Sport : Handballerin Ingrida Radzeviciute wirft jetzt für Deutschland

Peter Juny

Ingrida Radzeviciute hat große Pläne mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft. "Ich will mein Bestes geben und mit dem DHB-Team eine WM-Medaille holen. Die Mannschaft hat das Zeug dazu", sagt die gebürtige Litauerin mit deutschem Pass. "Ich träume schon von den Olympischen Spielen 2000 in Sydney", fügt die 25-jährige Bankkauffrau vom Deutschen Meister HC Leipzig hinzu. Seit Dienstag ist sie für Deutschland spielberechtigt und kann bei der Weltmeisterschaft in Norwegen und Dänemark eingesetzt werden. Bedenken wegen fehlender Spielpraxis zerstreute Bundestrainer Lothar Doering vor dem Auftaktspiel nach Redaktionsschluß gegen Argentinien: "Ingrida ist spielerisch so stark, da gibt es keine Integrationsprobleme." Bei allen Lehrgängen der Nationalmannschaft unter dem neuen Coach war die Rechtshänderin dabei und kam auch schon in den Testspielen gegen die Bundesligavereine zum Einsatz. "Ich bin überall einsetzbar, nur nicht im Tor", stellt Radzeviciute ihre Vielseitigkeit heraus. Im linken Rückraum als Alternative zur sprungwurfstarken Renate Hodak-Maier sind ihre Qualitäten als dynamische und trickreiche Angreiferin gegen offensive Deckungsreihen gefragt.

Knapp drei Jahre musste Ingrida Radzeviciute auf ihr Debüt in der deutschen Mannschaft warten. Für Litauen hat die am 31. Oktober 1974 in Vilnius geborene Blondine 65 Länderspiele absolviert und bei der WM 1993 sowie der EM im Dezember 1996 mitgewirkt. Darum musste die Internationale Handball-Föderation (IHF) die übliche Sperre von drei Jahren um einige Tage verkürzen, denn eigentlich hätte sie erst nach der WM für Deutschland spielen dürfen.

Die 1,75 m große Rückraumspielerin, die fünf Sprachen spricht, kam vor fünf Jahren nach Leipzig und ist schon lange eine feste Größe beim deutschen Meister von 1998 und 1999 sowie DHB-Pokalsieger 1996. "Ich bin inzwischen eine richtige Leipzigerin und will nicht mehr weg", sagt sie. Und plagt sie einmal Heimweh wie in der Anfangszeit, dann reist sie zur Familie nach Vilnius.

Das sportliche Talent haben ihr die Mutter, eine ehemalige Leichtathletin, und der Vater, ein früherer Autorennfahrer, vererbt. Ihr ehemaliger Verein Egle Vilnius ist weit über die Landesgrenzen für seine gute Arbeit im Frauen-Handball bekannt und war 1988 IHF-Pokalsieger. Seitdem die Grenzen durchlässiger geworden sind, haben sich viele Spielerinnen von dort westeuropäischen Vereinen angeschlossen. Auch Rasa Sulskyte (Dortmund) spielte früher für Vilnius und hat schon 70 Einsätze für Litauen und 27 für die ehemalige UdSSR absolviert.

Die Frauen-Bundestrainer haben im letzten Jahrzehnt mehrfach auf Spielerinnen zurückgegriffen, die aus Ungarn, Rumänien, Polen und Litauen stammen. Besonders auf der Position im linken Rückraum waren sie gefragt: Die Rumänin Elena Leonte (Mainzlar) war bei den Olympischen Spielen 1992 dabei. Die Polin Renate Zienkiewicz (Bremen) gehörte zum Team, das 1993 in Oslo unter Doering Weltmeister wurde und ein Jahr später EM-Zweiter. Miroslava Ritskiavitchius (Lützellinden), eine Landsfrau von Radzeviciute und vor zwei Jahren mit den DHB-Frauen WM-Dritte, spielte auch auf dieser Position.

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