Sport : Handball-Zweitligist Blau-Weiß Spandau ist kaum noch zu retten

Helen Ruwald

Die Geschichte des Berliner Männer-Handballs wird um ein trauriges Kapitel reicher. HC Blau-Weiß Spandau wird nach dem finanziellen Niedergang seine siebente Zweitliga-Saison kaum überleben. Der Schuldenberg soll in einem fünfstelligen Bereich liegen. Der Vorsitzende des Handball-Verbandes Berlin (HVB), Henning Opitz, sprach "von einem Sumpf", der sich den Wirtschaftsprüfern in den zurückliegenden Tagen bot. Zudem zog der Liga-Ausschuss des Deutschen Handball-Bundes (DHB) dem Zweitligisten wegen mehrerer Verfehlungen und der Nichterfüllung von Auflagen vier seiner bislang in der aktuellen Saison erkämpften zehn Punkte ab. Außerdem sprach der DHB-Liga-Ausschuss für Spandau eine Geldstrafe von 3000 aus, die allein schon eine fatale Auswirkung auf den Verein haben dürfte. Mit nur noch sechs Pluspunkten stehen die Blau-Weißen nun auch sportlich fast aussichtslos auf dem letzten Tabellenplatz. Die Hoffnung auf Rücknahme des Punktabzuges liegen nun auf dem Präsidenten des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, der sich für Spandau einsetzen will.

Die Misere Spandaus wird besonders mit dem ehemaligen Sportlichen Leiter Jürgen Kessling verbunden. Der Verein überließ dem 42-jährigen praktisch ohne Aufsicht die alleinige Verantwortung. Der dem Berliner Handball persönlich sehr stark verbundene Kessling verschuldete sich und den Verein in großem Ausmaß. Als er vor Weihnachten keinen Ausweg mehr sah, versuchte er sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben zu nehmen. Spandaus Vorsitzender Uwe Borck vermutete, "das Kessling seine privaten und dienstlichen Sachen nicht mehr auseinander halten konnte".

Finanzielle Probleme belasten den Verein seit Jahren schon, der auch in dieser Saison mit knapp 250 000 Mark einen Mini-Etat für die Verhältnisse in der Zweiten Bundesliga ausweist. 1996, als der Verein noch unter dem Namen "Blau-Weiß Körich" spielte, musste dieser einen Konkursantrag stellen, weil sein Schuldenberg auf 900 000 angewachsen war.

Unklar bleibt auf Grund des ungewissen Ausganges die für die kommende Saison angestrebte Zusammenarbeit zwischen Spandau und den Reinickendorfer Füchsen, die eine Spielgemeinschaft bilden wollten. Voraussetzung dafür war, dass der HC Blau-Weiß Spandau in der Zweiten Bundesliga bleibt. "Der Punktabzug war ein Anzeichen, dass bei Spandau Leichen im Keller liegen. Aber weil jetzt alle Unterlagen vorgelegt wurden hat das Gnadengesuch Chancen", meinte der stellvertretende Abteilungsleiter der "Füchse", Thomas Micheli.

Micheli gehe deshalb weiter von der Bildung einer Spielgemeinschaft ab der kommenden Saison aus: "Die Mannschaft von Blau-Weiß wusste schon lange über die Vorgänge Bescheid und hat sich entschlossen, zusammen zu bleiben, um den Abstieg zu vermeiden."

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