Handball-WM in Katar : Deutschlands Gegner Russland ist modern geworden

Nach dem Sieg im ersten Gruppenspiel gegen Polen kämpfen die deutschen Handballer mit den üblichen Nachwirkungen besonders emotionaler Spiele. Am Sonntag wartet mit Russland der nächste starke Gegner.

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Damals: Der russische Trainer Oleg Kuleschow als Bundesligaspieler im Trikot des SC Magdeburg.
Damals: Der russische Trainer Oleg Kuleschow als Bundesligaspieler im Trikot des SC Magdeburg.Foto: dpa

Einen Nachteil bringen solch emotionale und erfolgreiche Spiele wie am Freitag dann doch mit sich. „Ich hatte große Probleme mit dem Einschlafen, weil ich erst mal runterkommen musste“, sagt Patrick Groetzki, „und da war ich sicherlich nicht der Einzige.“ Um ihren Sieg im ersten Gruppenspiel der Handball-WM gegen Polen (29:26) halbwegs verarbeiten zu können, haben Deutschlands Nationalspieler am Abend nach der Partie ganz unterschiedliche Methoden gewählt. „Ein paar von uns haben Skat gespielt, andere sind bis tief in die Nacht von unseren Physiotherapeuten durchgeknetet worden“, berichtete Groetzki.

Mit der Muskelentspannung ist es am Sonntag allerdings auch schon wieder vorbei. Dann bestreitet die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson ihr zweites von fünf Vorrundenspielen. Gegner ist die vom langjährigen Bundesliga-Spieler Oleg Kuleschow trainierte russische Auswahl (17 Uhr deutscher Zeit, live bei Sky). „Oleg war einer der besten Spielmacher meiner Ära, ein sehr cleverer Typ“, sagt Sigurdsson über den russischen Coach, „ich erwarte eine hervorragend eingestellte Mannschaft.“

Vor dem Turnier galten die Russen als stärkster deutscher Vorrundengegner hinter Dänemark und Polen, „aber ich sehe sie stärker als die Allgemeinheit“, sagt Sigurdsson. Mit einem Sieg kann die deutsche Mannschaft vor den abschließenden Vorrundenspielen gegen Dänemark (20. Januar), Argentinien (22. Januar) und Saudi-Arabien (24. Januar) zumindest für zwei volle Tage die Tabellenführung in der Gruppe D übernehmen.

„Wir müssen fokussiert bleiben, eine gute Analyse des Gegners machen und so geschlossen spielen wie gegen Polen“, sagt Sigurdsson und begründet: „Russland ist in den letzten Jahren weggekommen vom Macho-Handball, sie spielen mittlerweile viel moderner und schneller.“ Kuleschows Vorgänger, der in Russland ebenso legendäre wie berüchtigte Wladimir Maximow, zeichnete sich in erster Linie durch seinen autoritären Führungsstil aus. Kuleschow hat, so berichten die Spieler geschlossen, für flachere Hierarchien gesorgt – und damit für eine wesentlich bessere Stimmung innerhalb der Mannschaft.

Ach ja, irgendwelche Verletzten oder Angeschlagenen im deutschen Team? Bundestrainer Sigurdsson beantwortete die Frage nonverbal – er klopfte drei Mal auf den Tisch.

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