Handball-WM : Krimi ohne Happy End

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft geht mit zwei Minuspunkten in die Hauptrunde ihrer Heim-Weltmeisterschaft. Das Spiel um den Sieg in der Vorrundengruppe C verloren die Deutschen gegen Polen.

Halle/Westfalen - Der Gastgeber verlor am Montag trotz großen Kampfes und lautstarker Unterstützung im westfälischen Halle gegen Polen mit 25:27 (12:14). Dadurch verschenkte der EM- Fünfte am Montag die ideale Ausgangsposition und muss nun mit der Hypothek von 0:2 Punkten in die zweite Turnierphase starten. Auftaktgegner ist am Mittwoch (17:30 Uhr/ARD) erneut in Halle der Erste der Gruppe A, Tunesien oder Slowenien.

Im ausverkauften "Hexenkessel" Gerry Weber Stadion mit 11.000 Zuschauern gab der am Vortag in einer Nacht- und Nebelaktion nachnominierte Christian Schwarzer vom TBV Lemgo nach 825 Tagen ein umjubeltes Comeback in der Nationalmannschaft. Der Kreisläufer ersetzte den wegen einer Wadenverletzung pausierenden Andrej Klimowets aus Kronau/Östringen.

Bester Werfer in der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) war an seinem 36. Geburtstag Kapitän Markus Baur (Lemgo/6/5). Nach einem bösen Foul sah der Kapitän allerdings in der 56. Minute die Rote Karte, so wie der Magdeburger Oliver Roggisch nach seiner dritten Zeitstrafe (51.). Für Polen trafen Karol Bielecki (Magdeburg/6) und Marius Jurasik (Kronau/Östringen/6) am besten.

Brand vertraute erstmals während des Turniers Johannes Bitter als Torhüter in der Startformation, der gemeinsam mit den Polen Bartosz Jurecki, Karol Bielecki und Grzegorz Tkaczyk unter deren Nationaltrainer Bogdan Wenta beim SC Magdeburg spielt. "Das ist eine Option. Auf der anderen Seite kennen die ihn natürlich auch sehr gut", hatte Brand vor übertriebenden Erwartungen gewarnt.

Bitter ausgewechselt

Seine Ahnungen bestätigten sich. Bitter bekam keinen Ball zu fassen und wurde in der 17. Minute gegen Stammtorhüter Henning Fritz (Kiel) zunächst wieder ausgetauscht. Doch nicht allein die Schlussleute fanden im ersten Durchgang nicht richtig in die Partie. Der robuste polnische Rückraum stellte die deutsche Abwehr immer wieder vor Probleme.

Im Angriff fand der Gastgeber oft kein rechtes Mittel gegen die aufmerksame und aggressive Deckung der Polen. An seinem 36. Geburtstag fehlte es dem vom Siebenmeterpunkt gewohnt zuverlässigen Spielmacher Baur an Esprit und Ideen, um das Bollwerk zu knacken. So wogte das Spiel hin und her. Der 5:4-Führung (10. Minute) der DHB- Auswahl folgte der 7:8-Rückstand (17.). Und in den Schlussminuten der ersten Halbzeit schien dem Hausherren das Spiel gänzlich aus den Händen zu gleiten.

Schwarzer kann Blatt nicht wenden

Auch Alt-Star Christian Schwarzer, der nach dem verlorenen olympischen Finale vor zweieinhalb Jahren eigentlich zurückgetreten war, konnte nach seiner Einwechslung in der 28. Minute nicht mehr verhindern, dass der EM-Fünfte zur Pause mit 12:14 hinten lag. Im zweiten Durchgang blieb die erhoffte Steigerung zunächst aus, weil die Abwehr viel zu passiv agierte. Polens Rückraumspieler und Rechtsaußen Jurasik trafen nach Belieben und hielten so die deutsche Mannschaft auf Distanz.

Doch die DHB-Auswahl bewies Kämpferqualitäten. Mit dem Mut der Verzweiflung und einem erstarkten Bitter im Tor jagte der Gastgeber den Polen ihren Vorsprung ab. Beim 22:20 (49.) führten Baur und Co. erstmals mit zwei Treffern und wurden vom Publikum schon frenetisch gefeiert. Doch in der hektischen Schlussphase drehten die Polen noch einmal auf und ließen der deutschen Mannschaft keine Chance. (Von Martin Kloth und Heinz Büse, dpa)

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