Hansa Rostock : Manager Studer vor dem Aus

Kurz vor Trainingsauftakt hängt bei Hansa Rostock der Haussegen gehörig schief. Immer stärker in die Kritik gerät dabei Manager Studer, der nur einen Neuzugang vorweisen kann. Das liegt aber auch an Trainer Pagelsdorf.

RostockPersönliche Machtkämpfe, kein Hauptsponsor und nur ein neuer Spieler: Fußball-Bundesliga-Aufsteiger FC Hansa Rostock versinkt gut zwei Wochen vor dem Trainingsauftakt im Chaos. Der Aufsichtsrat will nun anscheinend die Reißleine ziehen: "Über die Zukunft von Manager Stefan Studer soll am Wochenende entschieden werden", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Horst Klinkmann. Studer solle dann nach seinen Ergebnissen bei den Transfers beurteilt werden, erklärte Klinkmann. Bisher steht nur ein Neuzugang zu Buche. Torhüter Stefan Wächter kommt ablösefrei vom Hamburger SV an die Ostseeküste.

Studer scheint bei Hansa auf verlorenem Posten zu stehen, denn auch Klinkmann sagt: "Wenn einer seine Aufgabe nicht erfüllt, müssen wir über personelle Konsequenzen nachdenken. Ich hatte immer gehofft, dass sich Studer und Pagelsdorf zusammenraufen." Das Verhältnis zwischen dem Manager und Trainer Frank Pagelsdorf scheint jedoch vollkommen zerrüttet. Seit Monaten tobt ein Streit, der nun durch die Entmachtung Studers aus der Welt geschafft werden soll.

Schlünz neuer Manager?

Nach Informationen des "Kicker" soll der ehemalige Hansa-Trainer Juri Schlünz, der derzeit im Nachwuchsbereich des Vereins arbeitet, neuer Manager werden. "Wir können es uns nicht leisten, eine Million Euro für einen neuen Manager auszugeben", betonte Klinkmann.

Studers Position war bereits vor einigen Monaten durch das Ausscheiden seines größten Fürsprechers geschwächt worden: Aufsichtsrats-Vize Wolfgang Holz, den Klinkmann gern als das "Hansa- Portemonnaie" bezeichnet und der als der starke Mann bei den Mecklenburgern galt, hatte sich wegen einer schweren Krankheit aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Holz hatte Pagelsdorf offen die Meinung gesagt. Nun scheint der Trainer alle Freiheiten zu genießen. "Am Denkmal Pagelsdorf zu rütteln, ist schwer", meinte Klinkmann, der auch den Vorstandsvorsitzenden Dirk Grabow nicht von jeder Schuld beim Streit zwischen Pagelsdorf und Studer freispricht: "Ich kann nicht ausschließen, dass er da zu lieb war."

Veto von Pagelsdorf

Dass Studer, dessen Manager-Vertrag am 30. Juni ausläuft und der einen Anschlussvertrag ohne genaue Stellenbeschreibung bis 2010 hat, nicht mehr Neuzugänge präsentieren konnte, liegt auch an Pagelsdorf. Zuletzt wollte Studer die Verpflichtung von Mathieu Beda vom Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern perfekt machen. Beda stand zunächst auf der Wunschliste von Pagelsdorf, doch dann änderte der Trainer in letzter Sekunde seine Meinung und legte sein Veto ein.

Auch der Wechsel von U21-Nationalspieler Daniel Schulz vom Regionalligisten 1. FC Union Berlin platzte. Warum sich beide Seiten nicht einigen konnten, wollte Studer nicht kommentieren. Klinkmann: "Wir hatten die Ablösesumme von 250.000 Euro genehmigt. Es überrascht mich, dass der Transfer nicht zu Stande gekommen ist." Zudem kritisierte Pagelsdorf immer wieder die Arbeit des Managers: "Wir hätten viele Dinge eher machen können, jetzt hinken wir hinterher."

Doch nicht nur in der Hansa-Führung gibt es Baustellen. So ist immer noch kein neuer Hauptsponsor gefunden worden. "Die ersten Ergebnisse waren nicht ganz so positiv. Ein Jahr nach der Fußball- Weltmeisterschaft boomt zwar der Fußball, aber bei viele Unternehmen ist man müde, in ihn zu investieren", sagte Marketing-Vorstand Ralf Gawlack, der sich auch um die Vermarktung der Namensrechte des Ostseestadions kümmern soll. Erfolgsmeldungen in diesem Punkt gibt es ebenfalls noch nicht. (Von Karsten Lehmann, dpa)

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