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Hannover - Bayern 2:1 : Hannover stoppt die Bayern

Zwei Dummheiten und ein halbes Eigentor haben die Siegesserie der Bayern und die Serie ohne Gegentor von Manuel Neuer gestoppt.

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Wie schon im vorigen Jahr gelingt Hannover 96 ein Heimsieg gegen die Bayern.
Wie schon im vorigen Jahr gelingt Hannover 96 ein Heimsieg gegen die Bayern.Foto: dpa

Hannover schlägt den FC BayernTrainer Jupp Heynckes träumt gerade von den besten Bayern aller Zeiten, aber am Sonntag Nachmittag waren sie nicht  gut genug für Hannover 96. Fünf Tage nach dem sanften Rückschlag  in der Champions League beim SSC Neapel gab es einen ganz heftigen in der Bundesliga. Vor 49 000 Zuschauern in der ausverkauften Hannoveraner Arena unterlag der FC Bayern München 1:2 (0:1). Mohammed Abdellaoue und Christian Pander schossen die Tore für 96, das die Bayern schon vor einem halben Jahr daheim besiegt hatte. In einer dramatischen Schlussphase zeigten die Bayern Charakter: Dem eingewechselten David Alaba gelang der Anschlusstreffer, und dann traf Bastian Schweinsteiger kurz vor Schluss auch noch den Pfosten. „Wir haben immensen Laufaufwand betrieben, nur so geht das gegen die Bayern“, sagte Hannovers Trainer Mirko Slomka. „Aber am Ende hatten wir auch ein bisschen Glück.“

Die Hannoveraner feierten ihre Torschützen Mohammed Abdellaoue und Christian Pander oder den großartigen Torhüter Ron-Robert Zieler. Uli Hoeneß dagegen wählte einen ganz anderen zum Hannoveraner des Spiels. Auszüge einer der rar gewordenen Wut-Reden des Bayern-Präsidenten: „Das ist eine Schande. Der Mann gehört nicht auf den Fußballplatz, sondern zur Oscar-Verleihung nach Los Angeles. Er hat das ganze Spiel gekippt durch seine Unsportlichkeit. Ich weiß nicht, wie der heute Nacht ruhig schlafen kann!“

Gemeint war Sergio Pinto, dessen spektakulären Sturz nach einem Kontakt mit Rafinha nach einer halben Stunde die Münchner zur Ursache als Übels machten. Ja, vielleicht war es eine Schwalbe, allerdings an der Außenlinie, weit entfernt von den entscheidenden Zonen des Spiels. Was aber hatte den gänzlich unbeteiligten Jerome Boateng dazu veranlasst, im höchsten Tempo aus dem Abwehrzentrum zum Tatort zu eilen und dort wie eine Furie brüllend und rempelnd auf alles loszugehen, was rote Trikots trug?

Schiedsrichter Manuel Gräfe beriet sich kurz mit seinem Assistenten und dem Vierten Offiziellen. Beide hatten beste Sicht und rieten Gräfe offenbar zu einer Entscheidung: Hannovers Christian Schulz bekam die Gelbe Karte, Boateng flog mit Rot vom Platz und wird sich dafür, ungeachtet aller üblichen öffentlichen Solidaritätserklärungen, im Kollegenkreis noch einiges anhören dürfen. „Da hat er nichts zu suchen“, gab auch Jupp Heynckes zu. „Es wäre schon besser, wenn ein Innenverteidiger in so einer Situation auf seinem Platz bleibt. Aber ich als ehemaliger Fußballspieler hätte da gar keine Karte gezeigt. Aber immerhin hat Schulz angefangen. Warum bekommt der nur Gelb?“

Nun soll allerdings nicht unterschlagen werden, dass die Münchner zum Zeitpunkt ihrer Dezimierung schon 0:1 zurücklagen. Es war nämlich die eigentliche Erkenntnis des Spiels, wie viel die zuletzt als nahezu unverwundbar geltende Münchner Abwehr gegen einen keineswegs übermächtigen Gegner zuließ. Zuvor hatte sich Manuel Neuer in der Bundesliga und in der Champions League nur durch ein halbes Eigentor (er selbst gegen Mönchengladbach) und ein ganzes (Holger Badstuber in Neapel) bezwingen lassen. In Hannover nun war zu bestaunen, dass es auch anders geht. Am linken Strafraumeck senste Philipp Lahm im Duell der Außenverteidiger den Hannoveraner Steve Cherundolo um, eher ungeschickt als böswillig, aber auch ungeschickte Fouls werden im Strafraum nun mal mit  Elfmeter geahndet. Abdellaoue verwandelte zum 1:0.

Schon nach diesem Rückstand büßten die Bayern vorübergehend alle Souveränität ein.  Boatengs Platzverweis war das auffälligste Symptom. Die tiefer gehende Wirkung dieser Szene war, neben der numerischen Unterlegenheit, die psychologische Botschaft. Die Bayern offenbarten ihrem Gegner, dass sie eben doch verwundbar sind und  ihr neues Selbstwertgefühl doch noch sehr brüchig ist. Das wiederum beflügelte die Hannoveraner. Immer wieder entwischte Abdellaoue der Münchner Defensive. Kurz vor der Pause ließ er den armen Holger Badstuber auf dem linken Flügel stehen und  legte auf für Lars Stindel, der aus Nahdistanz nur ganz knapp das zweite Tor verpasste.

Das Münchner Spiel litt daran, dass Mario Gomez das Glück fehlte, das ihn in dieser Saison sonst so zuverlässig seine Schritte und Schüsse lenkt. Viermal kam der Nationalspieler frei vor dem Tor den Ball. Beim ersten Mal parierte Ron-Robert Zieler seinen Kopfball, dann drosch er ihn nach Müllers Flanke in die Wolken und scheiterte zu Beginn der zweiten Halbzeit binnen drei Minuten zweimal an Zieler. Aus Münchner Sicht war es tragisch, dass unmittelbar nach Gomez’ viertem Fehlversuch eine Hannoveraner Nicht-Chance zum 2:0 führte. Christian Panders Schuss hätte Manuel Neuer ein Lächeln gekostet. Er war schon unterwegs in die linke Ecke, als sein Verteidiger Luiz Gustavo den Fuß ausfuhr  und den Ball zielsicher in die rechte Ecke abfälschte. Kurz darauf hätte Stindel den Münchner Rückstand in die Höhe eines Debakels erheben können, aber er traf nur den Pfosten.

Es wurde dann  noch einmal spannend werden können, als Cherundolo nach einer guten Stunde mit Gelb-Rot den Platz verlassen musste. Alaba traf zum Anschluss,  Heynckes brachte die Stürmer Ivica Olic und Nils Petersen. Bayern stürmte, Zieler lenkte Schweinsteigers Drehschuss an den Pfosten, im Anschluss daran reklamierten die Bayern nach einer Attacke gegen Lahm auf Elfmeter, aber Gräfes Pfeife blieb stumm. Ein Freistoß von Alaba pfiff Zentimeter am Tor vorbei, und nach vierminütiger Nachspielzeit hatten es die Hannoveraner dann endlich geschafft.

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