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Handball-WM : Deutsches Team nutzt Tunesien als Aufbaugegner

36:26 gegen Tunesien: Die deutschen Handballer kämpfen sich in die Hauptrunde. Nach der Vortagsniederlage gegen Frankreich bemüht sich das Team von Heiner Brand um Wiedergutmachung.

Erik Eggers
Pascal Hens zeigt es an: Für die deutsche Mannschaft geht es bei der Handball-WM aufwärts - erst gegen Tunesien und dann in die Hauptrunde.
Pascal Hens zeigt es an: Für die deutsche Mannschaft geht es bei der Handball-WM aufwärts - erst gegen Tunesien und dann in die...Foto: dpa

Manch deutschem Handballer stand wieder ein Lächeln im Gesicht. Sie hatten zwar, wenn auch nur kurzzeitig, in den Abgrund geblickt in der schmucken Kristianstad-Arena. Doch diesmal bewältigten sie eine Krise. Schon eine Viertelstunde vor, als Kapitän Pascal Hens einen Tempogegenstoß zum 27:17 verwandelte, stand der Einzug in die Hauptrunde der 22. WM in Schweden fest. Am Ende bezwang Deutschland den Afrikameister Tunesien mit 36:26 (15:12)-Toren. „Ich hatte heute wieder Spaß am Spiel“, sagte Brand. „Das Niveau unseres Angriffsspiels hat sich verbessert, ich hoffe, dass wir darauf aufbauen können.“

Das Team von Bundestrainer Heiner Brand startet nun allerdings mit der Hypothek von 0:4-Punkten in die Runde der letzten Zwölf. In Jönköping trifft das Team zunächst am Samstag auf Island und dann auf Ungarn und Norwegen. „Jetzt wollen wir jedes dieser drei Spiele gewinnen und dann werden wir sehen, was dabei herauskommt“, sagte Torwart Johannes Bitter (HSV), der mit 19 Paraden erneut als starker Rückhalt seines Teams agierte. Der Einzug ins Halbfinale ist zwar theoretisch noch denkbar. Das eigentliche Ziel aber heißt Platz Sieben und damit die Berechtigung für die Teilnahme an einem Qualifikationsturnier für das olympische Turnier 2012. „Natürlich wollen wir das unbedingt erreichen“, sagte der Halblinke Hens.

Die Frage war: Wie hatte das Team die schwere 23:30-Niederlage gegen Olympiasieger Frankreich vom Vortag verarbeitet? „Wir haben wie Männer offene Worte dafür gefunden“, berichtete der Kieler Dominik Klein. „Und wir haben die richtige Reaktion gezeigt, wir hatten heute wieder Spaß am Handball.“ Es habe ein wenig gedauert, bis man ins Spiel gefunden habe, sagte Spielmacher Michael Kraus (HSV). „Natürlich hat uns die Niederlage gegen Frankreich verunsichert.“

Die Nerven flatterten ein wenig, schließlich drohte am letzten Vorrundenspieltag den Männern das gleiche düstere Szenario wie den Frauen des Deutschen Handballbundes (DHB) im Dezember bei der EM. Auch die Frauen schienen hier bereits für die Hauptrunde qualifiziert, da sie sich in der letzten Partie gegen die Ukraine eine Niederlage mit sieben Treffern leisten durften. Sie kamen nicht klar mit dieser vermeintlich komfortablen Situation und verloren 23:33.

Auch die Männer standen in der ersten Halbzeit am Abgrund, auch weil Ägypten überraschend gegen Bahrain verlor und so mindestens ein Remis erforderlich war: Trotz guten Starts und einer 6:3-Führung (achte Minute) entglitt ihnen für ein paar Minuten die Partie, als sie sich fünf technische Fehler leisteten.

Nun stockte der Angriff, den Kraus erneut nur leidlich strukturierte. Brand, die Arme vor der Brust verschränkt, tiefe Sorgenfalten im Gesicht, stand an der Seitenlinie und schaute dem traurigen Treiben recht fassungslos zu. In der 14. Minute, inzwischen hatte der Gummersbacher zur Beruhigung eine Auszeit genommen, schien die Situation zu eskalieren: Brand schrie Kraus an. Und Kraus brüllte zurück, bevor er sich wieder dem Angriff zuwendete.

Da stand es bereits 6:7, und als Spielmacher Heykel Megannem, der erfahrene tunesische Kapitän, seine Klasse aufblitzen ließ, drohte beim 8:10 (17.) gar das Vorrunden-Aus. Wenn die deutsche Mannschaft das Spiel danach wieder einigermaßen in Griff bekam, dann lag das an der 6:0-Abwehr, die sich nun steigerte – und an Bitter. Der Torhüter bestätigte seine glänzende Turnierform (Fangquote in den ersten vier Partien: 48,4 Prozent), als er bis zur Pause mehr als die Hälfte aller Bälle abwehrte. Immer wieder schrie der 2,05m große Keeper seine Vorderleute nach vorn, motivierte sie, und er kompensierte auch die zwei unnötigen Zeitstrafen, die sich Abwehrchef Oliver Roggisch (Rhein Neckar-Löwen) in dieser Phase leistete. Und tatsächlich, beim Pausenstand von 15:12 kontrollierte der Weltmeister von 2007 wieder das Geschehen.

In Halbzeit machte das Team dann kurzen Prozess mit den Nordafrikanern, denen die Kräfte und Ideen ausgingen. Vor allem Klein, der für Uwe Gensheimer kam, brachte viel Elan ins deutsche Spiel. „Wir wissen ja auch, dass wir es können“, meinte hinterher der Linksaußen. Die deutschen Handballer haben wieder Mut gefasst für die kommenden Aufgaben in Schweden.

Die deutsche Statistik:
Bitter (1.- 60. Minute, 19 Paraden), Heinevetter (n.e.); Hens 6, Preiß 5, Klein 4, Kraus 4/2, Glandorf 3, Sprenger 3, Groetzki 3, Haaß 3, Pfahl 2, Heinl 2, Gensheimer 1, Roggisch, Kaufmann, Christophersen (n.e.).

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