Hansa gegen St. Pauli : Verletzte nach Randale in Rostock

Bei den Krawallen nach dem Zweitliga-Spiel zwischen Rostock und St.Pauli gab es 15 Verletzte, darunter 6 Polizisten. Die Klubs kritisieren die Krawallmacher scharf.

RostockÜber 600 Beamte konnten die schwersten Fußball- Ausschreitungen in Rostock seit mehreren Jahren nicht verhindern. Die erschreckende Bilanz der Krawalle am Rande des Zweitliga-Spiels FC zwischen dem FC Hansa Rostock und dem FC St. Pauli (3:0) lautete am Freitagabend: Offiziell 15 Verletzte, darunter sechs Polizisten. "Ich weiß nicht, was diese Leute im Kopf haben. Wahrscheinlich sind die Birnen leer", fand Hansas Vorstandschef Dirk Grabow deutlich Worte. Und Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), betonte: "Das sind keine Fußball-Fans, das sind Krawallmacher."

Die Polizei war mit einer Deeskalationsstrategie aufgetreten. "Beide Fan-Lager sind nur zweimal direkt aufeinandergetroffen", sagte Polizeisprecherin Dörte Lembke und verteidigte die Marschroute der Polizei. Nach ihren Angaben hätten sich Rostocker Fans nicht an eine Abmachung gehalten, die in der Woche zwischen Anhängern, Verein, Ordnungsdienst und Polizei geschlossen wurde. Nachdem Hansa-Anhänger versuchten, nach dem Spiel eine Absperrung zu durchbrechen, setzte die Polizei zwei Wasserwerfer und Tränengas ein. Laut Augenzeugenberichten kam es zu wilden Prügeleien zwischen Polizei und Fans. Festnahmen habe es dabei nicht gegeben, so Dörte Lembke.

Krawallmacher mit nur einer Gehirnzelle

Schon vor der Partie waren 52 Personen vorläufig festgesetzt worden, 47 davon wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs. Sie befanden sich am Samstag wieder auf freiem Fuß. "Es gibt immer wieder Leute mit einer halben Gehirnzelle. Man muss versuchen, diese Leute so schnell wie möglich auszusortieren", sagte Hamburgs Trainer Holger Stanislawski. Hansa-Boss Grabow meinte: "Wir haben im Vorfeld zu einem friedlichen Umgang aufgerufen. Es gibt aber immer wieder Idioten, die sich einfach nur prügeln wollen. Das kann man nicht verhindern."

Beide Fan-Lager sind seit Jahren verfeindet. In der Vergangenheit hatte es immer wieder massive Ausschreitungen gegeben. Zuletzt waren beide Clubs jedoch vor sechs Jahren aufeinandergetroffen. "Die Fan- Szenen haben sich verändert", hatte Rostocks Fanbeauftragter Axel Klingbeil noch vor der Partie erklärt und auf ein friedliches Derby gehofft - leider vergebens. So war der Rostocker 3:0-Sieg nach den Toren von Regis Dorn (30.) und Djordjije Cetkovic (71./87.) vor 23.000 Zuschauern am Ende kaum mehr als eine Randnotiz. An eine Strafe durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) glaubt Grabow derweil nicht: "Die Sachen sind nach dem Schlusspfiff passiert und haben das Spiel nicht beeinflusst."

Wie groß der Imageschaden für den Verein sein wird, ist dagegen nicht abzuschätzen. Erst vor zwei Monaten hatten Rostocker Anhänger bei einem Freundschaftsspiel in Dänemark das dortige Stadion verwüstet. Als "enttäuschend und frustrierend" bezeichnete Theo Zwanziger die Vorfälle.

"Wir werden nie eine heile Welt haben, aber die Gesellschaft muss sich fragen, warum die Hemmschwelle für Gewalt so niedrig ist", sagte er. Der DFB-Chef verwies zudem darauf, dass er weiter auf das Konzept der regionalen Fan-Projekte setzt. In Rostock wird dieses am kommenden Dienstag eröffnet. (leu/dpa)

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