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Hannover - Gladbach 2:3 : Borussia Mönchengladbach dreht das Spiel

Für Gladbach geht es weiter bergauf. Nach einem 0:2-Rückstand dreht Borussia Mönchengladbach das Spiel in Hannover noch und siegt mit 3:2. Doch der Mann des Spiels will danach nichts sagen.

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Mann des Tages beim 3:2-Sieg in Hannover: Gladbachs Juan Arango.
Mann des Tages beim 3:2-Sieg in Hannover: Gladbachs Juan Arango.Foto: dpa

Dem Mann des Abends war kalt. So kalt, dass auch die wattierte Jacke nicht als hinreichendes Argument diente, einen oder vielleicht sogar zwei Sätze zu verlieren über dieses verrückte Fußballspiel, das er gerade nach einem 0:2-Rückstand im Alleingang gedreht hatte. Also floh Juan Arango in Richtung Dusche und ließ viele ratlose Menschen und Kameras und Mikrofone zurück.

Was war denn das? Innerhalb von neun Minuten hatte der Venezolaner in Diensten von Borussia Mönchengladbach zwei Tore vorbereitet und eines selbst geschossen, was gleichbedeutend war mit einem 3:2 (0:0)-Sieg bei Hannover 96. Für Hannover war es vor 49 000 Zuschauern die erste Heimniederlage in der Bundesliga nach 22 Spielen. „So ist Fußball“, sprach Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre. „Im Leben kann es unglaublich schnell gehen, und im Fußball auch.“ Wahrscheinlich befand er sich selbst noch in einer Art Findungsphase, im gedanklichen Prozess der Verarbeitung des gerade Erlebten. Zu bestaunen gab es im kalten Hannover eine neue Borussia, sie erinnerte schon ein wenig an die alte, die in der vergangenen Saison beinahe in die Champions League gestürmt wäre.

Allerdings gilt diese Feststellung nur für die mitreißende letzte halbe Stunde, als die Gladbacher nach einem 0:2-Rückstand klug, besonnen und geordnet weiterspielten und zwischen den Minuten 70 und 79 zu drei beinahe logischen Toren kamen. Zuvor war lange Zeit nur mit sehr gutem Willen zu erahnen, dass da etwas Besonderes im Entstehen war. Ein Mönchengladbacher Angriffsspiel fand eine Stunde lang so gut wie gar nicht statt. Wie sollte es auch angesichts einer zunächst nahezu verheerenden Pass-Ungenauigkeit. Immerhin wirkte das Defensivgefüge sehr viel geordneter als zuletzt bei den vogelwilden Veranstaltungen in Bremen und Dortmund.

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Dann schien alles seinen zu erwartenden Lauf zu nehmen. Fünf gute Minuten der Hannoveraner unmittelbar nach der Pause genügten, alle zarten Gladbacher Ansätze aus der ersten Halbzeit zu konterkarieren. Erst lief Jan Schlaudraff nahezu ungehindert über den Platz, und als ihn kurz vor dem Strafraum immer noch niemand angreifen wollte, da schoss er den Ball einfach ins Tor. Und Hannover setzte nach. Sergio Pintos Freistoß fand Konstantin Rausch, der scharf in die Mitte passte, in den Rücken von Mame Diouf, der den Ball artistisch hinter seinem Standbein irgendwie ins Tor abfälschte.

Wer die letzten Gladbacher Niederlagen in Dortmund (0:5) und Bremen (0:4) verfolgt hatte, musste in diesem 0:2 eine frühe Vorentscheidung sehen. Doch die Borussia mochte sich jedenfalls nicht abfinden mit einer vierten Saisonniederlage. Erst scheiterte Igor de Camargo zweimal an Ron-Robert Zieler. Und als Hannovers Torhüter dann Arangos Distanzschuss nicht festhalten konnte, stand Alvaro Dominguez am rechten Fleck und staubte ab zum 1:2. Mit den eingewechselten Offensivkräften Mike Hanke, Peniel Mlapa und Granit Xhaka drängten die Gladbacher weiter nach vorn. Doch es war wieder ein Verteidiger, der den Ausgleich schaffte. Erneut kam der Ball von Arango, diesmal per Freistoß, direkt auf den Kopf von Roel Brouwers, der sonst wohl nur im Training so frei steht wie bei diesem 2:2.

Für die großartige Schlusspointe aber hatte Borussias Venezolaner sich selbst als Hauptdarsteller eingeplant. Nach einem selten dummen Foul von Mario Eggimann an Mlapa lag der Ball zum Freistoß an ziemlich derselben Position im linken Halbfeld wie vor dem 2:2. Zieler orientierte sich Richtung Mitte, was Arango wohl aus dem Augenwinkel beobachtet hatte. Er wagte das verwegene Kunststück, den Ball mit dem linken Fuß vorbei Richtung kurzer Pfosten zu zirkeln. Das Kunststück gelang, die Borussia lag 3:2 vorn, und am Ende dieses kalten Abends versuchte sich Martin Stranzl an einer Erklärung. „Das ist halt Juans Genialität“, sagte der österreichische Verteidiger. „Oft wissen wir selbst nicht, was er als nächstes macht.“

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