Foto: dpa

Vielleicht hätten sie Tobias Karlsson einfach mal machen lassen sollen. Im Grunde geht es ja nur um ein Stück Stoff, etwa 15 Zentimeter breit und elastisch, so dass es um den Oberarm passt. Keine große Sache, sollte man meinen, im Wortsinn wie im übertragenen – und doch steckt viel dahinter: Der Abwehrchef der schwedischen Handball-Nationalmannschaft wird bei der EM in Polen jedenfalls nicht wie angekündigt mit einer Kapitänsbinde in Regenbogenfarben als Zeichen für Toleranz gegenüber Homosexuellen auflaufen dürfen. Der Europäische Verband EHF hat Karlssons Plan vor dem Turnierstart einen Riegel vorgeschoben – weil seine Binde nicht, wie in den Regularien festgeschrieben, einfarbig oder in den Landesfarben gehalten ist.

Statements wie das von Karlsson, dem ehrenamtlichen Botschafter der schwul-lesbischen Euro Games, dürfe sein Verband während des Turniers nicht zulassen, argumentierte EHF-Präsident Jean Brihault hastig, zumal die Gleichheit aller Menschen ohnehin in den Verbandsstatuten verankert sei. Warum also noch einmal gesondert auf das Thema hinweisen? Die Intention der EHF ist durchsichtig: Sie will tunlichst Ärger mit dem erzkonservativen Gastgeberland verhindern. Idealerweise soll es nur um Sport gehen und nicht um Politik, aber so einfach ist das natürlich nicht, das hat die Geschichte schon x-mal gezeigt. Viele Spieler kritisierten die Entscheidung der EHF. „Ich schäme mich dafür, Handballer zu sein“, sagte etwa Karlssons Teamkollege Patrick Fahlgren. „Ich hatte die Hoffnung, dass wir 2016 weiter sind.“

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Karlsson nach Kapitänsbinden-Verbot enttäuscht: 'Es ist traurig'
Karlsson nach Kapitänsbinden-Verbot enttäuscht: 'Es ist traurig'

Karlssons Plan ist durch die Intervention der EHF erst zu einem beherrschenden Thema geworden. So gesehen hat Tobias Karlsson gewonnen – weil er genau die Aufmerksamkeit generiert hat, die er generieren wollte.

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