Handball-WM : Nur noch wenig Optimismus

Deutschlands Handballer verpassen durch ein 24:25 gegen Norwegen den vorzeitigen Einzug ins Halbfinale. Außerdem müssen sie ihren verletzten Kapitän Michael Kraus ersetzen. Für ihn ist die WM bereits beendet.

Erik Eggers[Zadar]

Als die Schlusssirene ertönt, stürmt Bundestrainer Heiner Brand auf die Schiedsrichter zu. Er fuchtelt mit den Armen, er will nicht glauben, was das Gespann Nenad Krstic/Peter Ljubic da gerade gepfiffen hat, und es sieht fast so aus, als wollte Brand auf die beiden Schiedsrichter einschlagen. Die letzten zehn Sekunden, die noch für einen Torwurf gereicht hätten, waren einfach abgelaufen, weil die Slowenen zweimal einen Einwurf Christian Schönes zurückgepfiffen hatten. So kam die deutsche Handball-Nationalmannschaft nicht zu dem Punkt, der zum Erreichen des Halbfinals gereicht hätte. Es blieb bei dem 24:25 (12:12) gegen die kampfstarken Norweger, der ersten Niederlage des Weltmeisters bei der WM in Kroatien.

Die Möglichkeit, ins Halbfinale einzuziehen ist noch nicht verspielt – doch die Chancen sind gesunken. Kapitän und Spielmacher Michael Kraus schied mit einem Außenbandriss im linken Knöchel in der 44. Minute aus und wurde ins Krankenhaus gebracht. Für ihn ist die WM beendet. Er fehlt damit auch im letzten Hauptrundenspiel am Dienstag gegen Europameister Dänemark, das die Deutschen gewinnen müssen, um ins Halbfinale einzuziehen.

„Die letzte Situation war sicher diskussionswürdig“, sagte Brand nach der Partie, als das Adrenalin wieder aus seiner Blutbahn gewichen war. „Die Chancen sind nicht gestiegen heute. Der Optimismus ist im Moment nicht in vollem Maße da, vielleicht kommt er morgen wieder.“ Die Spieler haderten mit sich und der Welt. „Das war ganz bitter“, sagte Kiels Linksaußen Dominik Klein kopfschüttelnd. Torhüter Silvio Heinevetter ergänzte: „Wir hatten das Glück nicht, das die Norweger hatten, das ist schade, aber es geht weiter.“ Der Magdeburger, der in der nächsten Saison für die Füchse Berlin spielen wird, bot eine starke Partie, nachdem die beiden ersten Torhüter der Deutschen tags zuvor, beim 35:35-Remis gegen Serbien, im ersten Spiel der Hauptrunde eine äußerst schwache Leistung geboten hatten. „Das war einfach zu wenig, wir konnten der Mannschaft nicht helfen“, sagte Johannes Bitter (HSV), der zusammen mit Carsten Lichtlein (Lemgo) nur vier Paraden verzeichnete. Silvio Heinevetter zeigte gegen die Norweger 17 Paraden.

Trotzdem schafften es die Deutschen in der ersten Hälfte nie, in Führung zu gehen. Mit dem 12:12-Pausenstand konnten sie das Spiel wenigsten offen halten können. In der zweiten Halbzeit lief es zunächst besser. Der Weltmeister zog mit 16:13 davon, doch die Norweger, bei denen der ehemalige Gummersbacher Torhüter Steinar Ege (19 Paraden) einen Glanztag erwischt hatte, konterten wieder. Die Partie wogte hin und her, als sich in der 44. Minuten die Schlüsselszene ereignete: Der Lemgoer Kraus wurde von von Stian Vatne gestoßen, kam unglücklich mit dem linken Fuß auf, knickte um und blieb beim Stand von 18:19 verletzt am Boden liegen. Nach langen Minuten wurde der Kapitän und Spielmacher der Deutschen aus der Halle gebracht.

Auch Pascal Hens (HSV) ist angeschlagen, wegen einer Oberschenkelverletzung, entweder einer Muskelverhärtung oder einer Zerrung, ist sein weiterer Einsatz bei der WM fraglich. Teamarzt Berthold Hallmaier kritisierte die medizinische Versorgung in Zadar: „Um einen Gipsverband mussten wir betteln, Krücken waren nicht zu bekommen. So etwas ist höchst fahrlässig.“ Kraus soll nun so schnell wie möglich nach Deutschland geflogen werden, damit dort eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden kann.

Zwar schwang sich die deutsche Mannschaft auch ohne ihren Spielmacher in den letzten 16 Minuten noch einmal zu einer Energieleistung auf, sie führte nach einem Trickwurf Kleins zum 22:20 (54.) sogar noch einmal mit zwei Toren; nach einer turbulenten Schlussphase aber musste sie sich geschlagen geben. Es hallten wütende Buh-Rufe gegen die Schiedsrichter durch die Halle in Zadar, während die Norweger sich für ihren Sieg feiern ließen und die deutschen Profis auf der Bank kauerten.

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