Sport : Hansa Rostock - Bayer Leverkusen: Ein Hauch von Haching

Jörg Allmeroth

Reiner Calmund war kurz davor, die Fassung zu verlieren. Es war ein Hauch des Unterhaching-Gefühls vom Vorjahr, die ihn zu der Frage veranlassten: "Wo waren denn heute Herz, Leidenschaft und Moral?" In die Schiedsrichterbeschimpfung seiner Trainer wollte der Manager von Bayer Leverkusen nach dem 1:2 bei Hansa Rostock nicht einstimmen: "Klar hat der uns bei ein paar Kleinigkeiten benachteiligt", sagte Calmund, "aber deswegen haben wir doch nicht verloren."

Während sein Cheftrainer Berti Vogts noch brüstete, "dass ich meine Spieler in der Kabine beruhigt haben, damit sie nicht ausrasten", und Kotrainer Littbarski den Auftritt von Schiedsrichter Edgar Steinborn neudeutsch als "echt krass" abkanzelte, hatte Calmund die eigentliche Schwachstelle ausgemacht: Torhüter Pascal Zuberbühler. "Der soll nicht jammern, dass er bedrängt worden ist", giftete Calmund. "Er ist fast zwei Meter groß und muss sich mal Respekt verschaffen."

Zuberbühlers Lamento, er sei beim 1:1-Ausgleichstreffer von Agali regelwidrig angegriffen worden, wollte Calmund gar nicht hören: "Diese Jammerei geht mir furchtbar auf den Keks." Selbst Torwarttrainer Toni Schumacher machte seinem Unmut ungewohnt deutlich Luft: "Zuberbühler hat bei beiden Toren gar nicht gut ausgesehen." Beim ersten Tor von Agali war er zu unentschlossen, beim zweiten von Baumgart irrte er im Strafraum herum. Am Freitag gegen Cottbus wird wohl Adam Matysek im Tor stehen.

Zu allem Überdruss verlor Leverkusen nicht nur die fest einkalkulierten drei Punkte, sondern auch noch Jens Nowotny durch einen Bänderriss im Knöchel. Er fällt mindestens vier Wochen aus. "Jens ist der beste Abwehrspieler Deutschlands, den können wir nicht einfach ersetzen", befand Vogts. So blieb den Leverkusenern nur der schwache Trost, dass sie in den nächsten Wochen nicht auch noch auf Ulf Kirsten verzichten müssen. Der leistete sich zunächst ein rotwürdiges Foul gegen Rydlewicz und dann auch noch eine Tätlichkeit gegen Rostocks Oswald. Doch vom Feld flog Oswald, wegen einer von Schiedsrichter Steinborn exklusiv erkannten Zeitverzögerung.

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