Hannover 96 : Erst gedemütigt, dann bejubelt

Mike Hanke und Jan Schlaudraff haben schwierige Zeiten in Hannover hinter sich. Nun reüssieren sie bei den 96ern.

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Mike Hanke
Mike HankeFoto: AFP

Hannover - Statt Lobeshymnen gab es ziemlich harte Worte. „Die beiden machen ihren Job, wie man das erwartet. Dafür werden sie bezahlt“, sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke. Die beiden, das sind Jan Schlaudraff und Mike Hanke – zwei Stürmer im Team von Hannover 96, die es zurück ins Rampenlicht geschafft haben. Schlaudraff gehörte beim 3:0 (1:0)-Heimsieg der Niedersachsen gegen den SC Freiburg zu den besten Hannoveranern. Nach einem Treffer und einer Vorlage hätte der 27-Jährige allen Grund gehabt, sich öffentlich auf die Schulter zu klopfen. Aber weil Schlaudraff nicht vergessen hat, wie kritisch ihn Schmadtke und 96-Trainer Mirko Slomka betrachten, beließ er es bei vorsichtigem Eigenlob. „Ich habe hier nie aufgesteckt und mir nichts zuschulden kommen lassen“, sagte der Stürmer.

Schlaudraffs Geschichte ist eng mit der Geschichte eines Vereins verbunden, der lange Zeit geglaubt hat, sich mithilfe von viel Geld ein wenig Ruhm einkaufen zu müssen. Der Preis dafür, dass Schlaudraff im Sommer 2008 vom FC Bayern zu den Niedersachsen gewechselt ist, war ein bis 2012 gültiger Arbeitsvertrag, der ihm ein monatliches Grundgehalt von 125 000 Euro sichert. Der Verein hat aus dieser Summe nie ein Geheimnis gemacht, weil man damit dokumentieren konnte, in welch krassem Gegensatz Lohn und Leistung im Fall Schlaudraff oft stehen. „Ich war heute überwiegend zufrieden mit Jan. Was er gezeigt hat, halte ich bei einem Spieler mit seinen Qualitäten aber für normal“, sagte Slomka. Man hat schon deutlich schönere Dankesreden gehört.

Slomka ist etablierten Spielern wie Schlaudraff und Hanke, wenn ihre Laufleistung im Training wieder einmal bescheiden ausgefallen war, tüchtig auf die Füße getreten. Dass ehemalige Nationalspieler an die Regionalligareserve abgegeben werden oder nur auf der Tribüne sitzen, kann man als Demütigung verstehen. Hanke, der in der Partie gegen Freiburg wie schon gegen den HSV als Einwechselspieler ein Tor erzielte, kommt mit seiner Degradierung nicht zurecht. Über seinen Treffer kurz vor dem Abpfiff konnte sich der bullige Angreifer nicht freuen. „Ich bin nicht zufrieden. Wir werden uns unterhalten müssen“, sagte Hanke und kündigte damit an, dass er sich im Sommer einem neuen Verein anschließen will, der seine Fähigkeiten vielleicht mehr zu würdigen weiß.

Was Hanke ärgert und frustriert, scheint Schlaudraff herauszufordern. Er weiß, dass er einen so lukrativen Vertrag wie in Hannover angesichts seiner zuletzt dürftigen Referenzen nicht so schnell wieder vorgelegt bekommen wird. Deshalb kämpft er um seine Chance bei 96 – und um seinen Ruf. „Ich fühle mich wieder als Teil dieser Mannschaft“, sagte Schlaudraff. Hannovers Präsident Martin Kind hatte sich im Ärger über Schlaudraffs mangelndes Engagement sogar zu der Aussage hinreißen lasen, der Angreifer werde nie mehr für 96 spielen. Sportdirektor Schmadtke will davon nun nichts mehr wissen: „Wer hier einen Vertrag hat, der hat auch eine Perspektive.“ Christian Otto

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