Handball-WM : Deutschland trifft auf Spanien

Angeführt von Shooting-Star Michael Kraus und dem wieder erstarkten Torhüter Henning Fritz sind die deutschen Handballer gegen Island zum vierten WM-Sieg in Folge gestürmt. Im Viertelfinale wartet Titelverteidiger Spanien.

Dortmund - Einen Tag nach dem berauschenden 29:26 über Europameister Frankreich schlug Gastgeber Deutschland am Sonntag durch einen erneuten Kraftakt Island mit 33:28 (17:11). Damit beendete der EM-Fünfte die zweite Turnierphase ohne Punktverlust und trifft am Dienstag (17:30 Uhr) in der K.o.-Runde in Köln auf Titelverteidiger Spanien. Die weiteren Begegnungen in der Runde der letzten Acht am Dienstag in Köln und Hamburg bestreiten Olympiasieger Kroatien und Europameister Frankreich, Polen und Russland sowie Island und Dänemark.

Auch ohne Kapitän Markus Baur (Lemgo), der sich beim Erfolg gegen den WM-Dritten Frankreich eine Muskelfaserriss in der rechten Wade zugezogen hatte, dominierten die deutschen die Partie. Vor wiederum 12.000 begeisterten Zuschauern in der ausverkauften Westfalenhalle warf neben Pascal Hens (Hamburg/6) und Dominik Klein (Kiel/5) Baur-Ersatz Kraus (Göppingen/5) wie schon am Vortag die meisten deutschen Tore. Der Isländer Asgeir Hallgrimsson vom Bundesligisten TBV Lemgo sah in der 36. Minute nach drei Zeitstrafen die Rote Karte.

Der Ausfall von Baur, der dem Team allenfalls in einem möglichen Halbfinale wieder zur Verfügung steht, sorgte für Spekulationen. Als sicher gilt, dass Brand am Montag vor dem Umzug von Kaiserau nach Wiehl von seinem Recht Gebrauch macht, und vor dem Viertelfinale Spieler nachnominiert. So signalisierte der genesene Oleg Velyky (Sehnenanriss unter dem Fuss) Einsatzbereitschaft, obwohl ihm nach mehrwöchiger Zwangspause Spielpraxis fehlt. Selbst ein Comeback von Stefan Kretzschmar (SC Magdeburg) wird nicht ausgeschlossen.

"Wir haben uns bei den Gegnern Respekt verschafft. Dafür, dass wir vor wenigen Tagen schon abgeschrieben wurden, ist das erstaunlich", sagte der reaktivierte Christian Schwarzer nach dem glanzvollen Sieg über Frankreich. "Jetzt ist uns alles zuzutrauen", sagte Sebastian Preiß. Und selbst der gewöhnlich zurückhaltende Bundestrainer Heiner Brand schwärmte von seiner Mannschaft. "Das ist sensationell. Da kann ich der Mannschaft nur ein Kompliment aussprechen. Ihre Entwicklung ist sehr erstaunlich, aber noch nicht abgeschlossen", sagte der Gummersbacher.

Brand bremst Euphorie

Allerdings bremste Brand noch am Abend im WM-Quartier Sportschule Kaiserau die aufkommende Euphorie in der Mannschaft. "Ich habe ihr meine Hochachtung ausgesprochen, ihr aber auch mit auf den Weg gegeben, dass wir nach dieser Euphorie wieder auf den Boden kommen müssen. Wir müssen uns jeden Sieg neu erkämpfen", forderte er von seinen Mannen auch mit dem Gedanken an den Ausfall von Spielmacher Baur.

Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) startete mit dem Schwung aus der Frankreich-Gala ins abschließende Hauptrundenspiel gegen Island. Nach dem 4:4 (10.) enteilte der Gastgeber flugs auf 9:4 (15.). Dabei war beiden Mannschaften der hohe Kraftverlust aus den Spielen des Vortages anzusehen. Doch der EM-Fünfte kompensierte dies vorbildlich durch Einsatz und Kampfgeist. Jeder stand für den anderen ein, so dass der Gastgeber auf der Grundlage der bärenstarken Abwehr auf 12:6 (21.) und 15:7 (25.) davon zog.

Schonung für Stammspieler g

Wegen des großen Substanzverlustes vertraute Brand gegen Island vermehrt seinen Ergänzungsspielern. So bekamen unter anderem Lars Kaufmann (Wetzlar) für Pascal Hens (Hamburg) und Dominik Klein (Kiel) für Torsten Jansen (Hamburg) längere Einsatzzeiten und dankten es mit solidem Spiel sowie wichtigen Treffern. Im zweiten Durchgang dann gab Kreisläufer Andrej Klimowets (Kronau/Östringen) beim Stand von 18:12 (32.) sein Comeback nach überstandener Wadenverletzung und hielt die Abwehr zusammen.

Der Vorsprung der deutschen Mannschaft schrumpfte nicht weiter als auf fünf Tore zusammen. Nach einer kurzen Verschnaufpause erhöhte der Gastgeber sogar auf 26:17 (45.) und schuf damit die Vorentscheidung, weil auch der für Fritz eingewechselte Torhüter Johannes Bitter (Magdeburg) gut hielt. (Von Martin Kloth und Heinz Büse, dpa)

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