Sport : Hannawald nimmt Abschied

Benedikt Voigt

Oberstdorf - Wenn Wolfgang Steiert die Zusammenarbeit mit Sven Hannawald beschreiben soll, legt der Skisprungtrainer beide Handkanten auf den Tisch. Das Training mit diesem sensiblen Athleten, soll diese Geste veranschaulichen, sei wie ein komplizierter Hausbau gewesen. „Wenn du das Haus richtig zusammensetzt, liegst du ganz vorne“, sagt Steiert und grinst verschmitzt. „Aber das Haus ist auch schnell zusammengebrochen.“ Ein Raum aber steht noch. „Hier war immer mein Wohnzimmer“, sagte Sven Hannawald gestern, als er nach dem ersten Durchgang des Auftaktspringens der Vierschanzentournee im Auslaufraum der Schattenbergschanze stand. Der in diesem Sommer zurückgetretene Skispringer ist bei dieser Gelegenheit vom Präsidenten der Vierschanzentournee offiziell verabschiedet worden. „Vielen Dank für alles“, sagte Dietmar Hemerka. Tatsächlich schuldet die Sportart Skispringen dem 31-Jährigen großen Dank. Als bisher einzigem Athleten ist es Hannawald vor vier Jahren gelungen, bei einer Tournee alle vier Springen zu gewinnen.

Hannawald hat das Skispringen in neue Höhen gehoben. Der Fernsehsender RTL feierte bei seinem entscheidenden Sprung in Bischofshofen mit 14,89 Millionen Zuschauern eine einsame Rekordquote für diese Sportart. Spätestens seit Hannawald im Frühjahr 2004 am Erschöpfungssyndrom erkrankte und im Sommer seinen Rücktritt bekannt gab, lässt auch das Interesse am Skispringen wieder nach.

Auf den Menschen Sven Hannawald wartet jetzt eine womöglich noch schwierigere Aufgabe, als vier Springen bei einer Tournee zu gewinnen. Er muss einen neuen Platz im Leben finden. „Ich bin im Wechsel“, sagte er , „es fehlt etwas, aber das Leben geht weiter.“ Der ARD dient er als Experte für das Skispringen. Hannawald scheint ein einsames Leben zu führen, in dem sein Hund Achilles offenbar der Mittelpunkt geworden ist. Der Kurort Oberstdorf überreichte ihm gestern einen Gutschein für eine Woche Urlaub, für zwei Personen. Sven Hannawald fragte: „Darf ich auch meinen Hund mitnehmen?“ Er darf.

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