Handball-WM : Der Titel ist weg

Die deutschen Handballer verlieren 25:27 gegen Dänemark und verpassen den Einzug ins WM-Halbfinale. Wieder ärgern sich die Deutschen über die Leistung der Schiedsrichter.

Erik Eggers[Zadar]
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Am Boden. Sebastin Preiß.Foto: dpa

Wieder war es das beherrschende Thema des Abends. Ob er die Leistungen der Schiedsrichter kommentieren wolle, wurde Bundestrainer Heiner Brand gefragt. Der 56-Jährige schüttelte nur müde den Kopf, und dann musste er lächeln, da auch sein dänischer Kollege Ulrik Wilbek fassungslos den Kopf geschüttelt hatte. Die beiden Fachleute schwiegen lieber über den desaströsen Auftritt des rumänischen Duos Din/Dinu, aber Wilbek konnte besser damit leben. Denn Dänemark hatte sich für das Halbfinale der Handball-WM qualifiziert, während das Team von Brand nach der unglücklichen 25:27 (14:14)-Niederlage den Weltmeistertitel schon nach der Hauptrunde verloren hat. „Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, sie hat überragend gespielt, eine solche Leistung hätte ich unter diesen Umständen nicht für möglich gehalten“, sagte Brand über seine Spieler, die damit zum dritten Mal innerhalb eines Jahres gegen Dänemark den Kürzeren gezogen hatten.

Gegen Ungarn um Platz 5

Eine theoretische Möglichkeit immerhin blieb noch: Bei einem Unentschieden im abschließenden Spiel zwischen Norwegen gegen Polen wären die Deutschen doch noch ins Halbfinale eingezogen. Die Hoffnung aber erfüllte sich nicht. Vizeweltmeister Polen besiegte Norwegen mit 31:30 und sicherte sich damit Platz zwei in der Gruppe. Deutschland spielt am Donnerstag gegen Ungarn um Platz 5.

Die deutschen Spieler kochten nach der Niederlage gegen Dänemark vor Wut. „Wir wurden wieder verarscht“, sagte Kreisläufer Sebastian Preiß aus Lemgo, der mit sieben Toren erfolgreichste deutsche Schütze. „Das war Verarschung hoch zehn“, fand auch Ersatztorhüter Silvio Heinevetter.

In der Tat boten die letzten Minuten des Spiels erneut Stoff für einen Skandal. Schon bevor der starke Lemgoer Lars Kaufmann (sechs Tore) 210 Sekunden vor Schluss zum 25:25 ausglich, hatten die Schiedsrichter absurde Entscheidungen getroffen. „Dominik Klein hat zumindest einen, wenn nicht zwei Siebenmeter verdient“, sagte Brand. Entscheidender aber war eine Szene knapp zwei Minuten vor Schluss. Die Deutschen waren in Überzahl, ein Wurf der Dänen wurde von einem deutschen Abwehrspieler abgefälscht, doch Torhüter Bitter lenkte den Ball noch mit den Fingerspitzen über die Latte. Es hätte Abwurf geben müssen, die Schiedsrichter entschieden auf Ecke. „Jogi Bitter ist mit der Hand am Ball. Der Feldschiedsrichter sieht dieses auch, im Nachhinein bestreitet er das natürlich wie immer in solchen Fällen“, sagte Brand. „Das hätte schon gereicht, um das Spiel nach Hause zu fahren.“ Stattdessen blieben die Dänen in Ballbesitz. Auch die Zweiminutenstrafe gegen den Kieler Dominik Klein, der von der Bank aus auf einen verletzten Spieler aufmerksam machen wollte, war lächerlich. „Wenn man das sieht, weiß man, wie das hier heute gelaufen ist“, sagte Brand.

 „Jungs, das war herausragend"

Es war also schon viel passiert, doch nach dem 25:25 wurde es noch dramatischer: Während der folgenden Zeitstrafe bekam das deutsche Team nie den Ball, die Skandinavier durften die zwei Minuten ungehindert herunterspielen – und dann entschieden die Schiedsrichter nach einer vergleichsweise harmlosen Szene auf eine Zeitstrafe gegen den überragenden Spielmacher Martin Strobel. „Das muss ich mir noch mal alles durch den Kopf gehen lasen“, sagte der 22-Jährige, der als Ersatzmann für den verletzten Michael Kraus das Spiel des Weltmeisters herausragend geführt hatte.

Dass die Deutschen überhaupt mithielten, war schon eine Sensation. Im Gegensatz zum eingespielten Europameister stand auf deutscher Seite eine völlig unerfahrene Mannschaft auf dem Feld. Als Brand Mitte der zweiten Halbzeit den enttäuschenden Holger Glandorf durch Michael Müller ersetzte und auch Pascal Hens wegen seiner Oberschenkelverletzung nicht mehr spielen konnte, stand aus der Startformation des WM-Finales von 2007 nur noch Abwehrchef Oliver Roggisch auf dem Feld.

„Man muss damit leben, aber ich denke, irgendwann werden wir das zurückbekommen und den Lohn für diese Leistung hier ernten können“, sagte Brand. Als er die Mannschaft nach Spielschluss zum obligatorischen Schlusskreis zusammenholte, hatte er, wie Kaufmann lächelnd berichtete, Folgendes erklärt: „Jungs, das war herausragend, darauf können wir aufbauen. Vor euch liegt die Zukunft.“ Bei dieser Weltmeisterschaft aber wird die Zukunft nicht mehr beginnen.

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