Handball : Verloren, aber zufrieden

Handball: Bundestrainer Heiner Brand sieht einen positiven Trend.

Erik Eggers[Regensburg]
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Foto: dpa

Die Arme vor der Brust verschränkt, den Kopf schüttelnd, manchmal heftig protestierend, so erlebte Heiner Brand die letzten Minuten in der Donau-Arena in Regensburg. Der Bundestrainer der deutschen Handballnationalmannschaft war nicht einverstanden mit der Schlussphase des zweiten Testspiels gegen den Olympiazweiten Island, das vor 5600 Zuschauern schließlich deutlich mit 29:33 (17:18) verloren ging. Vier Tore Unterschied, das war dem Bundestrainer zu viel, obwohl dies nur ein Testspiel war. Vor dem Ernstfall, der am 19. Januar mit dem Auftaktspiel zur Europameisterschaft gegen Polen beginnt, zog Brand trotz aller Probleme ein zufriedenes Fazit. „Im Angriff waren wir heute strukturierter als gestern, in der Abwehr schwächer, daran werden wir jetzt arbeiten“, sagte er. „Insgesamt ist ein stetiger Aufwärtstrend zu erkennen.“

Bei Spielmacher Michael Haaß (Göppingen) zum Beispiel, der sich in den Kader für das Turnier in Österreich gespielt haben dürfte. „Er hat sicherlich einen Schritt nach vorn gemacht“, sagte Brand. Und auch Torhüter Johannes Bitter (HSV) feierte nach seiner Operation am Ellenbogen ein gelungenes Comeback. Am Mittwoch steht in Mannheim gegen Brasilien der letzte Test an.

Tags zuvor hatten die Deutschen gegen den gleichen Gegner 28:32 verloren. Dabei hatte Brand eine Schrecksekunde zu überstehen, als sich Holger Glandorf, der beste Mann im rechten Rückraum, bei einem Hechtsprung am Oberschenkel verletzte. Am Sonntag aber gab der Linkshänder Entwarnung. „Es sieht schon wieder ganz gut aus“, sagte er. Für das Spiel in Regensburg hatte Brand den Großwallstädter Steffen Weinhold nachnominiert.

Die Testspiele waren intensiv geführt, manchmal hart. Beiden Teams war anzumerken, dass sie gut eine Woche vor der EM ein Ausrufezeichen setzen wollten. „Das ist genau der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt“, sagte Glandorf. Zumal der Olympiazweite Island bei der EM eine Medaille anstrebt, wenn nicht gar den Titel. Die besser eingespielten Isländer legten die Schwächen der Deutschen schonungslos frei. „Unsere Fehlerquote ist einfach noch zu hoch. Und wir haben Probleme gegen eine offensive Deckung“, sagte Torsten Jansen, der mit 169 Einsätzen routinierteste Nationalspieler.

Die beiden Niederlagen bewertet Brand nicht als Rückschlag. Man dürfe nicht erwarten, dass sein junges Team gegen die routinierten Isländer auf Dauer mithalten könne, sagte Brand, „das waren schon Fortschritte gegenüber dem Spiel gegen Österreich“. Am Mittwoch hatte Deutschland gegen den EM-Gastgeber 30:29 gewonnen. Dass sich die beiden Rückraumspieler Michael Müller und Lars Kaufmann nach einem Missverständnis am Ende der Partie anfauchten, gefiel Brand indes gar nicht. „Diese Diskussion ist beendet“, sagte er.

Selbstverständlich steht bereits das Gerüst für den 16er-Kader, den Brand spätestens am Tag vor dem Auftaktspiel benennen muss. „Ich habe schon klare Vorstellungen von der Formation“, sagte Brand. Drei Spieler muss er noch streichen, erster Kandidat im Rückraum scheint derzeit Martin Strobel (Lemgo) zu sein, der nur schwer in die Partien gegen Island fand. Auf Linksaußen, wo Uwe Gensheimer und Dominik Klein um den Platz hinter Torsten Jansen kämpfen, hinterließ Klein nicht den besten Eindruck. Offen ist noch der Kampf der Kreisläufer, hier streiten Mathias Flohr (HSV) und Christoph Theuerkauf (Magdeburg) um den letzten Platz. Flohr hat wohl etwas bessere Chancen.

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