Handball : "Wir sind Außenseiter"

Silvio Heinevetter über die EM-Hauptrunde, Torwart-Duelle und die Trauer um Oleg Velyky

Interview von Hartmut Moheit
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Foto: ddpdpa

Herr Heinevetter, am Freitagabend herrschte noch riesiger Jubel im deutschen Team, ein paar Stunden später wegen des Todes von Oleg Velyky tiefe Trauer. Wie gehen Sie damit um?

Es ist keine Phrase – ich bin sehr schockiert. Ich kannte ihn zwar nicht so gut wie die HSV-Spieler, aber mich hat diese Nachricht sehr traurig gemacht. Eigentlich war ich mit einem sehr schönen Gefühl eingeschlafen.

Haben Sie ein wenig Sorge, in dieser Stimmung das nächste EM-Spiel am Sonntag gegen Frankreich zu bestreiten?

Das klingt jetzt vielleicht etwas hart – aber wir sind Profis und müssen so etwas Trauriges dann ausblenden.

Leichter gesagt als getan?

Ich denke, das werden wir schaffen. Wir spielen gegen Frankreich ganz bestimmt auch für Oleg Velyky, das wird uns noch zusätzlich antreiben.

Gegen Frankreich, den aktuellen Olympiasieger und Weltmeister, wäre es ohnehin schon schwer genug geworden. Sehen Sie in diesem Spiel auch einen Zweikampf zwischen Ihnen selbst und dem Weltklassetorhüter Thierry Omeyer?

Nein, überhaupt nicht. Mich interessieren nur die französischen Angreifer und wie ich ihre Bälle halten kann.

Aber Omeyer ist ein internationaler Star, ebenso wie der Spanier Jose Javier Hombrados, gegen den Sie ebenfalls noch spielen werden.

Ja, das ist so, aber wir Torhüter machen nun mal eher unser eigenes Ding, wir sind da sehr eigen. Ich orientiere mich nicht an anderen.

Wie hat Deutschlands Torhüter Nummer eins, Johannes Bitter, auf Ihre sehr gute Leistung im Spiel gegen Schweden reagiert?

Jogi verdient wirklich ein Kompliment. Wie er mich von außen unterstützt hat, war toll. Aber das entspricht dem Klima in unserem Team, es geht nicht um einzelne Spieler.

Hat Sie Ihre Leistung selbst überrascht, nachdem es in der Bundesliga in dieser Saison bei Ihnen noch nicht sehr gut gelaufen war?

Ich wusste, dass ich heiß bin. Die Stimmung im Team und auf den Rängen hat mir sicherlich sehr geholfen.

Was wissen Sie über Frankreich?

Die Franzosen sind zwar noch nicht die erwartet dominierende Mannschaft der EM, aber mit sehr vielen routinierten Top-Leuten sehr eingespielt. Wir sind als junge Mannschaft klarer Außenseiter.

Die WM vor einem Jahr in Kroatien war Ihr erstes großer Turnier mit der deutschen Nationalmannschaft. Gibt es einen Unterschied im Team zur Mannschaft vor zwölf Monaten?

Höchstens, dass die Mannschaft noch jünger aufgestellt ist. Was aber Wille, Leidenschaft und die Einstellung zum Job generell anbelangt, ist alles wie damals. Mir macht es in diesem Team jedenfalls Spaß.

Das war in der Bundesliga zuletzt sicherlich nicht so der Fall. Im letzten Hauptrundenspiel trifft die deutsche Mannschaft auf Tschechien, dann spielen Sie gegen Ihren Füchse-Torwartkollegen Petr Stochl. Sehen Sie darin auch eine Chance, die an ihn verlorene Nummer-Eins-Stellung in Berlin zurückzuholen?

Das ist bei einer EM völlig uninteressant.

Das Gespräch führte Hartmut Moheit.

Silvio Heinevetter, 25, spielt seit dieser Saison bei den Füchsen Berlin. Zuvor stand er beim SC Magdeburg unter Vertrag. Gegen Schweden absolvierte er am Freitag sein 31. Länderspiel.

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