Handball-WM : Rotieren gegen die Großen

Am Freitag beginnt in Spanien die Handball-WM. Frankreich, Dänemark und der Gastgeber gelten als stärkste Teams – die Deutschen spielen wohl nur eine Nebenrolle.

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Da geht's lang. Bundestrainer Martin Heuberger instruiert seine Spieler vor dem Turnierstart am Freitag. Morgen bestreitet die DHB-Auswahl ihr erstes WM-Vorrundenspiel gegen Brasilien.
Da geht's lang. Bundestrainer Martin Heuberger instruiert seine Spieler vor dem Turnierstart am Freitag. Morgen bestreitet die...Foto: dpa

Welche Teams zählen bei der Handball-WM zu den Favoriten? Und wie stark ist das deutsche Team? Ein Überblick:

FRANKREICH

Die Franzosen stellen das, worüber im Moment sonst nur die Spanier im Fußball verfügen: ein Jahrhundertteam. In der Equipe finden sich neben dem frisch gewählten Welthandballer Daniel Narcisse zwei weitere Akteure, die diese Auszeichnung bereits erhalten haben: Torhüter Thierry Omeyer (2008) und Spielmacher Nikola Karabatic (2007). Dieses Trio bildet mit Abwehrchef Didier Dinart das Gerüst jener Mannschaft, die seit Jahren den Welthandball dominiert. 2009 und 2011 gewann Frankreich die Weltmeisterschaft, 2010 die Europameisterschaft, darüber hinaus verteidigte die Mannschaft 2012 in London als erstes Männerteam in der Geschichte ihren olympischen Titel. Die Auswahl von Nationaltrainer Claude Onesta agiert zwar selten spektakulär, dafür ist das Team so eingespielt wie kaum ein anderes, was wiederum auch daran liegt, dass Onesta sein Amt bereits seit 12 Jahren ausübt. Es wird spannend sein zu beobachten, ob der Wettskandal in der heimischen Liga spurlos am stärksten Vorrundengegner der deutschen Mannschaft vorbeigegangen ist. Selbst Karabatic war darin bekanntlich verstrickt.

DÄNEMARK

Wenn eine Mannschaft den übermächtigen Franzosen zuletzt gefährlich geworden ist, dann der amtierende Europameister aus Dänemark. Trainer Ulrik Wilbek verfügt über ein individuell wie in der Breite exzellent besetztes Team, das sich zum einen aus Talenten wie Rasmus Lauge Schmidt oder Niklas Landin und zum anderen aus Superstars wie Mikkel Hansen oder Hans Lindberg vom HSV Hamburg zusammensetzt. Wilbek, der in den Neunzigern bereits EM, WM und Olympiagold mit den Handballerinnen des Landes gewann, würde mit einem WM-Erfolg endgültig nationalen Heldenstatus im handballverrückten Dänemark erlangen. Die Chancen dafür stehen auch deshalb gut, weil die Mannschaft im Gegensatz zu den in die Jahre gekommenen Franzosen ihre beste Zeit noch vor sich hat.


SPANIEN

Erfahrungsgemäß zählt der Gastgeber bei großen Handball-Turnieren immer zum Favoritenkreis. Auch diesmal ist die Erwartungshaltung an die Mannschaft von Nationaltrainer Valero Rivera Lopez groß, zumal Handball neben Fuß- und Basketball zu den populärsten Sportarten auf der iberischen Halbinsel zählt. Der letzte und bislang einzige WM-Erfolg liegt mittlerweile acht Jahre zurück. In dieser Zeit sind in der Liga Asobal, die neben der Handball-Bundesliga zu den stärksten der Welt zählt, neue Spieler gereift, die nun gemeinsam mit den Routiniers im Team nach dem Titel greifen. Neben dem frenetischen Publikum haben die Spanier einen weiteren Trumpf auf ihrer Seite: Sieben Spieler aus dem 15er-Kader tragen das Trikot des FC Barcelona. Zu den Stars im Team zählen neben Torhüter Arpad Sterbik die Brüder Alberto und Raul Entrerrios sowie Rechtsaußen Albert Rocas.

GEHEIMFAVORITEN
Traditionell zählen dazu die Teams aus dem ehemaligen Jugoslawien, wobei Kroatien und Serbien als besonders spielstark gelten. Für eine Überraschung, da sind sich die Experten einig, könnte auch Ungarn sorgen.


UND DIE DEUTSCHEN?

Abgesehen von Torhüter Silvio Heinevetter gibt es nach der Absage von Holger Glandorf und dem Ausfall Uwe Gensheimers (Achillessehnenriss) keinen wirklichen Star im Team. Deshalb sagt Martin Heuberger: „Wenn wir erfolgreich sein wollen, geht das nur über das Kollektiv.“ Der Bundestrainer hat einen individuell ausgeglichenen, merklich verjüngten Kader nominiert, in dem sechs Spieler stehen, die ihr erstes großes Turnier bestreiten. Deshalb darf zumindest bezweifelt werden, ob es eine feste Startformation überhaupt geben wird. Wahrscheinlicher ist, dass Heuberger an seinem Rotationsprinzip festhält, das er in der Vorbereitungsphase eingeführt hat. „Wir wollen die Vorrunde überstehen“, sagt Heuberger, „ab dem Achtelfinale wird dann ohnehin im K.-o.-Modus gespielt, da ist alles möglich“, ergänzt der Bundestrainer, der kürzlich noch einmal daran erinnerte, dass es „völlig utopisch wäre, wenn wir uns über Medaillenplätze Gedanken machen“.

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