Handball-WM 2015 in Katar : Olympia als neues Ziel der deutschen Mannschaft

Nach der Niederlage im WM-Viertelfinale gegen Katar geht es für die deutschen Handballer noch weiter im Turnier. Und noch gibt es für das Team von Dagur Sigurdsson ein großes Ziel.

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Michael "Mimi" Kraus ist jetzt als Motivator gefragt.
Michael "Mimi" Kraus ist jetzt als Motivator gefragt.Foto: dpa

Bislang ist Michael Kraus bei der Handball-Weltmeisterschaft in Katar nur sehr bedingt zum Einsatz gekommen, trotzdem hat er das Spiel seiner Mannschaft in diesen seltenen Momenten fast immer belebt. Ganz abgesehen von sportlichen Szenen sind am Donnerstagvormittag die Vorzüge seiner Nominierung deutlich geworden. Da hat Kraus, Spitzname: Mimi, zwar nicht auf dem Feld Einfluss auf seine Kollegen genommen, dafür wirkte er auf psychologischer Ebene.

„Mimi hat uns davon erzählt, was für ein riesiges Erlebnis die Olympia-Teilnahme ist und dass es alle Turniere, die wir so kennen, bei Weitem übertrifft“, sagte Patrick Groetzki. Bob Hanning, der Vizepräsident Leistungssport beim Deutschen Handball-Bund (DHB), nahm sich ebenfalls ein paar Spieler zur Seite und berichtete aus seinem persönlichen Erfahrungsschatz. Im Jahr 2000 durfte Hanning die Spiele in Sydney als Co-Trainer an der Seite von Heiner Brand erleben. „Ich hoffe, dass uns die Geschichten die nötige Zuversicht für die beiden letzten Spiele geben“, sagte Groetzki.

Deutschland bei der Handball-WM 2015 in Katar
Traurige Gesichter bei den deutschen Spielern nach der 24:26-Niederlage im Viertelfinale gegen Katar. Nach schwacher erster Halbzeit kommt die Aufholjagd nach der Pause zu spät.Weitere Bilder anzeigen
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28.01.2015 18:39Traurige Gesichter bei den deutschen Spielern nach der 24:26-Niederlage im Viertelfinale gegen Katar. Nach schwacher erster...

Neben dem Wunsch, das Turnier im Wüstenstaat mit einem positiven Erlebnis abzuschließen, geht es für die Nationalmannschaft ab Freitag darum, die Teilnahme an den Qualifikationsturnieren für Olympia 2016 (7. bis 10. April) perfekt zu machen. Nach der Viertelfinal-Niederlage gegen Gastgeber Katar benötigt das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson dazu einen Sieg in den beiden ausstehenden Begegnungen – entweder am Freitag (14 Uhr MEZ, live bei Sky) gegen Kroatien. Oder, im Falle einer Niederlage, im letzten WM-Spiel am Sonnabend gegen den Verlierer des Platzierungsspiels zwischen Dänemark und Slowenien. „Auf uns wartet eine verdammt schwere Aufgabe, die wir so angehen wollen wie alle anderen Spiele bisher auch: konzentriert, engagiert und mutig“, sagte Sigurdsson bei der finalen Pressekonferenz am Donnerstag. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch andere Enttäuschte gibt, die noch im Turnier sind“, ergänzte der Isländer. Vor allem Vizeweltmeister Dänemark und Kroatien hatten sich vor dem Turnier mehr ausgerechnet.

Unter extrem verzwickten und globalen Wenn-Dann-Konstellationen könnte den Deutschen sogar noch WM-Platz acht für die Teilnahme an der Olympia-Qualifikation genügen, aber darauf wollen es Spieler und Verantwortliche gar nicht erst ankommen lassen. „Ich habe den Olympia-Traum, seitdem ich ein kleiner Junge war“, sagt Groetzki, „und den meisten in unserem Team geht es genau so.“ Um genau zu sein: fast allen. Aus dem 16-köpfigen WM-Kader hat bislang nur ein Aktiver an Olympischen Spielen teilgenommen: Michael Kraus. Deshalb ist der Göppinger in den nächsten Tagen bis zum Abflug der Mannschaft am frühen Sonntagmorgen vor allem als Motivator gefordert.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft
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„Im Moment überwiegt zwar bei allen die Enttäuschung, aber bei so einer WM geht es nun mal Schlag auf Schlag“, sagt Kraus, „die hohe Kunst besteht jetzt darin, das Viertelfinale gegen Katar schnell aus den Köpfen zu verbannen.“ Patrick Groetzki sieht das ähnlich. „Für den Körper ist es vielleicht schwierig, nach sechs Spielen in zwölf Tagen noch mal alles rauszuholen“, sagt der Rechtsaußen, „aber für den Kopf ist es gar nicht mal schlecht, dass wir direkt wieder ran müssen und das letzte Spiel vergessen machen können.“

Genau darum ging und geht es dem vor einem halben Jahr neuformierten Team um Bundestrainer Sigurdsson ja in erster Linie: den Umgang mit stressigen Situationen und schmerzhaften Niederlagen zu lernen und diese als Teil eines Entwicklungsprozesses zu begreifen. „Wenn wir die Olympia-Qualifikation schaffen, gehen wir als einer der großen Gewinner aus diesem Turnier“, sagt Kraus. „Das wird eine Charakterfrage“, ergänzt der Spielmacher, „deshalb mache ich mir auch keine Sorgen: Die Mannschaft hat nämlich gezeigt, dass sie Charakter hat.“

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