Handball : Wille allein reicht nicht

Die Füchse Berlin unterliegen Nordhorn zum Saisonstart 26:32. Sie boten den Fans, die so lange auf Erstliga-Handball warten mussten, aber ein Spiel mit unbändigem Kampfgeist.

Hartmut Moheit

BerlinNicht einen seiner ehemaligen Teamgefährten hat Mark Bult ausgelassen, jeden hat er umarmt. Da hatte das erste Erstligaspiel der Füchse Berlin gegen die HSG Nordhorn auch noch nicht begonnen. Mit dem Anpfiff in der Max-Schmeling-Halle vor 4851 bestens gestimmten Fans, die so viele Jahre auf Erstliga-Handball in der Stadt warten mussten, sollte es mit netten Gesten seitens der Füchse aber vorbei sein. „Die Jungs werden bis zum Umfallen kämpfen“, versprach Bult, der wegen einer Knieverletzung noch einige Zeit nicht spielen kann. Die Füchse kämpften, doch belohnt wurden sie dafür letztlich nicht: Mit 32:26 (18:13) siegten die Nordhorner. „Der gute Wille war da, aber unser Vorhaben konnten wir nicht wie gewünscht umsetzen“, sagte Füchse-Trainer Jörn-Uwe Lommel, „ohne Bult waren wir nun mal von Beginn an geschwächt.“ Mit jeweils fünf Toren waren Konrad Wilczynski, Kjetil Strand und Markus Richwien für die Füchse am erfolgreichsten. Der Aufsteiger musste sehr viel Lehrgeld zahlen, spätestens nach seinen ersten 60 Minuten in der Ersten Liga dürfte klar geworden sein, was auf ihn in den kommenden Wochen zukommen wird.

Dass es im Angriff einige Probleme geben würde, war bereits vor dem Anpfiff klar. Ohne Bult musste Trainer Lommel improvisieren. Er ließ Pavel Prokopec die Regie führen und dafür den sonstigen Mittelmann Strand auf Halbrechts spielen. Einen Rechtshänder auf Halbrechts, damit hatte Nordhorn nur wenig Probleme. Als dann noch leichtfertige Anspiele und ungenaue Würfe hinzukamen, bekam das EHF-Cup-Team die Füchse sehr gut in den Griff. Vor allem der enorm schnelle Jan Filip profitierte von jedem Ball der Füchse, der nicht ins Tor kam. Seine Mitspieler hätten die abprallenden Bälle auch blind nach vorn werfen können, Filip war mit Sicherheit längst dort. So wuchs der Vorsprung der Nordhorner in den ersten 30 Minuten beständig, vom 6:3 (11. Minute) bis zum 15:10 (25.). Bei den normalen Angriffen der Gäste stand die Füchse- Deckung dabei nicht einmal schlecht. Sascha Detloff hatte Weltmeister Holger Glandorf ganz gut im Griff, und auch Torhüter Petr Stochl hielt einige Bälle. Dennoch, die erfahrenen Nordhorner waren die cleverere Mannschaft, die ihre Chancen im Angriff viel konsequenter nutzte.

Was die Füchse noch bieten konnten, war unbändiger Kampf. Selbst beim 16:23 (40.) gaben sie sich nicht auf. Und plötzlich hatten sie sogar eine Überraschung in den Händen (24:25/49.). Aber auch in dieser Phase waren die Gäste cleverer. Die wichtigen Tore in Phasen, in denen es mal nicht lief, warf ihr Linkshänder Glandorf. Einen Star wie ihn haben die Füchse eben noch nicht in ihren Reihen. Zum Abschied hat ihn Bult noch einmal umarmt, obwohl er doch etwas enttäuscht war.

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