Handball-WM : Spanien fühlt sich um Sieg betrogen

"Die WM ist für den Gastgeber gemacht": Am Tag nach dem Viertelfinal-Aus gegen Deutschland ist ganz Spanien erbost über die angeblich parteiische Schiedsrichterleistung. Schon kursieren Verschwörungsgerüchte.

Madrid/Köln - Die einen sprechen von "Raub" und "Diebstahl", die anderen sahen sich gar als die Opfer einer Verschwörung. Spaniens Handballer fühlen sich bei der Weltmeistermeisterschaft verschaukelt. "Die norwegischen Schiedsrichter ließen uns nicht einmal die Chance, das Spiel gegen Deutschland zu gewinnen", empörte sich Nationaltrainer Juan Carlos Pastor nach der 25:27-Niederlage des Weltmeisters im WM-Viertelfinale gegen das Team von Heiner Brand.

Die Norweger Kenneth Abrahamsen und Arne Kristiansen seien in der Schlussphase der Partie vor der Kulisse der 19.000 Fans in der Kölnarena regelrecht eingeknickt und zu Heimschiedsrichtern geworden. "Ich hätte ihnen mehr Mut zugetraut, denn in den vorigen Spielen hatten sie gut gepfiffen", meinte der spanische Coach.

"Das war der größte Diebstahl"

Seine Spieler konnten nach dem WM-Aus nicht einmal traurig sein über die gescheiterte Titelverteidigung. Sie kochten vor Wut und Empörung; denn sie fühlten sich betrogen. "Dies war der größte Diebstahl, den ich in meiner Karriere erlebt habe", empörte sich Torwart David Barrufet, der immerhin 245 Länderspiele auf dem Buckel hat.

Nach Ansicht der Spanier griffen die Schiedsrichter von der 51. Minute an, als der Weltmeister erstmals zum Stand von 23:23 ausgeglichen hatte, spielentscheidend in die Partie ein. "Gleich nach unserem Ausgleich gaben sie ein Stürmerfoul, einen Siebenmeter und eine Hinausstellung gegen uns", listete Pastor auf. "Damit haben sie uns fertig gemacht." Der spanische Coach argwöhnte gar, dass die Referees "auf Weisung von oben" gehandelt hätten und sein Team einer Verschwörung zum Opfer gefallen sei. "Die Deutschen mussten als WM-Gastgeber weiterkommen, und man wird sie noch weit bringen."

"Die WM ist für den Gastgeber gemacht"

Auch die spanische Presse vertrat die Ansicht, dass es beim Ausscheiden des Weltmeisters nicht mit rechten Dingen zuging. Das Sportblatt "Marca" titelte "Hände hoch!" und erhob den Vorwurf der Manipulation: "Die WM ist eine Montage. Sie ist für die Gastgeber gemacht." Das Konkurrenzblatt "As" schrieb: "Die Spanier haben den Weltmeistertitel nicht verloren. Er wurde ihnen gestohlen in einer schäbigen Art und Weise, die unvergessen bleibt."

Auch die seriösen Blätter sprachen von einem Skandal. "Es klingt wie eine billige Ausrede, die Schuld bei den Schiedsrichtern zu suchen. Aber es entspricht den Tatsachen, dass Spanien durch die Entscheidungen der Norweger das Halbfinale verpasste", schrieb die konservative Zeitung "ABC". "El Mundo" meinte: "Das norwegische Gespann zermalmte die Selección in den zehn Schlussminuten."

Auch das angesehene "El País" befand: "Nach Spaniens Ausgleichstreffer spielten die Referees eine entscheidende Rolle." Die Zeitung räumte allerdings ein, dass Deutschland den Sieg nicht allein den Schiedsrichtern verdankte. "Spanien erwischte einen schlechten Start und hatte zu viele Fehlwürfe." (tso/dpa)

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