Handball : Zukunft ohne Lommel

Wie erwartet trennt sich Handball-Bundesligist Füchse Berlin nach der Saison von seinem Trainer.

Hartmut Moheit
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Foto: promo/BregenzHandball

Berlin - Wer ganz genau hingehört hatte, der konnte sich schon am 4. November seinen Reim darauf machen. „Ich bin nur wegen des Büfetts hier“, sagte da Jörn-Uwe Lommel bei der Vorstellung des neuen Füchse-Torhüters Silvio Heinevetter für die neue Saison. Wie ernst es der Trainer des Berliner Handball-Erstligisten damit meinte, ist nun klar: Er wird Heinevetter – zumindest als Füchse-Trainer – nicht mehr trainieren. Das war ihm offensichtlich schon damals bewusst: Nach einem langen Gespräch mit Geschäftsführer Bob Hanning war bereits zu diesem Zeitpunkt klar, dass eine Vertragsverlängerung über das Saisonende hinaus nicht zustande kommen würde.

Nur die Frage nach dem Nachfolger war vor einem Monat noch offen. Seit gestern steht nun auch sein Name offiziell fest: Dagur Sigurdsson. Der 35 Jahre alte ehemalige isländische Nationalspieler, nach Aussage von Hanning „bis zur EM 2010 in Österreich weiterhin auch der Trainer des Nationalteams des Gastgebers“, wird zunächst für zwei Jahre verpflichtet. „Sigurdsson ist bereit, mit Frau und drei Kindern nach Berlin zu ziehen. Er passt somit hundertprozentig in unser Anforderungsprofil“, erklärt Hanning den Wechsel vor der neuen Saison.

Damit endet nach dem letzten Saisonspiel am 6. Juni 2009 bei den Füchsen Berlin eine vierjährige Zusammenarbeit mit Jörn-Uwe Lommel. Sie hatte praktisch beim Punkt null angefangen, kurz vor der Insolvenz des Vereins, und könnte in der Bundesliga zumindest im einstelligen Tabellenbereich noch ein erstes Hoch erleben. „Ich bin mir ganz sicher, dass die Nachricht vom Trainerwechsel sich nicht negativ auf das Team auswirken wird“, sagt Bob Hanning. „Im Gegenteil, der Trainer wird mit der Mannschaft alles versuchen, sogar noch in den Bereich der Europacupplätze zu kommen.“ Als Hauptgrund für die Trennung wird offiziell Lommels familiäre Situation, die zu lange Trennung von seiner in Minden lebenden Frau, genannt.

Doch das ist sicherlich nicht der einzige Grund dafür, dass Lommels sehr engagierte und auch fachlich fundierte Arbeit in Berlin keine Zukunft hat. Zuletzt fehlte ihm der nötige Rückhalt der Klubführung. Ein Grund dafür ist die angeblich oftmals unnachgiebige Art des Trainers, mit der er offensichtlich große Teile der Mannschaft gegen sich aufbrachte. So verstummten die Gerüchte nie, dass bereits ein Nachfolger gesucht werde. Die öffentlich genannten Namen wie die von Bundestrainer Heiner Brand oder dem in Kiel entlassenen Erfolgscoach Zvonimir Serdarusic machten seine gute Arbeit zusätzlich schwer. Lommel hatte sich immer wieder erklären müssen – selbst zu fragwürdigen Berichten darüber, dass er tunesischer Nationaltrainer werden würde, worauf ihm Hanning auffällig galant die Tür aufhielt und ihm „keine Steine in den Weg“ legen wollte. „Das geht an die Nerven, das macht langsam keinen Spaß mehr“, sagte Lommel deshalb manchmal.

Der Trainerwechsel ist auch ein weiterer Baustein in Hannings Plan, der als Ziel die Europacupteilnahme vorsieht. Es ist zu erwarten, dass mit Dagur Sigurdsson auch neue Spieler auf wichtigen Positionen zu den Füchsen kommen werden. Bob Hanning beobachtete am vergangenen Wochenende bei den Länderspielen der Isländer gegen Deutschland erneut Linkshänder Runar Karason, der ihm „im ersten Spiel gegen den Weltmeister recht gut“ gefiel. Aber auch seine Suche nach einem neuen Abwehrchef könnte erfolgreich gewesen sein. Vom Ex-Gummersbacher Sverre Andreas Jakobsson war der Füchse-Geschäftsführer sehr angetan. Beide Isländer passen sehr gut in das Anforderungsprofil, das Hanning für die Füchse erstellt hat. Island steht für attraktiven Handball, aber auch für Sportler, die mit großer Leidenschaft und meist ohne Star-Allüren ihrem Beruf nachgehen. Hanning betont: „Sie stehen auch für Nachhaltigkeit. Sie ersetzen ihre Stars mit Spielern aus den eigenen Reihen, und deshalb haben sie immer wieder neue Talente. Da wollen wir schließlich auch hin, nicht umsonst investieren wir so viel in den Nachwuchs.“ Sigurdsson jedenfalls freut sich schon auf seine Aufgabe bei den Füchsen: „Wenn man als Trainer so eine Möglichkeit bekommt, überlegt man nicht lange.“

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