Hannover 96 : Pikante Sitzordnung

96-Trainer Bergmann bekommt Aufpasser zur Seite: Seinen Assistenten Dirk Bremser und Sportdirektor Jörg Schmadtke. Dass Letzterer künftig regelmäßig in der ersten Reihe Platz nehmen will, ist kein Zufall.

Christian Otto[Hannover]
Hannover 96 - TSG 1899 Hoffenheim
Der Interimstrainer darf bleiben. Andreas Bergmann war zuletzt Nachwuchskoordinator.Foto: ddp

Damit sich Andreas Bergmann so richtig wohlfühlt, haben sie ihm ein neues Sofa hingestellt. Der neue Mann auf der Trainerbank von Hannover 96, überraschend vom Interimscoach zur Dauerlösung aufgestiegen, darf bis zum Saisonende bleiben. Und der 50-Jährige muss sich an eine pikante Sitzordnung gewöhnen. Das neue Möbelstück, für die Heimspiele an der Seitenlinie platziert, bietet nämlich drei Herren Platz: Bergmann, seinem Assistenten Dirk Bremser und Sportdirektor Jörg Schmadtke. Dass Letzterer künftig regelmäßig in der ersten Reihe Platz nehmen will, ist kein Zufall. Bergmann, der Trainer-Novize in der Fußball-Bundesliga, bekommt Schmadtke als Helfer und Aufpasser an seine Seite.

Es ist ein weißes Sofa mit Ecken und Kanten, vom dem aus Bergmann für mehr Spaß und Erfolg bei Hannover sorgen soll. Dass ein Mann, dessen größter Erfolg als Trainer bisher eine Aushilfsanstellung in der Dritten Liga beim FC St. Pauli war, den Vorzug vor illustren Kandidaten wie Lothar Matthäus, Mirko Slomka und Thomas Doll erhält, mag verblüffen. Aber Präsident Martin Kind hat bei seiner Entscheidung, die er als Mixtur aus Wunsch- und Vernunftlösung bezeichnet, nicht nur auf das unglückliche 0:1 gegen die TSG Hoffenheim geschaut. Der mächtige Mann an der Spitze eines klammen Vereins hat sich für eine Billiglösung mit geschätzten 20 000 Euro als Monatsgrundgehalt entschieden und offenbar sogar auf die Spieler gehört. „Der entfacht hier Feuer“, sagt Mittelfeldspieler Hanno Balitsch, einer der größten Kritiker von Bergmanns Vorgänger Dieter Hecking. Sie wollen es mit einem Trainer versuchen, der laute Töne eher meidet. Trainingshütchen benutzt Bergmann nicht nur als Wegweiser für Quälereien, sondern gerne auch als Megafon mit Lacheffekt.

Als Spieler hat Bergmann es bis in die höchsten Amateurklassen geschafft. Als Trainer war er unter anderem Jugendkoordinator des Karlsruher SC und in Hannover zuletzt U-23-Coach sowie Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Jetzt bekommt es der ergraute Fußballlehrer mit Profis zu tun, die unter Hecking entweder phlegmatisch agierten, ständig verletzt waren oder als schwer erziehbar galten. „Ich liebe den modernen, aktiven Fußball“, sagt Bergmann über sich und seine Philosophie, die nicht altbacken, aber auch nicht bahnbrechend modern ist. Die Lust auf Leistung bei Spielern zu wecken, die wie Mike Hanke für ein hohes Gehalt eine geringe Laufbereitschaft zeigen, wird eine spannende Aufgabe.

Bergmann gibt sich zunächst als Kumpel, der lieber T-Shirt als Krawatte trägt. Seine Ansprachen vor den Spielen wurden vom Konferenzraum im stadionnahen Hotel in die Umkleidekabine verlegt. Es gefalle ihm, sagt er, wenn es an seinem Arbeitsplatz nach Schweiß rieche.

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