Hannovers Aus in der Europa League : Fans und Mannschaft wachsen zusammen

Hannover 96 scheidet im Viertelfinale der Europa League nach zwei Niederlagen gegen Atletico Madrid aus. Trotzdem ziehen die Niedersachsen eine positive Bilanz ihres internationalen Abenteuers.

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Unmittelbar nach der Niederlage war bei Mirko Slomka noch von seinem bisher bittersten Moment bei Hannover 96 die Rede. Am Tag nach dem Aus in der Europa League klang er schon deutlich optimistischer. „Wir haben eine tolle Saison gespielt. Das wird hängenbleiben“, sagte der Trainer eines Teams, das an seine Grenzen gestoßen ist. Zweimal hat Hannover 1:2 im Viertelfinale gegen Atletico Madrid verloren. Der Traum von der nächsten Galavorstellung ist geplatzt, weil die Spanier taktisch cleverer und individuell besser besetzt waren. Atletico mit dem starken Diego als zweifachem Torvorbereiter für Adrian und Falcao spielt auf einem Niveau, das auch die 96-Profis erreichen können – bisher aber nur sporadisch.

Auf ihrer Ehrenrunde, die Hannovers Spieler am Donnerstag zu später Stunde noch drehen durften, sind die Geschlagenen mit viel Applaus bedacht worden. Mannschaft und Fans – das ist der erste Lohn für eine außergewöhnliche Saison auf der europäischen Bühne – sind in Hannover zusammengewachsen. „Unsere Fans haben ein feines Gespür. Auch wenn die Anforderungen an uns wachsen, sie verzeihen uns Niederlagen“, glaubt Slomka. Die Messlatte für einen Verein, der vor zwei Jahren fast in die Zweite Liga abgestiegen wäre, liegt mittlerweile hoch. Am Sonntag versuchen die Niedersachsen im Spiel bei Schalke 04, sich auf dem fünften Tabellenplatz der Bundesliga zu behaupten. „Wir spüren keinen Ballast. Wir können auch in der nächsten Saison Großes schaffen“, sagt Mittelfeldspieler Sergio Pinto. Er klingt voller Angriffslust, wenn es darum geht, mit Hannover erneut in die Europa League einzuziehen.

Was aus Sicht erfolgsverwöhnter und vermögender Klubs wie Bayern München oder Borussia Dortmund kaum erstrebenswert erscheint, darf Hannover als mehrfachen Erfolg für sich verbuchen. Präsident Martin Kind hat die Spielzeit dank der Europa League schon jetzt als die sportlich und wirtschaftlich erfolgreichste der Vereinsgeschichte eingestuft. Er spricht von einem zusätzlichen Umsatz in Höhe von 20 Millionen Euro. Wie viel Geld wirklich übrig bleibt, um eine Basis für nachhaltigen Erfolg zu schaffen, bleibt offen. Vieles von dem, was Werder Bremen groß gemacht hat, soll in Hannover kopiert werden. Defensiv haushalten, den eigenen Nachwuchs stärken und punktuell einkaufen – Klubchef Kind findet es richtig und wichtig, wenn sein Verein in kleinen Schritten weiter Karriere macht.

Zu den ehrgeizigen Plänen und Projekten von Kind gehören keine teuren Transfers. Der 67-Jährige hat sich dem Bau eines Nachwuchsleistungszentrums verschrieben. In die Mannschaft selbst wird nur behutsam investiert. Der während der Winterpause verpflichtete Senegalese Mame Diouf, der in beiden Spielen gegen Atletico ein Tor erzielt hat, war mit einer Ablösesumme von 1,8 Millionen Euro ein für hannoversche Verhältnisse teurer Einkauf. Aber es wird sich weiter herumsprechen, dass dieser Verein eine gute Adresse für Spieler geworden ist. „Wir haben in Europa unsere Visitenkarte abgegeben und uns sehr gut präsentiert“, sagt Geschäftsführer Jörg Schmadtke.

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