Handball-WM : Casting Katar - ein Modell mit Zukunft?

Das "Nationalteam" Katars hat Deutschland bei der Handball-WM geschlagen. Kommt da was nach? Muss sich der internationale Sport auf Triumphe anderer Nationalmannschaften einstellen, auch im Fußball? Ein Kommentar.

Claus Vetter
Ein Sieg für die Heimat. Ahmad Madadi, tatsächlich ein Local Player, freut sich über den Erfolg Katars.
Ein Sieg für die Heimat. Ahmad Madadi, tatsächlich ein Local Player, freut sich über den Erfolg Katars.Foto: Imago

Das muss ein Autokorso gewesen sein am Sonntagabend in den Straßen von Doha! Die Handball-Nationalmannschaft des Wüstenstaates ist im Viertelfinale der Weltmeisterschaft in Frankreich, nach einem Sieg gegen Europameister Deutschland. Das Geld hat gesiegt, ein Triumph kluger Einkaufspolitik im internationalen Sport. Teuer und gut zusammen gecastet, das Team Katar. Und nicht nur das: Katar setzt weiter Maßstäbe, ist Vorreiter. Positiv gesagt: Es steht für eine offene Welt ohne Grenzen, in der sich jeder Sportler seine Nationalmannschaft aussuchen kann. Das wäre dann sozusagen die Erfüllung von John Lennons „Imagine“ („Imagine there's no countries“). Böse ließe sich allerdings auch sagen, Katar führt die Idee einer WM der Staaten ad absurdum.

Ein Spitzenteam im Fußball - das wird teuer

Es wirft kein gutes Licht auf die gesamte Sportart, wenn sich das Land, das diese Sportart erfunden hat, von einer teuer zusammengeklaubten Truppe abbügeln lässt. Doch wie kann sich der deutsche Handball davor schützen? Wie kann sich der Welt-Handball für das Casting-Team aus Katar wappnen? Einfach. Einfach die Spielergehälter in den Klubs erhöhen und dann mit Mordsprämien für einen WM-Titel winken. Ein guter Handballprofi muss nicht 300.000 im Jahr sondern 30 Millionen verdienen. Das schützt vor einem System wie dem von Katar: Im Fußball nämlich würde so ein Weltklasseteam wie das der Handballer ungefähr zwei Milliarden Dollar kosten. Hätten Messi und Ronaldo allerdings nicht schon Pflichtspieleinsätze in ihren Nationalmannschaften hinter sich, dann wäre es an sich spannend, sie mal einem Team auflaufen zu sehen.

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Außerdem wird es dann irgendwann unmoralisch. Nicht für die Männer in Katar, aber für die Frauen und Männer, die außerhalb des Wüstenstaat den Handballsport verfolgen.

Keine Angst also, der Fußball wird Katar bei der Heim-WM im Jahr 2022 noch nicht ins Halbfinale lassen, dazu ist dessen Mannschaft einfach zu „billig“. Genauso wird die zum großen Teil in Nordamerika geborene Eishockey- Nationalmannschaft bei den Winterspielen in Südkorea 2018 noch nicht Gold gewinnen. Aber kann ja alles ein andermal noch werden. Wenn der Preis stimmt.

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