Handball WM-Qualifikation gegen Polen : Ein Deutscher gegen Deutschland

Polens deutscher Nationaltrainer Michael Biegler könnte die Handballer seines Heimatlandes um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2015 bringen.

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Zeichen und Sprache. Biegler hat keine Verständigungsschwierigkeiten, die meisten im polnischen Team sprechen Deutsch.
Zeichen und Sprache. Biegler hat keine Verständigungsschwierigkeiten, die meisten im polnischen Team sprechen Deutsch.Foto: dpa

Michael Biegler hatte von vornherein ein komisches Gefühl. „Eine halbe Stunde vor der Auslosung habe ich zu meiner Lebensgefährtin gesagt: Wir kriegen bestimmt Deutschland“, erzählt Biegler und lacht. Weil es dann ja genau so kam an diesem 26. Januar. Dem deutschen Handball-Nationalteam wurde für die Play-off-Spiele zur WM 2015 in Katar Polen als Gegner zugelost, ein alter Nachbar, Rivale – und betreut vom deutschen Trainer Michael Biegler. „Spontan habe ich gedacht: Das ist nicht gut für unseren Sport, weil beide Teams von der Leistungsstärke her einfach zu einer WM gehören“, sagt Biegler, „aber wir müssen die Situation jetzt einfach so hinnehmen.“ Im heutigen Hinspiel in Danzig (16.30 Uhr, ARD) hat seine Auswahl zunächst Heimrecht, das Rückspiel findet in einer Woche in Magdeburg statt.

Noch so eine Verbindung, in Magdeburg war der Rheinländer nämlich auch mal Trainer. Michael Biegler, 53, geboren in Leichlingen, ist viel herumgekommen in seiner Karriere, zwischen 1985 und 2013 arbeitete der Coach für zwölf verschiedene Bundes- und Zweitligisten. Unter anderem in Dormagen, Gummersbach, Minden, Göppingen, Wilhelmshaven und Leipzig. „In fast 30 Jahren“, sagt Biegler, „darauf lege ich großen Wert.“ Denn bisweilen eilt dem diplomierten Sportlehrer der Ruf des Feuerwehrmanns voraus. Dabei hat er nachgewiesen, sehr beständig arbeiten zu können: mit dem Wilhelmshavener HV schaffte er trotz überschaubaren Budgets vier Jahre den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga, in Wuppertal und Gummersbach baute er ebenfalls die Mannschaften auf, parallel war Biegler Ko-Trainer der deutschen Nationalmannschaft. „Ich hatte die Ehre, von solch großen Trainern wie Arno Ehret oder Heiner Brand lernen zu können“, sagt er, „von diesen Erfahrungswerten profitiere ich heute.“

Die EM 2016 in Polen ist Bieglers großes Projekt

Schaden kann das allemal nicht. In zwei Jahren, bei der Europameisterschaft im eigenen Land, erwarten die handballverrückten Polen von ihrem deutschen Nationaltrainer nicht weniger als ein Team, das um den Titel mitspielen kann respektive ihn auch holt. Die EM ist das große Projekt, für das Biegler vor knapp zwei Jahren gekommen ist, „und bislang sind wir auf dem richtigen Weg“, sagt er: Bei der letzten EM in Dänemark belegten die Polen einen ordentlichen sechsten Platz. Trotzdem sieht sich Biegler vor einer Gratwanderung. „Wir sollen ein Team für 2016 entwickeln, aber bis dahin dürfen wir nicht vergessen, gute Ergebnisse abzurufen“, sagt der Trainer. Zum Beispiel in den WM-Play-offs gegen den Nachbarn Deutschland.

Einen Vorteil besitzt der polnische Trainer im Vergleich zu seinem deutschen Kollegen Martin Heuberger allerdings. „Unabhängig vom Ausgang der Spiele habe ich die Gewissheit, dass ich auch danach relativ ruhig arbeiten kann“, sagt Biegler. Die Absprachen mit dem Verband seien klar, alles ist auf 2016 ausgerichtet, „und in diesem Zusammenhang hat man mir vom ersten Tag an großes Vertrauen entgegengebracht, das weiß ich sehr zu schätzen“, sagt Biegler. Womit noch die Frage zu klären wäre, wie er damals überhaupt Bundestrainer in Polen wurde. Die Geschichte passt nämlich so gut zu Michael Biegler, diesem rastlosen, bestens vernetzten Handball-Reisenden. „Ich bin ja noch als Lektor tätig und halte europaweit Vorträge für verschiedenste Verbände“, erzählt Biegler, „da kriegt man dann schon mit, welches Land gerade einen Nationaltrainer sucht.“ Also wandte sich Biegler selbst an den polnischen Verband, stellte sein Konzept vor – und wurde angestellt.

Und die Sprachbarriere? „Ich spreche zwar kein Polnisch, weil das wirklich kompliziert ist, aber das ist kein Problem.“ Der überwiegende Teil von Michael Bieglers Nationalteam hat lange in der Bundesliga gespielt – oder tut es noch immer.

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