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Handball-WM : Deutschland startet mit Sieg gegen Brasilien

Die deutschen Handballer haben ihr Auftaktspiel bei der WM in Spanien klar gegen mit 33:23 gegen Brasilien gewonnen. Nur zu Beginn tat sich das Team von Bundestrainer Martin Heuberger gegen die Südamerikaner schwer.

Erik Eggers
Durchziehen. Steffen Fäth (l.) setzt sich gegen Brasiliens Lucas Candido durch.
Durchziehen. Steffen Fäth (l.) setzt sich gegen Brasiliens Lucas Candido durch.Foto: AFP

Ruhig, sagte Reinhold Roth, ruhig. Der Physiotherapeut tat alles, um den Blutdruck von Martin Heuberger mit Gesten zu senken; der Bundestrainer hatte sich maßlos aufgeregt über einen Pfiff der Schiedsrichter. Dabei führte die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) in dieser 37. Minute mit fünf Toren, endlich lief es besser im deutschen Spiel. Am Ende siegte das Team in seinem Auftaktspiel der 23. WM in Spanien mit 33:23 (12:10) gegen Brasilien, den nominell schwächsten Gegner in der Vorrundengruppe A. „Man darf das nicht überbewerten, aber gut ist, dass jetzt alle ihre Erfahrungen gemacht haben“, sagte WM-Debütant Steffen Weinhold. Der Rückraumspieler von der SG Flensburg-Handewitt war mit sieben Treffern bester Torschütze.

„Natürlich sind wir erleichtert. Wir hatten großen Respekt vor der brasilianischen Deckung“, sagte Heuberger, nun wieder sichtlich entspannter. „Nach der Pause haben wir Highspeed-Handball gespielt, da hat sich ausgezahlt, dass wir alle Spieler einsetzen können.“ Der Gegner am Sonntag im Palacio de Deportes von Granollers (17.20 Uhr, live im ZDF) ist aber schon von härterem Schrot. Afrikameister Tunesien hat im Kader erfahrene Profis wie Kreisläufer Issam Tej vom französischen Meister Montpellier HB. Noch etwas unbekannter ist der interessanteste Mann: Wael Jallouz, der hünenhafte Halblinke aus Hammamet. Die Anlagen des 21-Jährigen sind so vielversprechend, dass Rekordmeister THW Kiel ihn für den Sommer 2013 verpflichtet hat. „Das ist ein Rückraum-Bomber, da hat der THW einen guten Griff getan“, sagt Heuberger. „Ich erwarte eine 6:0-Deckung beim Gegner.“

Die erste Halbzeit gegen Brasilien, das sich im Aufbau für das olympische Turnier 2016 in Rio de Janeiro befindet, war ein einziger Krampf. Der deutsche Mannschaft um Regisseur Michael Haaß war sichtlich nervös und fand gegen die superoffensive 3:2:1-Deckung des Gegners keine spielerischen Mittel. Viele Würfe waren schlecht vorbereitet oder unpräzise abgefeuert. Als Linkshänder Adrian Pfahl vom VfL Gummersbach in der zehnten Minute auch seinen vierten Wurf aus dem Rückraum verfehlte, reagierte Heuberger und brachte den Flensburger Weinhold, der sich in der Folge als bester deutscher Feldspieler entpuppte.

Da stand es 3:5, denn auch die deutsche Abwehr zeigte sich löchrig. Allein Torhüter Silvio Heinevetter war sofort auf dem Posten. Mit seinen Paraden, davon einige aus der Nahwurfzone, hielt der 28-Jährige sein Team auf Schlagdistanz; in der ersten Halbzeit lag seine Quote gehaltener Bälle bei 50 Prozent. „Er hat uns einige Male gerettet“, sagte Heuberger. Erst als der Bundestrainer beim Stand von 7:9 (20.) die dringend benötigte Auszeit nahm, stabilisierte sich die deutsche 6:0-Deckung zunehmend. Aber die Angriffsleistung der Profis aus der stärksten Liga der Welt blieb weiter desolat. Die meisten deutschen Tore kamen durch Alleingänge zustande. Nachdem Kevin Schmidt, der zunächst nur für die Ausführung der Siebenmeter eingewechselt wurde, die ersten beiden Strafwürfe verwandelt hatte, ging der Weltmeister von 2007 mit einer 12:10-Führung in die Kabine.

Nach der Halbzeitpause aber marschierte das Team flugs davon. Zweimal traf Weinhold und erhöhte in Überzahl auf 15:10 (33.). Diese Führung beruhigte die Mannschaft sichtlich. „Das war gut für unser Selbstvertrauen“, befand Weinhold. Spielerisch offenbarte die deutsche Auswahl zwar weiterhin Steigerungspotenzial, aber nun trafen die Angreifer wesentlich besser. Als Schmidt mit seiner ersten Aktion aus dem Feld mit einem feinen Dreher traf, lag Deutschland beim 21:14 (43.) erstmals mit sieben Toren in Front. Spätestens jetzt war das Spiel entschieden. Und so kamen am Ende mit Tobias Reichmann und Steffen Fäth (beide Wetzlar) noch weitere WM-Debütanten zum Einsatz. Da hatte sich Heubergers Blutdruck schon wieder normalisiert.

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