Handballer Hendrik Pekeler : Von der Hupe geweckt vorm Auswärtsspiel

Hendrik Pekelers Aufstieg zum Handball-Nationalspieler beinhaltete auch einen heftigen Absturz – am Donnerstag spielt er mit dem TBV Lemgo gegen die Füchse.

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Hier fliegt der Abwehrchef. Hendrik Pekeler im Nationaltrikot.
Hier fliegt der Abwehrchef. Hendrik Pekeler im Nationaltrikot.Foto: p-a/dpa

Am Samstag hat der Körper von Hendrik Pekeler mal wieder Warnsignale gesendet. Im allgemeinen Trubel nach der Schlusssirene wäre das beinahe untergegangen, denn das Bundesliga-Spiel zwischen dem TBV Lemgo und der TSG Friesenheim (32:32) wird wohl erst vor einem Sportgericht entschieden. Strittig ist, ob der Ausgleich in der regulären Spielzeit erzielt wurde oder nicht. „Das habe ich in der Form auch noch nicht erlebt“, sagt Pekeler. Trotzdem hatte der Lemgoer Handballer zunächst ganz andere Sorgen.

„Mein Knie hat ziemlich geschmerzt“, sagt Pekeler, „und wenn wir nicht mitten im Abstiegskampf wären, würde ich mir jetzt vier, fünf Wochen Zeit nehmen, um die Verletzung vernünftig ausheilen zu lassen.“ Kann er aber nicht, weil die Lemgoer vor ihrem Bundesliga-Spiel am Donnerstag bei den Füchsen Berlin (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle) nur einen Punkt Vorsprung auf Tabellenplatz 16 aufweisen. Für den gesunden Menschenverstand ist bisweilen eben kein Platz im Profisport. Pekeler spielt auch heute angeschlagen, wider besseren Wissens. Andererseits sagt diese Geschichte auch einiges aus über den inzwischen 23-Jährigen Handballer.

Pekeler hat mittlerweile gelernt, sich für den Erfolg zu quälen und die eigenen Befindlichkeiten hinten anzustellen. „Abwehrarbeit hat im Handball viel mit Willen zu tun“, sagt der 2,03-Meter-Mann, „und ich habe da richtig Bock drauf.“ Mit welch großer Leidenschaft er in seinem Zuständigkeitsbereich zu Werke geht, war kürzlich auch bei der WM in Katar zu beobachten. Da bildete Pekeler mit Patrick Wiencek vom THW Kiel jenen Teil der Nationalmannschaft, der in der Analyse gemeinhin als Grundlage des Erfolgs ausgemacht wurde: den Mittelblock, quasi das Epizentrum der Verteidigungskunst. Unter Ex-Bundestrainer Martin Heuberger ist Pekeler langsam an diese Aufgabe herangeführt worden, unter Bundestrainer Dagur Sigurdsson gelang ihm endgültig der Aufstieg zum Nachfolger des langjährigen Abwehrchefs Oliver Roggisch.

Vor fünf Jahren deutete alles und nichts auf eine derartige Entwicklung hin. Hendrik Pekeler galt als größtes Kreisläufer-Talent seiner Generation und war im Alter von 18 Jahren folgerichtig beim deutschen Branchenführer THW Kiel gelandet. Ausgestattet mit einem Zweitspielrecht für den TSV Altenholz sollte er Einsatzminuten in der zweiten Liga sammeln – ein durchaus übliches Modell für talentierte Nachwuchshandballer. Nach der ersten Saison wurde Pekeler allerdings in die zweite Mannschaft des THW Kiel beordert, die in der Regionalliga spielt. „In Kiel war man damals der Ansicht, der Unterschied zwischen zweiter und dritter Liga ist nicht so groß und für meine Entwicklung auch nicht schädlich“, sagt Pekeler, „ich habe das damals aber als Schlag ins Gesicht empfunden.“ Ein Schlag, der sich überaus negativ auswirken sollte auf den jungen Mann aus Itzehoe.

Pekeler trieb sich viel in Bars und auf Partys herum

Pekeler fiel vor allem neben dem Handballfeld auf. „Ich hatte die falschen Freunde und habe die falschen Dinge getan“, sagt er heute. Immer häufiger trieb er sich in den Bars der Stadt oder auf Partys herum, brach seine Lehre zum Bankkaufmann ab, verstrickte sich in Notlügen. Einmal verschlief er die Abfahrt für ein Auswärtsspiel in der Champions League und wurde erst von der Hupe des Mannschaftsbusses geweckt, der schon vor seiner Wohnung wartete. Kiels Trainer Alfred Gislason, ein Disziplinfanatiker, sah sich das nicht lange mit an und schickte Pekeler zum Zweitligisten Bergischer HC. Der unfreiwillige Umweg sollte sich als richtige Entscheidung für den talentierten Kreisläufer erweisen.

In Wuppertal kehrte für Pekeler wieder der Spaß an seinem Sport zurück, zeigte beständig gute Leistungen und empfahl sich erneut für einen Bundesligisten, den TBV Lemgo. Kaum in Lemgo angekommen, stand der Traditionsklub vor der Insolvenz, die er grad noch abwenden konnte.

„Für einen Spieler in meinem Alter habe ich schon ganz schön viel mitgemacht“, sagt Pekeler, „das erleben andere in der ganzen Karriere nicht.“ Offenbar ist Pekeler gerade auf dem richtigen Weg: Zur neuen Saison wird er zu den Rhein-Neckar Löwen nach Mannheim wechseln, der aktuell zweiten Kraft im deutschen Handball – und zugleich größter Bundesliga-Konkurrent des THW Kiel. Gut möglich, dass das bei Hendrik Pekelers Entscheidung zu wechseln eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt hat.

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