Hansa - Duisburg : Rostock erlebt die Wende

Der erste Sieg der Saison bringt Hansa das Selbstvertrauen zurück. Nun will Rostock auch in Berlin bestehen.

Kerstin Hebeler[Rostock]
Hansa
Befreiter Jubel. Hansa ist der erste Saisonsieg geglückt. -Foto: ddr

Wohl nur selten in der Fußball-Bundesliga wurde das Erreichen des 17. Tabellenplatzes so stürmisch gefeiert wie in Rostock. Doch nach dem 2:0-Sieg am Samstag gegen Duisburg kannte die Begeisterung zeitweise keine Grenzen mehr. 13 000 Fans feierten die Mannschaft von Hansa Rostock nach dem Schlusspfiff mit stehenden Ovationen. Die Spieler hüpften glückselig Arm in Arm auf dem Rasen des Rostocker Stadions auf und ab.

Ein Blick auf die Tabelle hätte eigentlich Ernüchterung erzeugen müssen. Rostock ist nach dem sechsten Spieltag mit gerade einmal drei Punkten Vorletzter. Doch am Samstag zählte etwas anderes: Dass das bisherige Tabellenschlusslicht nach fünf – zumeist desaströsen – Niederlagen in Folge erstmals in dieser Saison gewann und dabei in der zweiten Halbzeit auch noch überzeugend spielte. „Endlich hatte die Mannschaft ein Erfolgserlebnis. Das wird ihr hoffentlich das nötige Selbstbewusstsein für die nächsten Spiele geben“, sagt Hansa Rostocks Aufsichtsratsvorsitzender Horst Klinkmann.

In der Tat könnte das Duisburg-Spiel für Hansa einen Wendepunkt nach dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte markieren. Nach taktischen und personellen Experimenten scheint Trainer Frank Pagelsdorf die richtige Spielweise und das dafür geeignete Personal gefunden zu haben. Bewährt hat sich etwa die Neubesetzung der beiden Außenverteidiger-Positionen mit Dexter Langen und Marc Stein. Die bisher wackelige Abwehr stand wesentlich sicherer. Ausgezahlt hat sich zudem, dass Pagelsdorf gegen Duisburg von Beginn an auf die bisherigen Aushilfskräfte Tobias Rathgeb und Sebastian Hähnge setzte. Beide zeigten ein starkes Spiel, welches Stürmer Hähnge mit seinem ersten Saisontreffer zum 1:0 für Rostock krönte.

Nach dem Motto „Never change a winning team“ wird Rostock aller Voraussicht nach mit dem Siegerteam am Dienstag in Berlin gegen Hertha antreten. „Es gibt momentan keinen Grund, an der Aufstellung etwas zu ändern“, sagt Pagelsdorf. Dieser warnt jedoch vor Übermut: „Wir haben keinen Grund zur Euphorie.“ Zu viele Baustellen müssen in Rostock noch geschlossen werden. So fällt Hansa-Kapitän Stefan Beinlich wegen anhaltender Kniebeschwerden weiterhin aus. Zudem erwies sich die Bundesliga-Unerfahrenheit der meisten Rostocker Profis bislang als große Bürde. „Anders als in der Zweiten Liga wird jeder Fehler sofort bestraft“, hat Hansa- Stürmer Enrico Kern festgestellt.

Helfend zur Hand gehen soll den Rostockern nun ein Mentalcoach. Er soll Blockaden in den Köpfen der zuweilen verunsicherten Hansa-Spieler lösen. Diese scheinen sich aber auch ohne psychologische Extrabetreuung auf dem Wege der Besserung zu befinden. Der oft gescholtene Torhüter Stefan Wächter zum Beispiel gab die Parole für das Duell mit Hertha aus: „Über Willen und Kampf wollen wir auch in Berlin zum Erfolg kommen.“

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