Hannover - Bayer 1:6 : Gomez und Pizarro treffen doppelt

Die Bayern lassen sich von den Ermittlungen gegen Uli Hoeneß nicht beeindrucken und gewinnen in Hannover mit 6:1. Claudio Pizarro und Mario Gomez bewerben sich mit je zwei Toren für einen Platz in der Startelf gegen Barcelona.

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Zwei Tore und zwei Vorlagen: Claudio Pizarro (r.) ist für einen Einsatz gegen Barcelona bereit.
Zwei Tore und zwei Vorlagen: Claudio Pizarro (r.) ist für einen Einsatz gegen Barcelona bereit.Foto: dpa

Das starke Leistungsgefälle bescherte ihm immer wieder diese unschöne Hauptrolle. Ron-Robert Zieler, der ebenso besonnene wie ehrgeizige Nationaltorhüter in Diensten von Hannover 96, war ständig vergeblich gehechtet und gesprungen. Nach gerade einmal 25 Minuten stand bereits fest, dass seine Begegnung mit dem FC Bayern München kein schönes Erlebnis mehr werden konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der neue deutsche Meister schon zwei Tore geschossen und zweimal die Latte getroffen. Die Münchener überließen bei ihrer Generalprobe für das Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona am Dienstag nichts dem Zufall. Ein Eigentor von Lars Stindl (16. Minute), das Bayern-Profi David Alaba mit einer scharfen Hereingabe provoziert hatte, und das 0:2 (23.) von Franck Ribery hatten ihnen den Weg zu einem ungefährdeten 6:1 (3:0)-Auswärtssieg geebnet, der alle im Stadion beeindruckte.

 Die Verunsicherung im Team von Hannover 96 war verständlicherweise groß. Erst wusste die Mannschaft um Kapitän Steven Cherundolo, nachdem in dieser Woche mit dem entnervten Jörg Schmadtke der Geschäftsführer abhanden gekommen war, nicht genau, mit welchen Bayern-Profis sie es eigentlich zu tun bekommt. Und dann machte sich große Ratlosigkeit breit, wie man das Münchener Team mit so manchem aufgebotenen Reservisten eigentlich stoppen sollte. Bayern-Cheftrainer Jupp Heynckes hatte seinen Stammspielern Dante, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger eine schöpferische Pause gegönnt und sie erst gar nicht in seinen Kader berufen. Im Sturm durfte Mario Gomez, auf dem Weg in das Pokalfinale beim jüngsten 6:1-Erfolg über den VfL Wolfsburg der überragende Angreifer, an der Seite von Claudio Pizarro von Beginn an sein Können zeigen. Es war der überragende Pizarro, der im Vergleich zu Gomez die bessere Akzente setzen konnte, unter anderem das vorentscheidende 0:2 durch Ribery mit einem wunderbaren Pass in die Tiefe vorbereitet und das 0:5 (71.) sowie 1:6 (86.) selbst erzielt hatte. Der 34-Jährige narrte seine Gegenspieler nach Belieben und war der Spieler, der am meisten Applaus bekam.

 Das Hoffen und Daumendrücken jener Fans unter den 49 000 Zuschauern im Stadion, die tatsächlich an ein Fußball-Wunder geglaubt hatten, war ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. Zwei Szenen in der 1. Halbzeit hatten signalisiert, dass man den FC Bayern am besten mit schnellen Angriffen und scharfen Hereingaben von den Außenpositionen ärgern kann. Jan Schlaudraff, der frühere Bayern-Profi und Ex-Nationalspieler im Trikot von Hannover 96, wusste das zu nutzen. Aber seine Vorlagen waren für den Senegalesen Mame Diouf nicht zu erreichen. Es war einem Fehler von Nationaltorhüter Manuel Neuer zu verdanken, dass Hannover 96 wenigstens noch zum Ehrentreffer durch Andre Hoffmann (1:5/85.) kam. Er hatte einen Freistoß von Christian Pander nicht festhalten können und wurde für dieses Missgeschick prompt bestraft. 

 Das kleine Aufbegehren, das sich das gegen herkömmliche Gegner heimstarke Hannover 96 getraut hatte, war schon mit der Halbzeitpause beendet. Eine weitere traumhafte Vorlage von Pizarro, die Gomez in der 40. Minute zum 0:3 verwerten konnte, hatten für klare Verhältnisse gesorgt. Für das 0:4 (62.) war Gomez wieder zuständig und wurde danach gleich ausgewechselt. Der Gastgeber hatte sogar noch Glück, dass sich Bayern-Star Ribery einen Anfall von Hochnäsigkeit erlaubte. Anstatt den Ball gleich ins Tor zu schießen, wollte er Mitte der 1. Halbzeit zu einem kleinen Tänzchen um 96-Schlussmann Zieler herum ansetze und scheiterte damit. Ein Moment wie dieser sollte die einzige kleine Schwäche einer Mannschaft bleiben, die vermeintlich ersatzgeschwächt angetreten war und ihren Kontrahenten doch der Lächerlichkeit preisgegeben hatte.

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