Handball : Zwei Männer, ein Blick

Fernab jeglicher Euphorie hat Jörn-Uwe Lommel die neue Woche begonnen. Zumindest einen Grund zur Genugtuung hätte der Trainer der Füchse Berlin nach dem Erfolg in Minden gehabt, aber er sieht das anders.

Hartmut Moheit
071010lommel Foto: AFP
Füchse-Trainer Jörn-Uwe Lommel -Foto: AFP

Berlin„Welche Erkenntnis haben wir denn mitgenommen?“, fragt er nach dem ersten Auswärtssieg des Aufsteigers mit 30:26. Die Antwort darauf gibt der 49-Jährige selbst: „Dass es so geht, nur so.“ Lommel will damit ausdrücken, dass beim Erstligisten aus Berlin, der sich „im Ausbildungszustand befindet“, alle Beteiligten für den Klassenerhalt mehr an einem Strang ziehen sollten.

„Es geht nicht um den Einzelnen, es geht um das gesamte Projekt Erstliga-Handball in Berlin“, sagt auch Manager Bob Hanning. Animositäten, persönliche Befindlichkeiten und ähnlich destruktive Verhaltensweisen bekämpft er deshalb unnachgiebig, im internen Kreis. Hanning meint aber auch: „In der Medien- Hauptstadt Berlin, wo das Boulevardeske extrem stark vertreten ist, muss man auch schon mal die eine oder andere Schlagzeile aushalten können.“

Zuletzt war es der Name des Füchse- Trainers, der darin nicht sehr gut wegkam. Doch Hanning erklärt noch einmal unmissverständlich: „Lommel war wegen seiner fachlichen Kompetenz mein Wunschkandidat als Trainer. Er ist ein Mann mit internationaler Erfahrung, zuletzt als Nationaltrainer Ägyptens, der sich mit Leidenschaft für den Handball einsetzt.“ Dem widerspricht nicht, dass Hanning bei den Füchse-Spielen mit auf der Wechselbank sitzt. „Das war mein Wunsch. Es ist doch sehr hilfreich, ihn mit seinen Trainererfahrungen neben sich zu wissen“, sagt Lommel, während der Manager versichert: „Wenn Jörn das nicht möchte, dann bin ich nicht dort. Ich stehe nicht vor oder hinter ihm, ich stehe daneben.“ Hanning, der zuletzt Coach des HSV Hamburg war, fühlt sich an seine Zeit mit der Nationalmannschaft erinnert, als Heiner Brand das Sagen hatte, aber auch die Hinweise seines Kotrainers als wertvoll empfand.

Das Team hat damit ebenfalls keine Probleme. Einige darin aber wohl damit, dass Lommels Art manchmal sehr schroff, direkt und ihnen gegenüber respektlos herüberkommt. Die Gerüchte darüber gibt es schon lange. Diese Beurteilung wiederum versteht Kapitän Petr Stochl nicht. „Er will alles für uns machen, also fordert er von uns auch alles. Da kommt dann schon mal starker Druck auf, und es kann sein, dass der Trainer auch überzieht. Als Profis müssen wir damit umgehen können“, sagt der Torhüter aus Tschechien. Das Spiel in Minden habe den Beweis geliefert, dass mit einer professionellen Einstellung auf und außerhalb des Spielfelds die ersehnten Erfolge von den Füchsen erreicht werden können. Davon ist auch Jörn-Uwe Lommel, der seit 27 Jahren als Trainer arbeitet, überzeugt. „Zeit für Euphorie gibt es zum Saisonende“, sagt er.

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