Hannover - Wolfsburg 0:5 : Dzeko gegen Grafite – 3:2

Der VfL Wolfsburg siegt dank seiner beiden Stürmer Dzeko und Grafite 5:0 in Hannover. Das Team von Trainer Felix Magath steht damit kurz vor dem Meistertitel.

Christian Otto[Hannover]

Von all den Gymnastik-Überstunden, die Felix Magath seinem Team bisher verordnet hat, wird es eine der schönsten gewesen sein. Als die Profis des VfL Wolfsburg nach ihrem gestrigen Triumph wie gewohnt im Stadion blieben und sich noch einmal im Kreis dehnten und streckten, feierten 6000 mitgereiste Wolfsburger Fans ihre Mannschaft. „Jetzt wollen wir auch Meister werden“, sagte Torjäger Edin Dzeko. Er blödelte mit seinen überglücklichen Teamkollegen ausgelassen auf dem Rasen herum. Denn dank des 5:0 (3:0)-Erfolges bei Hannover 96 hat der kleine niedersächsische Klub einen Platz in der großen Champions League bereits sicher. Und ein einziger Punkt im abschließenden Heimspiel gegen Werder Bremen wird reichen, um das Wolfsburger Fußball-Märchen mit einem wunderbaren Ende zu versehen.

Ihr stets so beherrschter Chef, der sich mit einem Triumph zum FC Schalke 04 verabschieden möchte, sah für seine Verhältnisse ungewöhnlich glücklich und zufrieden aus. „Meister ist man zwar erst, wenn das letzte Spiel abgepfiffen ist“, sagte VfL-Coach Magath, „aber wir haben mit einem großartigen Auftritt einen großen Schritt geschafft.“

Was der Trainer kollektiv lobte, war wieder einmal auf zwei Spieler zu reduzieren, die Hannover eine Demütigung erteilten. Dzeko mit seinen drei und Grafite mit seinen zwei Toren verschafften den Wolfsburgern im Titelrennen drei weitere Punkte und ein beruhigendes Polster in der Tore-Bilanz. Dzeko wird angesichts seiner 25 Saisontreffer von Europas Top-Klubs gejagt. Der überragende Bosnier möchte aber erst Meister werden und dann über seine Zukunft reden. Sein Sturmpartner Grafite, bisher 26-mal erfolgreich, will in Wolfsburg bleiben und Torschützenkönig der Bundesliga werden. „Wir haben die beiden zu ihren Toren eingeladen“, sagte der frustrierte Routinier Michael Tarnat, der in Hannover keinen neuen Vertrag erhält und mit einem Debakel gegen den Tabellenführer abtreten musste.

Es waren die Überlegenheit und die fünf schönen Tore des VfL, die aus dem Niedersachsen-Derby zwischen Wolfsburg und Hannover eine einseitige meisterliche Show machten. „Wir haben das so nicht gewollt“, sagte 96-Trainer Dieter Hecking. Sein Satz klang wie eine Entschuldigung in Richtung des FC Bayern München und der anderen Wolfsburger Verfolger. Schon nach 20 Minuten hatten die Wolfsburger Fans das Liedchen mit dem Titel „Deutscher Meister wird nur der VfL“ angestimmt. Zu groß war die Überlegenheit der Mannschaft um Grafite und Dzeko.

Im Grunde genommen war es eine Frechheit, die sich Dzeko bei seinem ersten Tor erlaubte. Eine Hereingabe des Japaners Makoto Hasebe stoppte der Bosnier mit der Brust und vollendete dann mit einem Schuss in den rechten Torwinkel, der alle 49 000 Fans im Stadion staunen ließ. Nationaltorhüter Robert Enke konnte nur machtlos zusehen. Der spektakuläre Treffer war das Startsignal für einen VfL-Auftritt, der am Ende wirklich meisterlich war. Dzeko, Grafite und Spielmacher Zvjezdan Misimovic legten sich die Bälle nach Belieben gegenseitig auf. „Und das Beste ist: Wir verwalten einen Vorsprung nicht, sondern spielen weiter nach vorne“, sagte Verteidiger Marcel Schäfer. Er und seine Kollegen können die Witze darüber, dass es im beschaulichen Wolfsburg nicht einmal einen Rathaus-Balkon für eine Meisterfeier gibt, mittlerweile sehr gut ertragen. Angesichts der 51 Saisontore, die auf das Konto von Dzeko und Grafite gehen, wäre ein Denkmal für die beiden Stürmer vielleicht sogar das wichtigere Bauvorhaben.

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