Sport : Hanseatisch fair

Hamburg, einst deutscher Favorit auf Olympia 2012, registriert das Leipziger Chaos mit Zurückhaltung

Frank Heike

Hamburg . Wenn sich nicht ein Boulevardjournalist an Horst Meyer erinnert hätte, gäbe es wohl gar keine wie auch immer geartete öffentliche Reaktion aus Hamburg zu den Querelen und Skandalen um die Leipziger Olympiabewerbung. Denn die offizielle Sprachregelung der hanseatisch-fairen Olympiakämpfer, die Leipzig in der Abstimmung vom 12. April unterlegen waren, hört sich folgendermaßen an: „Zu aktuellen Entwicklungen in Leipzig äußern wir uns nicht.“

So drückt es Hans-Jürgen Schulke aus, der Leiter des Hamburger Amtes für Sport. Schulke ist der kluge Kopf hinter der Hamburger Bewerbung. Es war vor rund zwei Jahren seine Idee, Spiele in der Hafencity im Herzen der Stadt zu veranstalten. Eine Idee, von der er später den damaligen Ersten Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) überzeugte und die Olympia-Begeisterung in Hamburg erst entfachte.

Meyer, der Unternehmensberater und Olympiasieger 1968 im Achter, bis vor sieben Monaten Chef der „Hamburg für 2012 GmbH“, äußerte sich dann doch etwas ausführlicher, als mancher in Hamburg es gern gesehen hätte. Allerdings kritisierte er Leipzig nur am Rande. Wie es denn sein könne, dass der Aufsichtsrat um Leipzigs Oberbürgermeister Tiefensee von allen Vorgängen nichts gewusst habe? „Das wäre in Hamburg nicht passiert.“ Da wiederum musste mancher aus dem Umfeld der Hamburger Bewerbung schmunzeln – Meyer galt in seiner Zeit als GmbH-Geschäftsführer nicht gerade als jemand, der alle über alles informiert hielt.

Doch einmal abgesehen von Meyers Äußerung ist es weniger das Leipziger Ungeschick, das in Hamburg mit Kopfschütteln oder Schadenfreude zur Kenntnis genommen wird. Nach wie vor ärgert man sich über die Art der Abstimmung vom 12. April, über das Procedere des NOK. „Heute will es keiner gewesen sein, der uns die entscheidende Stimme nicht gegeben hat“, sagt Meyer. „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Hamburger Bewerbung die beste war.“ Das ist eine weit verbreitete Meinung in Hamburg. So sagte vor kurzem Klaus-Jürgen Dankert, Präsident des Hamburger Sportbundes, dass die Hansestadt sich für 2016 erneut bewerben werde; auch die Handelskammer sieht Hamburg für eine Bewerbung 2016 bereit, „falls Leipzig im kommenden Jahr nicht den Sprung in die Reihe der offiziellen Kandidaten schafft“, so ihr Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz.

Das Gelände in der Hafencity stünde bis 2020 für Olympische Spiele bereit, erklärt Sportamtsleiter Schulke. Doch von ihm und aus der Politik gibt es weder das Bekenntnis für eine abermalige Kandidatur Hamburgs noch Kritik am NOK-Wahlmodus: „Wir haben die Wahl hanseatisch fair akzeptiert, ohne erfreut zu sein. Wir unterstützen Leipzig auf verschiedenen Ebenen und sehen erfreut, dass unsere Kompaktlösung inzwischen auch dort verwendet wird.“ Ansonsten werde in Hamburg weiter daran gearbeitet, Europas Sportmetropole Nummer eins zu werden, sagt Schulke. Das heiß ersehnte und längst notwendige Spitzensportkonzept Hamburgs, das Politik, Sport und Wirtschaft ausarbeiten wollen, soll dabei mithelfen.

Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat sich genauso wie Schulke verhalten und Leipzig sofort nach der Wahl alle Unterstützung versprochen; Häme oder Kritik gibt es von ihm sowieso nicht. Nur diesen einen Satz vom Frühjahr 2003: Hamburgs Bewerbung für 2012 müsse ja nicht das Ende aller Hoffnungen gewesen sein. In Hamburg wäre nicht jeder traurig, flöge Leipzig im Mai 2004 aus der Vorauswahl des IOC.

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